Barack Obama Gut & Böse
Im Gespräch mit einer der wichtigsten religiösen Leitfiguren der USA – dem Gründer der freikirchlichen Bewegung „Purpose Driven Connection“...
Von RICK WARREN
Rick Warren: Die Bibel sagt, Führerschaft beruhe in erster Linie auf Integrität und Liebe. Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken, was würden Sie sagen, in welchem Punkt haben Sie in Bezug auf Gewissen und Moral am meisten versagt? Und in welchem Punkt haben die Vereinigten Staaten diesbezüglich am meisten versagt?
Barack Obama: Nun, bezogen auf mein eigenes Leben, würde ich da Phasen unterscheiden. Ich hatte eine schwierige Jugend. Mein Vater lebte nicht mit uns zusammen. Es gab Zeiten, in denen ich mit Drogen experimentierte. Als Jugendlicher trank ich Alkohol. Und all das schreibe ich einem gewissen Egoismus zu. Ich war so sehr mit mir selbst beschäftigt, dass ich mich nicht auf andere Leute konzentrieren konnte. Wenn ich gelegentlich vom Weg abweiche, dann liegt das, denke ich, häufig daran, dass ich versuche, mich selbst zu schützen, anstatt zu versuchen, Gottes Werk zu tun.
Warren: Ja, grundlegender Egoismus.
Obama: Und das, denke ich, ist es, wo ich persönlich versagt habe.
Warren: Wie ist es mit den Vereinigten Staaten?
Obama: Ich denke, der Punkt, in dem unser Land am meisten versagt hat – jedenfalls seitdem ich auf der Welt bin –, ist der, dass wir noch im-mer nicht den zentralen Grundsatz des Matthäus-Evangeliums umgesetzt haben, nämlich: „Das, was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan“.
Und dieses Grundprinzip zielt auf die Armut, den Rassismus und die sexuelle Diskriminierung in unserem Land. Es zielt auf die Gedankenlosigkeit, mit der wir es versäumen, den Menschen Chancen und Gelegenheiten zu eröffnen, damit sie in die Mittelschicht aufsteigen können. Es herrscht allenthalben das Gefühl, dass dieses Land – so reich und mächtig es auch sein mag – noch immer nicht genügend Zeit darauf verwendet, an seine „Geringsten“ zu denken.
Warren: Welches ist die wichtigste politische Position, die Sie vor zehn Jahren vertreten haben, heute aber nicht mehr, weil sich Ihre Einstellung verändert hat, weil Sie heute anders denken als damals?
Obama: Ich versuche mich an die Zeit vor zehn Jahren zu erinnern. Ein gutes Beispiel wäre wohl das Thema Sozialreform. Ich war immer der Überzeugung, dass unser System der staatlichen Unterstützung für Arme reformiert werden müsste. Doch meine Sorge war, dass die vor zehn Jahren von Präsident Bill Clinton zunächst verabschiedete Sozialgesetzgebung katastrophale Auswirkungen haben könnte. Ich arbeitete damals in der gesetzgebenden Versammlung des Bundesstaates Illinois, und mein Ziel war es, dafür zu sorgen, dass wir Frauen, die zukünftig durch das Sozialhilfenetz fallen würden, Kinderbetreuung, medizinische Versorgung und andere unterstützende Maßnahmen zusichern konnten.
Doch die Gesetzgebung griff besser, als viele es erwartet hatten. Und einer von den Punkten, von denen ich absolut überzeugt bin, ist der, dass im Zentrum jeder Sozialpolitik stehen muss, dass die, die Geld vom Staat empfangen, auch Arbeit suchen müssen. Nicht nur weil die, die arbeiten, letztendlich mehr Geld in der Tasche haben werden, sondern weil es ein wesentlicher Aspekt von Arbeit ist, dass sie den Menschen Würde und Sinnhaftigkeit verleiht.
Warren: Sie lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass Sie an Jesus Christus glauben. Was bedeutet es generell für Sie, auf Jesus zu vertrauen, und was bedeutet es für Sie im Alltag?
Obama: Zuallererst bedeutet es für mich, dass ich glaube, dass Jesus Christus für meine Sünden gestorben ist und dass ich durch ihn erlöst worden bin. Ich weiß, dass ich nicht allein bin auf meinem Weg. Aber es bedeutet ebenso ein Gefühl der Verpflichtung, die Erwartungen, die Gott an uns stellt, mit Hingabe anzunehmen – und zwar nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Und das bedeutet, an die Geringsten unter uns zu denken.
Es bedeutet, gerecht zu handeln und barmherzig zu sein und demütig in Gottes Gegenwart zu wandeln. Und zu versuchen, diese Lehren jeden Tag in die Tat umzusetzen, wohl wissend, dass man jeden Tag ein wenig scheitern wird. Es gibt mit die Zuversicht, Dinge auszuprobieren, einschließlich solcher wie meiner Bewerbung um das Präsidentenamt, bei denen man genau weiß, dass man dann und wann Fehler machen wird.
Warren: Lassen Sie uns über das Thema Abtreibung sprechen. Ab welchem Zeitpunkt besitzt Ihrer Meinung nach ein Ungeborenes Menschenrechte?
Obama: Nun, ich denke, egal, von welcher Warte aus man es betrachtet, ob von der theologischen oder von der wissenschaftlichen, diese Frage abschließend zu beantworten ist eine Nummer zu groß für mich. Aber lassen Sie mich einige allgemeine Worte zum Thema Abtreibung sagen.
Ein Punkt, von dem ich absolut überzeugt bin, ist, dass es hierbei auch um Fragen des persönlichen Gewissens und der Ethik geht. Und demzufolge denke ich, dass diejenigen, die die Gewissensnöte und die seelischen Konflikte leugnen, die mit dem Thema Abtreibung einhergehen, sich nicht wirklich mit dem Thema beschäftigt haben. Das wäre also Punkt eins.
Punkt zwei hingegen ist, dass ich das Recht auf Abtreibung befürworte. Nicht, weil ich „für Abtreibung“ bin, sondern weil ich denke, dass keine Frau diese Entscheidung leichtfertig trifft. Betroffene Frauen ringen in größter Ernsthaftigkeit mit dieser Entscheidung, auch in Gesprächen mit ihren Seelsorgern, ihren Ehemännern, ihren Ärzten und ihren Familien. Und deshalb ist für mich das derzeitige Ziel – und hier, denke ich, sind wir einer Meinung –, einen Weg zu finden, die Zahl der Abtreibungen zu reduzieren.
Warren: Haben Sie je bei einer Wahl Ihre Stimme für die Einschränkung oder Reduzierung von Abtreibungen abgegeben?
Obama: Nun, ich bin beispielsweise dafür, Spätabtreibungen, die mit einem Gesundheitsrisiko der Mutter begründet werden, einzuschränken. Mir ist bewusst, dass das in den Augen von Abtreibungsgegnern eine unzureichende Position ist. Und ich respektiere ihre Standpunkte. Was dieses spezielle Thema angeht, zählt es schon von jeher zu meinen Überzeugungen, dass ich nicht mit jemandem diskutieren kann, der zutiefst glaubt, dass das Leben mit der Empfängnis beginnt, und der diesen Glauben auch unverbrüchlich vertritt.
Was ich tun kann, ist Fragen stellen. Etwa wie wir Frauen die entsprechenden Mittel zur Verfügung stellen können, damit sie sich entscheiden, ihr Kind zu behalten. Haben wir ihnen die nötige medizinische Versorgung geboten? Haben sie Zugang zu Beratungsangeboten? Haben sie Informationen über die Möglichkeit einer Adoption erhalten? Diese Punkte können ausschlaggebend sein.
Warren: Andere Frage. Geben Sie uns eine Definition der Ehe.
Obama: Ich glaube, dass die Ehe ein Bund zwischen einem Mann und einer Frau ist. Und für mich als Christ ist dies auch ein heiliger Bund.
Warren: Würden Sie denn in diesem Punkt eine Verfassungsänderung unter-stützen?
Obama: Nein, das würde ich nicht.
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2 Kommentare |
| peter kahasha on 27 February 2010 ,12:24 he is verry verry special congretillation |
| Rick on 16 December 2009 ,16:52 Alkohol,Drogen, Kumpel von Tiger Woods, go home !! |
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