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Das sind die wichtigen Job-Börsen für Rentner und Pensionäre
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Das sind die wichtigen Job-Börsen für Rentner und Pensionäre

Job-Börsen für für Rentner, Senioren und Menschen über 50 haben derzeit hohe Konjunktur. Viele Pensionäre wünschen sich eine spannende Aufgabe. Job-Vermittlungsbörsen im Internet erleichtern ihnen die Suche.

Ausgabe: Februar 2016 Autor: Frank Erdle

Birgit Wacks (69) weiß, wie man ein funktionierendes Kontaktnetz knüpft. Sie leitete mehr als zwei Jahrzehnte lang die Tourismuszentrale von Stralsund. Auch nach ihrer Pensionierung wollte sie ihr Wissen und ihre Erfahrung nutzen – und gründete im Juli 2011 das Internet-Jobportal www.alteprofis.de. Es bringt aktive Senioren mit Menschen aller Altersschichten zusammen, die Jobs zu vergeben haben: von der Reparatur eines Haushaltsgeräts bis zum Nachhilfeunterricht für Schüler.

Einmal nur mussten Birgit Wacks und „alteprofis“ bisher passen.

Ein Mann suchte damals einen verrenteten Detektiv, weil er seine Frau beschatten lassen wollte. Alle anderen Nutzer des Portals wurden fündig. Zum Beispiel Christine Bock (68), aus Neubrandenburg, die von ihrer Wohnung aus über den Internetdienst Skype mit der Video­kamera Englischunterricht erteilt.
Oder Jörn Böttcher (72), pensionierter Diplomingenieur: Er verfasst kurzweilige Gedichte für Geburtstagsfeiern oder konzipiert sogar ganze Hochzeitszeitungen. „Das Schönste ist, dass ich dabei nicht nur aus meinem Erfahrungsschatz schöpfen, sondern mich auch weiterentwickeln kann und immer wieder interessante, neue Menschen kennenlerne“, berichtet Böttcher. Der finanzielle Aspekt steht für ihn nicht im Vordergrund – mehr als einen kleineren, zweistelligen Euro­betrag verlangt er gewöhnlich nicht für seine Kreativarbeit.

Nicht alle Senioren, die sich bei einer Jobvermittlung im Internet anmelden, können es sich leisten, ihre Dienste für wenig Geld anzubieten.

Silke Kiesgen gründete die „Rentner-Börse“ als Informationsplattform und weil es in ihrem Bekanntenkreis zwei Frauen gab, die mit 800 Euro Rente auskommen mussten. „Die eine hat Zeit ihres Lebens als Steuergehilfin gearbeitet und jetzt trotzdem viel zu wenig zum Leben“, klagt Kiesgen, die im Hauptberuf eine Werbeagentur im württembergischen Wernau betreibt.

Eine Untersuchung zum Thema „Erwerbstätigkeit und Rente“ am Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen zeigt, dass dieses Schicksal beileibe kein Einzelfall ist.

„Rund ein Drittel aller Rentner, die einer Beschäftigung nachgehen, fallen unter die Armutsgrenze“, berichtet die verantwortliche Soziologin Jutta Schmitz. „Noch größer ist die Anzahl der Senioren, bei denen die Rente nicht zur Sicherung ihres gewohnten Lebensstandards reicht, sodass sie eine Tätigkeit annehmen müssen, wenn sie gesundheitlich dazu in der Lage sind.“ Auffällig sei, dass auch sehr gut ausgebildete Rentner häufig nur einfache Tätigkeiten anstreben. „Die Bereitschaft, den Leistungsdruck aus dem regulären Arbeitsleben fortzuführen, ist nicht sehr groß. Gefragt sind Tätigkeiten, die kurzweilig sind und neue Kontakte ergeben.“ Manche Senioren wollten auch nur Struktur in ihren Alltag bringen. „Der Ruhestand ist ein bedeutender Einschnitt im Leben und stellt in vielen Haushalten von heute auf morgen die konservative Rollenverteilung auf den Kopf“, weiß die Soziologin Schmitz.

Bestens vertraut mit dieser Problematik ist der Schweizer Peter Hiltebrand, Elektroinstallateur und Gründer von „Rent a Rentner“.

Schon vor seiner Pensionierung plagten ihn Albträume über seine Zukunft als Müßiggänger. Deshalb gründete er mit seiner Tochter und deren Partner eine Internetplattform für die Vermittlung von Rentnern in der Schweiz und in Deutschland: „Rent a Rentner“. Vor sechs Jahren startete das Projekt, beworben mit provokativen Werbebotschaften wie „Mieten Sie einen alten Sack“. Heute gilt es als Vorbild aller Senioren-Jobbörsen und ist Marktführer in der Schweiz mit mehr als 4600 registrierten Ruheständlern, die ihre Dienste in 25 Kategorien von „Büroarbeiten“ bis „Wirtschaft“ anbieten.

Über mangelndes Interesse können aber auch die Betreiber der Portale in Deutschland nicht klagen: Allein die „Rentner-Börse“ verzeichnete seit ihrer Gründung Ende 2013 rund 370 000 Seitenaufrufe. Kommerzielle Interessen verfolgt Silke Kiesgen nicht. Das Internetangebot finanziert sich mithilfe von Unternehmen, die dort die Möglichkeit haben, Anzeigen für seniorengerechte Produkte zu schalten. In der Rubrik „Job-Angebote für Rentner“ kann jeder kostenlos nach älteren Mitarbeiter-/innen suchen.

 

Reader's Digest hat Ihnen einige wichtige Infos zu Renter-Jobs aus dem Internet zusammen gestellt:

Wie erstelle ich ein Profil auf einem Jobportal?
Bei den meisten Anbietern ist eine Anmeldung mit Passwort notwendig. Dadurch bleibt Fremden der Zugriff verwehrt, und die Kontakt­daten sind nur für registrierte Nutzer sichtbar. Mehrere Tätigkeitsfelder und ein gutes Porträtfoto von Ihnen erhöhen die Erfolgschancen.

Wie werde ich für meine Arbeit entlohnt?
Der Lohn ist Verhandlungssache, bewegt sich aber je nach Aufwand zwischen null (ehrenamtliche Tätigkeit) und 30 Euro pro Stunde. Vorab geklärt werden sollte, ob beispielsweise die Anfahrtskosten in der Bezahlung enthalten sind.

Was darf ich verdienen, ohne meine Altersrente zu gefährden?
Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, darf unbegrenzt hinzuverdienen, muss die Zusatzeinkünfte aber beim Finanzamt angeben. Deshalb sollte man sich jede Tätigkeit vom Auftraggeber quittieren lassen.

Was ist in puncto Haftung und Versicherung zu beachten?
Bei Einkäufen, Behördengängen oder der Beaufsichtigung eines Kleinkindes (Dienstvertrag) schuldet der Auftragnehmer nur die ordnungsgemäße Erfüllung der übertragenen Aufgabe. Bei Reparaturen oder vergleichbaren Tätigkeiten (Werkvertrag) haftet er persönlich für Schäden, wenn die Arbeit nicht fachgerecht ausgeführt wurde. Achtung: Die Haftpflichtversicherung zahlt nur bei Fehlverhalten im privaten Umfeld. Verletzt sich der Rentner bei einer Tätigkeit, greift die Krankenversicherung.


Die wichtigsten Internetadressen
www.alteprofis.de
www.rentner-boerse.de
www.rentarentner.com
www.ses-bonn.de

 


 

RD Abbinder
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