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So können Sie Nierensteinen vorbeugen und sie behandeln

Nierensteine – jeder Zehnte ist davon betroffen. Die Ursachen, Vorbeugung und Behandlung.

Ausgabe: März 2017 Autor: Anita Bartholomew

Als Yolanda Alonso (49) aus El Escorial in der Nähe von Madrid einen Schmerz in der rechten Seite verspürte, nahm sie an, es handle sich um ihren Eisprung. In den nächsten Tagen wurden die Schmerzen jedoch immer stärker, ähnlich wie die qualvollen Kontraktionen bei der Geburt ihrer Tochter. Yolanda konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, sodass ihr Mann sie schließlich in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses brachte.

Diagnose Nierensteine

 Nach dem Röntgen und einigen Tests stand fest: Sie hatte einen Nierenstein. Yolanda erhielt intravenös Schmerzmittel und wurde mit Schmerztabletten nach Hause geschickt. Dort wartete sie, dass der Stein sich seinen Weg aus ihrem Körper bahnte. Die Tabletten halfen einige Tage, doch nach einer weiteren Schmerzattacke musste sie erneut ins Krankenhaus und erhielt eine Infusion. Plötzlich war alles vorbei. Der Stein hatte sich gelöst. Nierensteine zählen zu den schmerzhaftesten Leiden überhaupt. Gemessen an ihrer winzigen Größe – in der Regel nur ein paar Millimeter – ist es erstaunlich, dass sie solche Beschwerden verursachen können. „Bei jedem Zehnten entwickelt sich ein solcher Stein“, erklärt Professor Thomas Knoll, Urologe an der Universität Heidelberg. Das bedeutet, dass es etwa 55 Millionen potenzielle Nierenstein-Patienten allein in Europa gibt, und die Zahl der Fälle steigt rasant. Laut der Europäischen Gesellschaft für Urologie hat sie sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt.

Wie die Steine entstehen

Im menschlichen Körper zirkulieren die unterschiedlichsten Substanzen. Überschüssiges wird zur Entsorgung zu den Nieren geschickt. Je mehr Urin produziert wird, desto mehr von diesem Überschuss kann der Körper ausspülen. Wenn die Substanzen verklumpen, bevor sie ausgespült werden, können sich Nierensteine bilden. Ein typischer Nierenstein besteht aus einer Kombination von Kalzium und der organischen Säure Oxalat. Am zweithäufigsten sind Steine, die sich aus Harnsäure bilden, die auch Gicht auslösen kann (Gicht-Patienten neigen zu Nierensteinen). Daneben können Nierensteine aus einer Verbindung von Kalzium und Phosphat entstehen sowie aus anderen Mineralstoffen. Letzteres gilt für Menschen mit einer vererbten Veranlagung zur Entwicklung von Nierensteinen. Ein Nierenstein macht sich in der Regel erst bemerkbar, wenn er die Niere bereits verlassen hat. Gelangt er in den Harnleiter und blockiert dort den Urinfluss, kann es zu extremen Schmerzen kommen. Sie entstehen durch erfolglose Versuche des Körpers, die Blockade zu lösen. Um einen Nierenstein zu diagnostizieren, werden Röntgenbilder und manchmal auch CT-Scans eingesetzt. Blut- und Urin-Tests zeigen dann, ob die Werte der Nierenstein auslösenden Substanzen erhöht sind.

Mögliche Ursachen

Dehydration ist ein entscheidender Risikofaktor. „Wer nicht genug trinkt, hat ein erhöhtes Steinbildungsrisiko“, sagt Professor Knoll. Da aber immer mehr Menschen unter Nierensteinen leiden, kann es nicht allein an einer zu geringen Flüssigkeitsaufnahme liegen. Auch unsere Lebensweise spielt eine Rolle. Je größer der Anteil der übergewichtigen Bevölkerung wird, desto häufiger treten Nierensteine auf. Aber nicht nur die Menge der Nahrungszufuhr ist entscheidend, sondern auch ihre Qualität. „Eine Ernährung, die reich an Fleisch, vor allem rotem Fleisch, ist, erhöht das Nierensteinrisiko“, erklärt Dr. Hendrik Heers, Urologe am Oxford University Hospital in Großbritannien. „Vegetarier haben ein viel geringeres Risiko im Vergleich zu Fleischessern.“ Auch verarbeitete Lebensmittel, zum Beispiel Fertiggerichte und haltbar gemachte Nahrungsmittel können das Risiko für Nierensteine erhöhen. Verarbeitete Lebensmittel sind in der Regel reich an Natrium (Salz), und überschüssiges Salz erhöht die Kalziummenge, die mit dem Urin aus­geschieden wird. Nierensteine treffen meist Menschen mittleren Alters oder Senioren, laut einer Studie aus dem Jahr 2012 aber auch immer häufiger Kinder. Erschreckenderweise haben Nierensteine bei unter 18-Jährigen in den vergangenen 25 Jahren dramatisch zugenommen. „Das hängt aus meiner Sicht allein mit der Ernährung zusammen“, sagt Dr. Palle J. S. Osther, Professor für Urologie am Lillebaelt-Krankenhaus in Fredericia, Dänemark.

Niemand ist davor gefeit

Mit 18 hatte Rushka Robert plötzlich qualvolle Schmerzen auf der rechten Seite. Die junge Amsterdamerin musste sich übergeben und schaffte es kaum bis zum Bett. Ihre Mutter vermutete eine Blinddarmentzündung, ihr Hausarzt tippte dagegen sofort auf Nierensteine. Die Rettungssanitäter, die Rushka ins Krankenhaus brachten, gaben ihr eine Infusion mit Schmerzmitteln. In der Klinik bestätigte sich dann der Verdacht des Hausarztes. Am nächsten Tag schickte man sie nach Hause. Sie sollte Schmerzmittel nehmen, bis sich der Stein gelöst haben würde. Doch dazu kam es nicht. Die Schmerzen wurden immer stärker. Als sie erneut ins Krankenhaus kam, wurde ihr mitgeteilt, dass eine Operation unumgänglich sei. Der Eingriff verlief erfolgreich, aber das war noch lange nicht das Ende.

Erneutes auftreten

Wenn man einmal Nierensteine gehabt hat, besteht eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Auftreten. „Und man hat ein 20 Prozent höheres Risiko für eine dritte oder weitere Attacke“, sagt Dr. Hendrik Heers. Durch einfache Veränderungen des Lebensstils kann man diese jedoch verhindern. „Trinken Sie viel, um das Risiko zu reduzieren“, rät Professor Osther. Zwei Liter Urin-Produktion pro Tag sollten es sein. Dafür muss man mindestens 2,5 Liter täglich trinken, bei warmem Wetter mehr. Menschen mit einer genetischen Disposition für Nierensteine sollten noch mehr Flüssigkeit zu sich nehmen. Wasser erscheint zunächst als die beste Wahl, andere Getränke sind jedoch vermutlich effektiver. So haben Kaffeetrinker ein tendenziell geringeres Nierensteinrisiko.

Säfte aus Zitrusfrüchten helfen

Auch Säfte aus Zitrusfrüchten helfen, so Professor Knoll, vor allem aus Zitronen und Grapefruits. „Sie erhöhen den pH-Wert des Urins“, erklärt er. Zitrusfrüchte machen den Urin basischer und verringern so das Risiko für Steinbildungen. Man sollte jedoch nur ungesüßte Zitrusgetränke zu sich nehmen, da der Zucker das Risiko erhöhen und so die Wirkung des Safts aufheben kann. Abhängig von der chemischen Zusammensetzung der Nierensteine kann der Arzt auch zum Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel raten. Fleisch und Eier stehen ganz oben auf der Streichliste, ebenso Muscheln, aber auch pflanzliche Lebensmittel mit einem hohen Oxalat-Gehalt wie Erdnüsse, Rhabarber, Spinat, Rote Bete, Süß­kartoffeln und Schokolade.

Nierensteine durch Medikamente lindern

Manchmal reicht eine Ernährungsumstellung jedoch nicht aus. Patienten mit Harnsäure-Steinen werden oft Gicht-Medikamente mit dem Wirkstoff Allopurinol verschrieben. Diuretika (Entwässerungsmittel) aus der Thiazid-Familie (Hydrochlorothiazid, Chlorthalidon und Indapamid) können die Menge an Kalzium, die über die Nieren ausgeschieden wird, reduzieren und kalziumbasierte Steine verhindern. Wie der Fall Rushka Robert zeigt, ist die Prävention aber nicht immer so einfach. Bereits zwei Jahre nach ihrer Operation litt sie wieder unter den gleichen Symptomen. Sie hatte alles getan, was ihr die Ärzte empfohlen hatten: Den Verzehr von Milchprodukten und Zucker hatte sie eingeschränkt und Spinat völlig gemieden. Die Röntgenaufnahmen zeigten jedoch, dass sich fast zwei Dutzend Steine in ihren Nieren festgesetzt hatten. Rushka kam zwar um eine weitere Operation herum, erlitt jedoch drei Schmerzattacken, bis ihr ein anderer Arzt ein vielversprechendes Medikament zur Prophylaxe anbot: Kalium-Citrat-Tabletten. Die heute 26-Jährige nimmt täglich zwölf Kalium-Citrat-Tabletten ein – mit Erfolg. „Nach sechs Monaten wurden nur noch zwei Steine auf der linken und einer auf der rechten Seite festgestellt“, berichtet Rushka Robert. Sie ist zuversichtlich, dass das Medikament sie vor weiteren Steinen schützen wird. Wer einmal mit Nierensteinen durch die Hölle ging, wird jedem raten, alles Erdenkliche zu tun, um ihre Entstehung zu verhindern.

 

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RD Abbinder
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