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Klinikmitarbeiter waschen sich die Hände an großen Waschbecken.
© iStockfoto.com / kali9
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Lassen Sie Krankenhaus-Keimen keine Chance!

Viele Millionen Europäer infizieren sich jedes Jahr im Krankenhaus – so können sich Patienten schützen.

Ausgabe: Oktober 2019 Autor: Eleanor Rose

Es sollte die schönste Woche ihres Lebens werden. Liza Lindham, 32, aus Stockholm gebar im Juni 2014 ihr erstes Kind. Die Geburt war schwierig, weil der Kopf des Babys Lindhams Blase blockierte. Daraufhin legten die Ärzte einen Blasenkatheter. Erschöpft, aber überglücklich kehrte Lindham mit einem gesunden Mädchen im Arm heim. Zu Hause angekommen, wurde sie immer müder. Nach einigen Tagen fühlte sie sich, als hätte sie eine Erkältung und legte sich aufs Sofa vor den Fernseher. Das Abendessen konnte sie nicht mehr zu sich nehmen, sie zitterte so stark. „Mit mir stimmt etwas nicht“, sagte sie zu ihrem Mann.

Da wusste Lindham noch nicht, dass sie sich eine Harnwegsinfektion zugezogen hatte. Diese Komplikation tritt häufig auf, wenn Bakterien wie Escherichia coli (E. coli) aus dem Darm über den Katheter in die Blase gelangen. Unbemerkt war die Infektion vorangeschritten. Mit 40,5 Grad Fieber brachte man Lindham in die Notaufnahme. Aus der Harninfektion hatte sich eine Sepsis (Blutvergiftung) entwickelt. Ein Albtraum: Man geht ins Krankenhaus, und anschließend ist man kränker als zuvor. Ursachen sind sogenannte therapieassoziierte Infektionen. Sie entstehen während medizinischer Behandlungen oder chirurgischer Eingriffe oder durch Kontakt mit Instrumenten.

Eine europaweite Studie des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) aus dem Jahr 2018 ergab, dass 2016 und 2017 jeder 15. Krankenhauspatient an einer oder mehreren therapieassoziierten Infektionen litt. In Europa infizieren sich jedes Jahr rund 8,9 Millionen Personen. Am häufigsten handelt es sich um Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen, Infektionen an der Stelle des Eingriffs und um Magen-Darm-Erkrankungen, ausgelöst durch Bakterien wie zum Beispiel Clostridium difficile. Blutvergiftungen wie die von Liza Lindham werden häufig durch Katheter ausgelöst und sind ebenfalls lebensgefährlich. Dr. Carl Suetens, der stellvertretende Programmkoordinator für das ECDC, sagt: „Unserer Schätzung nach stellen Krankenhaus-Infektionen eine größere Gefahr für die Gesundheit in Europa dar, als alle anderen erfassten Infektionskrankheiten zusammengenommen.“

In der Klinik erhielt Lindham starke Antibiotika, eine Woche später wurde sie entlassen. Inzwischen ist sie 37. Sie ärgert sich noch immer darüber, dass sie weder über die bekannten Risiken von Kathetern noch über die Symptome von Harnwegsinfektionen informiert worden war. Deshalb unterstützt Lindham inzwischen die schwedische Organisation Sepsisfonden, die Patienten über Risiken aufklärt. Pro Jahr stecken sich rund 65.000 Schweden im Krankenhaus mit einer Infektion an. Dr. Diamantis Plachouras, Experte für das ECDC, sagt: „Von einer Auswertung von Studien wissen wir, dass 30 bis 50 Prozent gewisser Infektionen vermeidbar sind.“ Die Bekämpfung dieser Krankheiten steht im Mittelpunkt der Patientensicherheit. „Ein Patient geht ins Krankenhaus, um sich behandeln zu lassen. Danach soll es ihm besser gehen“, sagt Dr. Plachouras. „Holt er sich stattdessen eine Infektion, schadet ihm das zusätzlich. Weniger Infektionen bedeuten also eine bessere Behandlung.“

Die Entwicklung läuft in die falsche Richtung

Nach der Entdeckung des antibiotisch wirkenden Penicillins im Jahr 1928 begannen die Ärzte zu verstehen, wie sich Bakterien ausbreiten. Der erste Hygienespezialist wurde 1941 in einem britischen Krankenhaus eingesetzt, doch damals hatte Hygiene noch keine Prio­rität. Dr. Jim Gray, Mikrobiologe am Birmingham Women’s and Children’s Hospital, Großbritannien, glaubt, die Verfügbarkeit und die Wirksamkeit von Antibiotika ließ Klinikmitarbeiter bis in die 1980er­ Jahre zu entspannt damit umgehen. Man verhinderte Infektionen nicht, schließlich konnte man sie behandeln. „Ab da entwickelten sich die Dinge in die falsche Richtung“, sagt er. Die gängigen Bakterien Staphylococcus aureus, die Haut- und Atemwegsinfektionen hervorrufen, reagierten auf einmal nicht mehr auf das Antibiotikum Methicillin und die meisten anderen Antibiotika. Man nannte sie deshalb Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). Gelangten multiresistente Keime in die Blutbahn, führten sie zu einer Sepsis.

Zu Beginn der 1990er-Jahre wurden die britischen Krankenhäuser mit beängstigender Geschwindigkeit von zwei besonders verheerenden Bakterienstämmen heimgesucht. Dennoch zögerten die Entscheidungsträger Maßnahmen hinaus. Die Zahl multiresistenter Infektionen stieg von April 2003 bis März 2004 auf 7.700 Fälle. 2008 ergab eine Umfrage der BBC, dass die größte Sorge der Menschen, die ins Krankenhaus mussten, tödliche Infektionen durch MRSA waren.

Es ist höchste Zeit, dass die Regierungen handeln

Großflächige Ausbrüche von MRSA hatten deutlich gemacht, dass die Regierungen handeln mussten. Programme in Großbritannien senkten die Zahl der Fälle im Zeitraum von April 2017 bis März 2018. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten dokumentierte 2011 und 2012 alle Infektionen in Kliniken. Daten aus einer zweiten Studie aus den Jahren 2016 und 2017 belegten, dass die Zahlen in einigen Ländern unverändert geblieben waren. Professor Petra Gastmeier, Leiterin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité in Berlin, erklärt das wie folgt: „Zum einen hat sich durch bessere Handhygiene und Vorsorgeuntersuchungen viel getan. Zum anderen werden Patienten immer älter, was mehr Untersuchungen mithilfe von Kathetern erforderlich macht. Und diese sind Eintrittspforten für Erreger.“

Obwohl MRSA nach wie vor gefährlich sind, haben die Erreger keine so starke Resistenz entwickelt wie befürchtet. Doch inzwischen gibt es eine neue Bedrohung. „Weltweit beobachten wir, dass sogenannte gramnegative Bakterien wie E.coli, Klebsiella und Enterobacter, die Teil unserer Darmflora sind, resistent werden gegen Antibiotika“, berichtet Mikrobiologe Dr. Gray. Diese neuen Super-Erreger bezeichnet man als ESBL (Extended-Spectrum-Beta­Lactamasen). Sie produzieren Enzyme, die dafür sorgen, dass herkömmliche Antibiotika wie Penicillin oder Cyclosporin nicht mehr funktionieren. Vor 15 Jahren waren solche Erreger selten, heute hat Dr. Gray bis zu 250 neue Fälle pro Jahr allein in seinem Krankenhaus. Noch kann man sie behandeln, aber nur mit einer Gruppe starker Antibiotika, die in absoluten Notfällen eingesetzt werden: Colistin und Carbapeneme. „In einigen Teilen der Welt sind gramnegative Bakterien bereits gegen diese Antibiotika resistent“, sagt Dr. Gray. Jedes Jahr sterben rund 33. 000 Personen in Europa an Super-Erregern, davon sind 39 Prozent resistent gegen Colistin und Carbapeneme.

Hohe Infektionsraten in Griechenland, Italien und Zypern befeuern die Befürchtung, dass sie sich in ganz Europa verbreiten könnten. 2016 wurden in einer Studie Proben von Klebsiella pneumoniae, eines Erregers von Lungenentzündungen, untersucht. Rund die Hälfte dieser Proben waren resistent gegen Colistin und Carbapeneme. „Das lässt uns nachts nicht schlafen“, sagt Dr. Gray. Doch gleich darauf beruhigt er: „Derzeit ist es nur eine Gefahr, noch keine Realität.“

Werden Sie selbst aktiv

Sie können sich schützen, wenn Sie in die Klinik gehen müssen. Zuerst sollten Sie Ärzte und Krankenschwestern fragen, ob sie ihre Hände desinfiziert haben. Eine Studie in deutschen Krankenhäusern ergab, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. „Wenn Sie 100 Vorgänge beobachten, bei denen Handhygiene erforderlich ist, werden nur 75 korrekt durchgeführt“, erläutert Dr. Gastmeier. „Leider trauen sich Patienten oft nicht zu fragen, dabei ist das so wichtig!“ Denken Sie auch daran, wie Bakterien sich verbreiten. „Auf allen Oberflächen in der Nähe eines Patienten sind seine Bakterien – ganz egal, wie gut sie geputzt werden“, erklärt Mikrobiologe Dr. Jim Gray. Berühren Sie diese Oberflächen und gehen danach beispielsweise auf die Toilette, können Sie diese Erreger weitertragen. Aus diesem Grund müssen Sie auch als Besucher jedes Mal Ihre Hände waschen. „Die Waschbecken auf der Station sollten ausschließlich zum Händewaschen benutzt werden“, warnt Dr. Gray. Schüttet man gezuckerte Flüssigkeiten oder schmutziges Wasser ins Waschbecken, erhalten die Bakterien Nahrung und vermehren sich. „Dreht man den Hahn weit auf, spritzt Wasser vom Boden des Waschbeckens und verbreitet so die Bakterien“, erläutert Dr. Gray.

Laut Professor Petra Gastmeier lassen sich nicht alle therapieassoziierten Infektionen vermeiden. Vor allem nicht diejenigen, die durch körpereigene Bakterien verursacht werden. Beim Legen eines Blasenkatheters zum Beispiel kann man nicht immer vermeiden, dass Bakterien aus dem Darm übertragen werden. Deshalb sollte dies umsichtig durchgeführt werden. „Zudem müssen Ärzte Patienten darüber aufklären, dass der Einsatz von Kathetern gefährlich sein kann. Als Patient sollten Sie immer nachfragen, ob es eine Alternative gibt“, empfiehlt sie.

Dr. Suetens vom ECDC stellt abschließend fest: „Wir müssen sicherstellen, dass in jedem Krankenhaus eine Hygienefachkraft angestellt ist. Des Weiteren sollten auf Isolierstationen ausreichend Einzelzimmer vorhanden sein, um Patienten mit höchst medikamentenresistenten Mikroorganismen behandeln zu können. Schließlich müssen wir dafür sorgen, dass das Personal die Vorschriften wie Handhygiene einhält. Dazu braucht es geeignete Infrastruktur wie Seifenspender und Desinfektionsbehälter neben den Betten.“ Obwohl die Kliniken in Sachen Hygiene noch einige Hausaufgaben erledigen müssen, sollten Sie auf medizinisch notwendige Behandlungen nicht verzichten. „Das Gesundheitswesen ist heute trotz allem viel sicherer als früher“, bestätigt Dr. Jim Gray.


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