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Yunus Kalkan
© Heinz Heiss
Aus der
aktuellen
Ausgabe

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Yunus Kalkan (18) stoppt den führerlosen Bus

Rosengarten bei Schwäbisch Hall: Ein Bus fährt führerlos in den Kreisverkehr ein. Yunus Kalkan (18) bringt ihn zum Stehen.

Ausgabe: Juni 2015

Wenn Yunus Kalkan heute in den Bus steigt, der ihn von seinem Heimatort Rosengarten ins nahe Schwäbisch Hall zum Fußballtraining bringt, dann sind die Bilder wieder da. „Es ist nicht einfach, die ganzen Ereignisse zu verarbeiten“, sagt der 18-Jährige, der im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ist.

Plötzlich bleibt der Bus stehen

Am 4. Februar wartet Kalkan wie jeden Mittwochabend an der Haltestelle am Rathaus von Rosengarten auf den Linienbus. Der Lehrling hat einen langen Tag an der Berufsschule in Crailsheim hinter sich und freut sich auf das Training mit seinen Vereinskameraden. Pünktlich um 19 Uhr kommt der Bus. Kalkan steigt ein, zeigt beim Fahrer seine Monatskarte vor und sucht sich ganz hinten einen Platz. Bis Schwäbisch Hall sind es keine 15 Minuten. Kalkan will sie nutzen, um noch schnell ein paar SMS-Nachrichten zu tippen. Doch obwohl er sich während der kurzen Fahrt auf sein Handy konzentriert, merkt er doch auf, als der Bus kurz nach der zweiten Haltestelle an einem Kreisverkehr stoppt. „Ich bin stutzig geworden, weil ich das Gefühl hatte, dass der Bus schon viel zu lange steht“, erinnert er sich.

 

Yunus sieht, wie der Busfahrer umkippt.

Der führerlose Bus rollt los. Der 18-Jährige springt auf und rennt den Gang entlang. Vorbei an den anderen Fahrgästen, die offenbar noch nichts bemerkt haben von dem Drama, das sich hier gleich abspielen könnte. „Gerade als ich beim Fahrer ankam, ist der plötzlich ganz zur Seite gekippt, mit dem Fuß vom Bremspedal gerutscht und zu Boden gefallen. Und dann ist der Bus auch schon losgerollt“, erzählt Kalkan.

Yunus schiebt sich über den bewusstlosen Fahrer hinweg schräg auf den leeren Sitz des Fahrers, um den Bus zu stoppen. Der angehende Mechatroniker erkennt auf einen Blick, dass der Linienbus ein Automatikgetriebe hat. Ihm ist klar, was das bedeutet: Das tonnenschwere Fahrzeug wird immer schneller werden und alles niederwalzen – wenn niemand es stoppt. Der 1,90 Meter große Hobbyfußballer schiebt sich über den bewusstlosen Fahrer hinweg schräg auf den leeren Sitz. Mit beiden Händen packt er das Lenkrad des Busses, der bereits in den Kreisverkehr einfährt – und zwar geradeaus. In diesen Sekunden denkt er nicht daran, dass er noch nicht einmal einen Führerschein hat. In seinem Kopf ist nur ein einziger Gedanke: „Ich muss diesen Bus unter Kontrolle bringen, bevor etwas passiert.“ Mit aller Kraft zieht Kalkan am Lenkrad, um den Bus im Kreisverkehr nach rechts zu zwingen.

Der 18-Jährige ohne Führerschein stoppt den Bus

Die Mitte des Kreisels ist mit Hecken und Bäumen bepflanzt. Von hinten schiebt die gewaltige Masse des Busses, vorne stemmt sich der 18-Jährige gegen das Unglück. Es geht alles so schnell, dass er noch nicht einmal dazu kommt, sich so hin­zusetzen, dass er die Bremse treten könnte. Der Bus schiebt weiter, Kalkan steuert gegen – und schafft es. Sicher lenkt der 18-Jährige den Bus aus dem Kreisverkehr heraus nach rechts in eine ruhige Seitenstraße. Eine Meisterleistung für einen jungen Mann ohne Erfahrung am Steuer – mit der er viele vor Schaden bewahrt, die gar nicht ahnen, in welcher Gefahr sie sich eben noch befunden haben. Gerade jetzt am Abend ist der Kreisverkehr, der zwischen einer Tankstelle und einem Supermarkt liegt, viel befahren.

Er bringt das Fahrzeug behutsam zum Stehen

Kalkan steuert den Bus ein paar Meter die Straße hinunter, jetzt hat er auch die Füße an den Pedalen und bringt ihn dann behutsam zum Stehen. Er betätigt die Feststellbremse, schaltet den Motor aus. Die etwa zehn Fahrgäste sind in Sicherheit – nicht einmal der Lack am Bus hat eine Schramme abbekommen.

Der Fahrer blutet aus einer Kopfwunde

Der 18-Jährige beugt sich zum Busfahrer hinunter, der noch immer zusammengekrümmt im Gang liegt. Der Mann blutet aus einer Wunde am Kopf, aber er atmet. Gemeinsam mit einem anderen Fahrgast bringt Kalkan den Bewusstlosen in die stabile Seitenlage. Dann wählt er auf seinem Handy den Notruf „112“ und alarmiert die Rettungskräfte. Zehn Minuten später ist der Notarzt vor Ort und versorgt den Busfahrer. Der 37-Jährige hatte offenbar einen Schwächeanfall erlitten, von dem er sich mittlerweile wieder erholt hat.

Yunus erhält die goldene Ehrennadel der Stadt

Wenige Tage nach seiner Rettungsaktion hat der 18-Jährige, der sich selbst gar nicht als Held sieht, bei einem Festakt im Rathaus von Rosengarten die goldene Ehrennadel der Stadt erhalten, dazu ein Dauerticket für den Bus, ein Sicherheitsfahrtraining auf dem Hockenheimring und eine Saisonkarte fürs Freibad. Die hat er seinem kleinen Bruder geschenkt. Den Gutschein über 200 Euro, den ihm ein Verein überreicht hat, wird er aber selbst nutzen, sagt der 18-Jährige: „Ich will jetzt unbedingt meinen Führerschein machen.“

 

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