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Eine Frau stürzt in den Main. Sebastiana Di Bella schreitet ein.
© Markus Hintzen
Aus der
aktuellen
Ausgabe

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Sebastiana zieht Frau aus dem eisigen Main

Eine Frau stürzt sich in den Main nahe dem Offen­bacher Stadtteil Bürgel. Sebastiana Di Bella zieht sie aus den eisigen Fluten.

Ausgabe: August 2016 Autor: Felix Ehring

Ein grauer, kalter Aprilmorgen. Ein Taxi rollt langsam durch die schmale Öffnung des Deichs im Offen­bacher Stadtteil Bürgel. Wenige Meter entfernt fließt der Main Richtung Frankfurt dahin. Das Taxi hält, eine ältere Frau steigt aus und geht in Richtung Wasser. Rund 30 Meter entfernt beobachtet  Sebastiana Di Bella die Szene. Die Offen­bacherin ist an diesem Morgen mit ihrer kleinen Hündin unterwegs. Ihr fällt auf: Die Frau aus dem Taxi trägt trotz der Kälte nur eine dünne Bluse und Hausschuhe. Kurz vor dem Ufer verschwindet sie aus Di Bellas Blickfeld. Doch eine andere Passantin siehr, was die alte Frau tut. Mit hektischen Bewegungen deutet sie in Richtung Wasser.

„Die springt rein!“, ruft die Passantin. Sebastiana rennt los.

„Das werde ich mein Lebtag nicht vergessen“, sagt Sebastiana Di Bella. Die heute 40-Jährige erinnert sich noch genau daran, wie sie instinktiv abwägte: „Ich habe auf die Strömung geschaut, ob ich das schaffen kann. Das war eine Millisekunde, in der ich mich entschieden habe.“ Dann rennt sie los. Sie wirft ihre Umhängetasche ins Gras, lässt die Hundeleine los, sieht die alte Frau einige Meter vom Ufer im Wasser.  Die Strömung ist an dieser Stelle nicht stark, aber die Wassertemperatur liegt nur knapp über dem Gefrierpunkt. Und Di Bella weiß nicht, wie sich die Frau verhalten wird, der sie helfen will. Wird sie sich wehren?

Sie watet ins eiskalte Wasser

„Die Frau wollte mit ihrem Kopf unter Wasser, aber die war ja so dünn, die ist nicht untergegangen“, erinnert sich Di Bella.  Später stellt sich heraus: Die alte Dame war aus einer psychiatrischen Klinik geflohen, hatte schon mehrere Suizidversuche hinter sich.  Sebastiana Di Bella watet Schritt für Schritt in den Main. Große Steine mit scharfen Kanten liegen unter Wasser. Di Bella spürt die Kälte an den Beinen, das Wasser läuft in die Stiefel, die Hose saugt sich voll. Halb gehend, halb schwimmend, arbeitet sie sich zu der Frau vor. 

Sebastiana packt die Frau und hievt sie an Land

„Alles ging so schnell, an alle Einzelheiten kann ich mich gar nicht mehr erinnern“, sagt Di Bella. Sie bekommt die Seniorin an den Füßen zu packen, kann auch ihren Nacken greifen und beginnt sie Richtung Ufer zu ziehen.  Der Helferin ist klar: Sie muss schnell sein, denn bei dieser Wassertemperatur unterkühlt ein Mensch in wenigen Minuten. Zum Glück lässt sich die Lebensmüde ohne Gegenwehr zum Ufer schleppen. Irgendwie überwindet Sebastiana sogar mitsamt der Frau die großen Steine. Sie hievt die Frau an Land.

Sebastianas Stiefel ist weg, die Hose zerrissen, aber sie hat es geschafft

Sebastianas Kleidung zeugt von den Strapazen: Ein Stiefel ist weg, vom anderen hat sich die Sohle abgelöst. Die Hose ist eingerissen. Später muss Di Bella feststellen, dass sie Schlüssel und Handy im Main verloren hat. Sie setzt die Frau ins Gras und sich selbst hinter die Frau um sie zu wärmen. Sie redet beruhigend auf sie ein. Sebastiana Di Bella  arbeitet auch als Therapeutin und Heilpraktikerin und weiß, wie man Unterkühlung verhindert. So sie auf den Rettungswagen, den Passanten gerufen haben. Einige Minuten später nimmt er die alte Frau mit. 

Für ihren mutigen Rettungseinsatz bekam Sebastiana die Hessische Rettungsmedaille verliehen

Als der Wagen abgefahren ist, bleibt die mutige Helferin noch einige Minuten durchnässt am Main stehen. Sie friert. Ihre Schwester Anna nimmt sie mit zu sich nach hause, wo Di Bella lange heiß duscht.
Vor ihrem inneren Auge sieht sie die nasse, mit sichtbaren Adern durch­zogene Haut der alten Frau. Öfter fragt sie sich noch, weshalb der  Taxifahrer einfach weggefahren ist.  Er hätte doch merken müssen, dass mit der Seniorin etwas nicht stimmt. 

Für ihren beherzten Einsatz hat Sebastiana Di Bella die Hessische Rettungsmedaille verliehen bekommen. Noch heute geht sie oft am Main spazieren. Mittlerweile schiebt sie dabei ihren kleinen Sohn vor sich her. Er kam eineinhalb Jahre nach der Heldentat seiner Mama zur Welt.

 

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