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Drei Mädchen brechen im Eis ein. Roxana Wolf eilt zur Hilfe.
© Bernd Müller
Aus der
aktuellen
Ausgabe

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Roxana rettet drei kleine Mädchen aus dem eisigen Weiher

Drei kleine Mädchen brechen im Eis eines Weihers nahe Ingolstadt ein. Roxana Wolf zieht sie aus dem eisigen Wasser.

Ausgabe: Juli 2016 Autor: Peter Hummel

Es ist kalt, der Himmel ist wolkenfrei, ein herr­licher Sonntag mitten im Februar. Roxana verlässt ihr Elternhaus. Sie ist voller Vorfreude: In 15 Minuten wird sie am Busbahnhof in Ingolstadt sein, in 50 Minuten beim Faschingsumzug in Vohburg. Noch zweimal über die Straße, dann quer durch den Hindenburgpark und am Hetschenweiher vorbei.

Ein kleiner Junge auf dem zugefrorenen Weiher

Währenddessen entdecken die Freundinnen Sina, Janin und Emely mitten auf dem zugefrorenen Hetschenweiher einen kleinen Jungen. Es hat den Anschein, als traue er sich auf dem Eis weder vor noch zurück. Der Tümpel ist nur etwa 20 Meter breit, deshalb entschließen sich die drei Mädchen – zehn und zwölf Jahre alt – dazu, dem Kind zu helfen. 

Die kleinen Mädchen wollen ihn retten . und brechen selbst im Eis ein

Eine von ihnen geht vorsichtig auf die Eisfläche. Ein Schritt, ein zweiter, ein dritter – dann bricht sie ein. Ihre Freundinnen eilen hinterher, um ihr zu helfen. Jetzt bricht das Eis gleich an mehreren Stellen. Auf dem schlammigen Boden finden die Mädchen keinen Halt. Das Wasser steht ihnen bis zum Hals. Der kleine Junge, der mitten auf dem See stand, geht rasch Richtung Ufer. Er ist leicht genug – ihn trägt das Eis. So sehr sich Sina, Janin und Emely auch bemühen, sie schaffen es nicht zurück ans Ufer.
Da sehen sie eine junge Frau den Weg auf der Böschung entlanggehen. Die Mädchen rufen, so laut sie können, um Hilfe. Aber die Frau reagiert nicht. „Hilfe! Hilfe!“, schreien die drei. Das Wasser ist eiskalt, lange werden sie nicht mehr durchhalten. 

Roxana stutzt: Sind da etwa MEnschen im eisige Wasser?

Roxana Wolf hört nichts, außer der Musik in ihren Kopfhörern. Aber sie nimmt eine Bewegung am Weiher wahr. Nur ganz kurz. War da was?  Sie geht zwei Schritte zurück und  einen auf den See zu. Großer Gott!  Sie stellt ihre Tasche ab und rennt hinunter zum Ufer. Von dort aus versucht sie die Mädchen mit der Hand zu erreichen. Doch die sind zu weit weg. Roxana erkennt, dass sie nur eine Chance hat, die drei zu retten, wenn sie ebenfalls ins Wasser steigt.

Sie kann nur helfen, wenn sie ebenfalls ins Wasser steigt

Sie weiß aber auch, dass sie sich keinesfalls selber in Gefahr bringen darf, nicht dass sie am Ende alle  feststecken.  Vorsichtig setzt sie das rechte Bein nach vorn, taucht ein. Sofort flutet eiskaltes Wasser ihren Schuh. Am Boden tastet sie nach festem Untergrund, aber das Ufer fällt steil ab und ist glitschig.
„Versucht, näher zu mir her zu kommen“, sagt sie zu den Kindern,  „versucht, meine Hand zu erwischen. Ihr schafft das!“  Noch ein bisschen nach vorn.  Sie schiebt die zerbrochenen Eis­platten zur Seite. Noch 20 Zentimeter. „Kommt her! Strengt euch an!“  Dann streckt sie ihren Arm vor  so weit sie kann.

Sie kann die Mädchen eines nach dem anderen heraus ziehen

Eines der Mädchen tut es ihr gleich – und tatsächlich bekommen sie sich zu fassen. „In diesem Moment hab‘ ich nur gehofft, dass mich das Kind nicht mit hineinzieht, sondern dass ich stehen bleiben kann“, erzählt Roxana.  Das erste Mädchen schafft es mit ihrer Hilfe drei, vier Schritte im Schlamm zu machen, kann sich dann selber am Ufer festhalten, krabbelt auf allen vieren Richtung Schnee, Roxana schiebt von hinten helfend nach. 

„So funktionierte das auch mit den anderen beiden. Letztlich hat das Ganze nicht länger als 20 oder 30 Sekunden gedauert“, erinnert sich Roxana. „Ich wusste aber aus dem Erste-Hilfe-Kurs an der Schule, dass eine Unterkühlung lebensgefährlich ist, und wir schlotterten vor Kälte.“ 

Die Mädchen sind nun in Sicherheit und werden medizinisch betreut

An diesem Tag hat sie kein Handy dabei, ausgerechnet jetzt, wo sie es so dringend gebraucht hätte.  „Wo wohnt ihr denn?“, fragt Roxana die Mädchen.  „Da vorn, etwa 500 Meter“, lautet die bibbernde Antwort.  „Los, kommt mit, ihr müsst euch bewegen.“  Unterwegs stoßen Roxana und die Mädchen zufällig auf eine Polizeistreife. „Ich war so erleichtert, auf Menschen zu treffen, die mir und den Kindern helfen konnten“, erinnert sich Roxana Wolf. Den Kindern, die doch auch nur einem anderen Menschen helfen wollten.  Die Beamten alarmieren sofort den Rettungsdienst, der die Kinder zur Sicherheit in ein Krankenhaus bringt. Schon nach ein paar Stunden dürfen sie aber alle nach Hause. 

Tags darauf steht in der Zeitung, dass Roxana drei Mädchen das  Leben gerettet hat. Wenige Wochen später erhält sie die Rettungsmedaille des Freistaates Bayern. Natürlich hat sie sich darüber gefreut. „Aber eigentlich ist das doch selbstverständlich, dass man in einer solchen Situation hilft, da überlegt man doch gar nicht“, meint Roxana.

 

 

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RD Abbinder
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