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So ähnlich wie dieses HIrschkalb sah auch Noel aus.
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Aus der
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Ausgabe

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Drei Freunde bewahren Hirschkalb Noël vor dem Kältetod

Das kleine Hirschkalb Noël liegt auf einem halb zugefrorenen See. Chris Winger, Gary und Lea Allinson retten es vor dem Kältetod.

Ausgabe: Januar 2016 Autor: Robert R. Robinson

Noël, das kleine Weißwedel-Hirschkalb lag kurz vor Weihnachten auf dem halb zugefrorenen Lake of Bays nahe Port Cunnington in der kanadischen Provinz Ontario. Die drei Freunde Chris Winger, Gary und Lea Allinson informierten das Umweltamt. Aber dessen Mitarbeiter lehnten es ab, das verletzte Wildtier zu retten.

Die drei Freunden entschieden, sich selbst darum zu kümmern.

Am See angekommen, schoben sie behutsam ein Aluminiumboot in Richtung des Tiers – stets darauf gefaßt, dass die dünne Eisschicht brechen könnte.
Das Hirschkalb lag mit Brust und Vorderläufen auf dem Eis. Seine hintere Körperhälfte hing im eisigen Wasser. Sein Fell war am Eis festgefroren, die Vorderläufe weit gespreizt. Die Freunde dachten, es wäre tot. Doch dann bemerkten sie, dass das Kalb sie mit seinen großen, braunen Augen beobachtete. Gary Allinson streckte den Arm aus, packte es fest am Nacken und zog kräftig. Als sie das Hirschkalb vom Eis zogen, schrie es laut auf.

Als erfahrene Jäger schätzten die drei das Alter des Kalbs auf etwa eineinhalb Jahre und sein Gewicht auf 25 Kilogramm. Sie wickelten das Kalb – das sie Noël (französisch: Weihnachten) getauft hatten – in warme Jacken und kämpften sich mit dem Boot zurück ans Ufer. Dort luden sie das Bündel mit dem verletzten Tier auf Gary Allinsons Schneemobil und fuhren in seine Werkstatt.

Der Tierarzt glaubt: Noël wird sterben

Während sie sich am Kaminofen aufwärmten, begutachteten sie Noël. Die Vorderläufe des Hirschkalbs fühlten sich an wie Eiszapfen, hart und zerbrechlich. Es konnte nicht stehen. Ein Bein war verdreht, und die Haut an der Brust war dort auf­gescheuert, wo das Tier am Eis fest­gefroren war.
Die Freunde konnten nur schwer abschätzen, ob Noël mehr vor Kälte oder vor Angst zitterte. Lea Allinson ging los, um den örtlichen Tierarzt anzurufen. Doch am Samstagabend vor Weihnachten zögerte dieser: Das Hirschkalb würde sicher an Erfrierung und Schock sterben. Er empfahl ihnen, der Natur ihren Lauf zu lassen.

Eine Babyflasche voll Milch mit Brandy für Noël

Doch die drei Freunde wollten nicht aufgeben. Lea griff erneut zum Telefon und rief Nancy Tapley an, Pferdetrainerin und Mitinhaberin der nahegelegenen Ferienanlage Bondi Village Resort. Nancy kam sofort vorbei. Das Hirschkalb lag ganz still, während sie es vorsichtig untersuchte. Ihr war klar, dass der erlittene Schock für Noël die größte Gefahr darstellte, neben den sicht­baren äußeren Verletzungen.

Sie rief einen Freund an, der als Tierarzt jahrelang das kanadische Reitsportteam betreut hatte. Am Telefon empfahl er: „Massiert Noels Ohren gegen den Schock. Gebt ihr eine Flasche mit warmer, gezuckerter Milch und einem Schuss Brandy drin. Vielleicht hilft das.“

Umzug in den Pferdestall

Im Kreis seiner Retter nuckelte das Kalb an einer Baby­flasche. In Decken eingewickelt, schlief es schließlich mit dem Kopf auf Gary Allinsons Schoß ein. Am nächsten Morgen legten Chris Winger und seine Freunde Noël ganz behutsam auf die Rückbank eines Autos und fuhren mit ihr zum Bondi Village. Dort wurde sie im Pferdestall einquartiert.

Noël kann nicht stehen, die Nerven an den Beinen sind beschädigt

Noël konnte nicht auf seinen Vorderläufen stehen und fraß fast nichts. Alle 20 Minuten musste jemand nach ihm sehen und es umdrehen. Zweimal täglich gab ihm Nancy Tapley die verordneten Antibiotika. Doch am unteren Bereich der Beine konnte Noël offenbar nichts spüren, reagierte nicht auf Berührung.


Die halbe Nachbarschaft beteiligte sich inzwischen beim Füttern und Massieren der kleinen Patientin. Noël fraß am liebsten Weintrauben, Rosinen und – seltsamerweise – Ananas. Hauptsächlich bekam sie jedoch eine Mischung aus Haferflocken und Mais. Die Helfer hängten Noël in eine weich gepolsterte Schlinge. Dann konnten sie seine Hufe in warmes Wasser tauchen und vorsichtig massieren. Anschließend standen physiotherapeutische Übungen auf dem Programm. Regelmäßig testeten die Helfer Noëls Nerven: Würde sie bald auch weiter unten am Bein auf einen vorsichtigen Nadelstich reagieren?

Noël kann wieder laufen

Eine Woche später, zwei Tage nach Weihnachten, zuckte Noël plötzlich zusammen, als die Nadel ihr Bein weiter unten berührte. Das Gefühl kehrte in ihre Gliedmaßen zurück. Noëls Hinterläufe erholten sich viel schneller als ihre Vorderbeine, sodass sie bald in der Lage war, ohne die Schlinge zu stehen. Ihre Vorderläufe dienten ihr als wacklige Stützen. Sie konnte zwar noch nicht vorwärts gehen, aber sie konnte sich rückwärts schieben – bis sie unweigerlich umkippte. Nach einem Monat hatte sie bis zu den Hufen wieder Schmerzempfinden. Drei Wochen, nachdem sie die Schlinge nicht mehr benötigte, hoppelte Noël Tapley hinterher, wenn diese im Stall ihre täglichen Arbeiten erledigte.

Umzug ins Freigehege

Jetzt war es an der Zeit für die nächste Phase der Rehabilitation. Dafür baute Tapleys Bruder Brian ein Freigehege neben dem Stallgebäude. Noël wurde immer sicherer auf den Beinen. Einer ihrer Vorderläufe war kürzer als der andere, aber das schien die kleine Hirschkuh nicht zu interessieren. Sie bewegte sich viel.

Tschüß, Noël: Zurück in die Freiheit


Alle waren da, um Noël an einem sonnigen Tag im Mai zu ver­abschieden. Als die Gehegetür geöffnet wurde, machte Noël ein paar vorsichtige Schritte und blickte sich noch einmal um, als wolle sie Danke sagen. Schließlich sprang sie in den Wald davon – aber nicht allzu weit weg.

Die junge Hirschkuh mit dem leicht hinkenden Gang blieb den ganzen Sommer über ein vertrauter Anblick in der Nähe des Ortes. Eine weitere Saison verging, und Noël erschien wieder im Bondi Village, dieses Mal mit ihrem eigenen Kälbchen. Sie kam regelmäßig vorbei. Vielleicht bedankte sich Noël so bei den Menschen, die ihr Leben gerettet hatten.

 

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