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Plant ABBA ein Comeback?

Benny Andersson über sein neues Album, seinen Traum, Klavier in einer Bar zu spielen, und die Frage aller Fragen: diejenige, ob ABBA wohl wieder zusammen kommen.

Ausgabe: Dezember 2017 Autor: Marcel Anders

Als Komponist von Welthits wie Waterloo, Fernando oder Dancing Queen hat Benny Andersson 500 Millionen Alben verkauft. Jetzt meldet sich der Schwede mit seinem ersten Solo-Album seit 1989 zurück: Auf Piano interpretiert er ABBA-Klassiker und persönliche Lieblingssongs als Instrumentals am Klavier. Ein Spaßprojekt, so der 70-Jährige, das er für seine Enkel aufgenommen habe, und in einem Berliner Nobelhotel vorstellt: Ein zufriedener älterer Herr mit Vollbart, Brille und elegantem Anzug, der das ungebrochene Medien­interesse sichtlich genießt.

Reader’s Digest: Wie denn, Sie trinken Bier?
Benny Andersson: Keine Sorge: Es ist alkoholfrei. Schließlich trinke ich schon ewig keinen Alkohol mehr. Bestimmt seit 15 Jahren. Nur: Es ist extrem langweilig, immer nur Wasser oder Cola zu sich zu nehmen. Zumal es heutzutage richtig gute alkohol-freie Biere gibt.

Möchten Sie mit Professor Andersson angesprochen werden?
Nur, wenn Sie mich so nennen wollen. Ich bin auch noch zweifacher Ehren-Doktor. Von daher: Ja, ich bin schon etwas Besonderes (kichert).

Was ist das für ein Gefühl, dass ABBA auch 35 Jahre nach der Trennung noch so populär ist?
Es ist der Wahnsinn! Ich bin sehr dankbar, was das betrifft – und stolz. Auch, wenn ich nicht wirklich nachvollziehen kann, was die Leute in uns sehen. Ich bin einfach froh, dass das der Fall ist.

Beruht der Erfolg auf der handwerklichen Klasse der Songs?
Es liegt an der Musik, an der Art, wie sie aufgenommen wurde, an den Stimmen der Mädels und der Kombination all dieser Faktoren. Deshalb klingen die Stücke heute noch so gut.

Sie spielen seit Jahrzehnten Klavier. Trotzdem können Sie angeblich keine Noten lesen. Stimmt das?
Wenn Sie mir Twinkle, Twinkle Little Star (Funkel, funkel kleiner Stern) vorlegen, würde ich das vielleicht noch hinkriegen. Aber mehr nicht. Ich könnte nie Noten für ein Orchester schreiben. Ich würde das transkribieren lassen – also jemanden engagieren, der sie für mich aufs Papier bringt.

Ist dieses Album so etwas wie Ihre formelle Bewerbung als Bar-Pianist? So, wie Sie ihn im Musical-Film „Mamma Mia“ gespielt haben?
Absolut! Das wäre mein Traum – mit einem kleinen Schiff, einem kleinen Klavier und einem Hut auf dem Kopf. Dann könnten Sie auch in Grand Hotels wie diesem aufspielen. Ich habe immer gedacht: Wenn ich mal nichts anderes zu tun habe oder wenn mich keiner mehr will, dann kann ich immer noch ein Engagement in einem Hotel annehmen.

Wird sich ABBA je zu einem Comeback durchringen?
Agnetha sagt, sie wäre bereit – wenn Björn und Sie mitziehen würden. Schön, dass sie bereit dazu wäre (kichert). Aber Björn und ich sind es nicht. Deswegen wird das auch nicht passieren.

Woran arbeiten Sie momentan?
An Mamma Mia 2, der Fortsetzung des Musical-Films. Die Dreharbeiten sind in vollem Gange, und ich habe die letzten paar Monate damit verbracht, die Musik zu schreiben.

Werden Sie darin wieder einen Gastauftritt haben?
Ich hoffe doch! Aber diesmal will ich Akkordeon spielen (lacht).

 

Zur Person: Benny Andersson


Benny Andersson wird am 16.12.1946 in Vällingby, einem Vorort von Stockholm, geboren. Er lernt Akkordeon und Klavier spielen. Mitte der 1960er-Jahre erlangt er mit den Hep Stars nationale Berühmtheit. Wenig später gründet er mit Anni-Frid Lyngstad, Björn Ulvaeus und Agnetha Fältskog ABBA. Im April 1974 gewinnt das Quartett mit Waterloo den Grand Prix de la Chanson d’Eurovision – der Beginn eines Triumphzugs. Seit der Trennung 1982 komponiert Andersson Musicals wie Chess und widmet sich der schwedischen Volksmusik.


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RD Abbinder
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