Eine Person schenkt Rotwein aus einer Flasche in zwei Rotweingläser ein.
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Rotwein schützt nicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Trotz ihrer fettreichen, gehaltvollen Küche leben Franzosen länger als beispielsweise Deutsche. Manche führten dieses „französische Paradox“ auf das Resveratrol im Rotwein zurück.

Autor: Reader's Digest Book

Fett, Milch und Eier galten in den vergangenen Jahrzehnten als eher ungesund für Herz und Gefäße. Um so erstaunlicher war die Beobachtung, dass in Frankreich, wo man gern mit Butter kocht und üppig isst, die Rate an Herz-Kreislauf-Krankheiten deutlich niedriger und die Lebenserwartung höher liegt als in manchen anderen europäischen Ländern, auch Deutschland. Konnte das am bekannten Rotweinkonsum der Franzosen liegen? Rotwein enthält Polyphenole und andere gesunde Pflanzeninhaltsstoffe. Spanische Forscher stellten in einer 2016 im British Journal of Clinical Pharmacology veröffentlichten Studie fest, dass eine erhöhte Aufnahme von Polyphenolen bei älteren, übergewichtigen Menschen Entzündungswerte, Blutdruck und Risiken für Herz-Kreislauf-Leiden senkte.

Wunderwaffe Resveratrol?

Vor allem eines dieser Polyphenole – das Resveratrol, das viele Pflanzen vor Schädlingen und Pilzen schützt – zeigte zunächst im Reagenzglas erstaunliche Fähigkeiten. In Tierversuchen hemmte es dann Entzündungen, machte Gefäße geschmeidiger, schien gegen Krebszellen zu wirken und bei Mäusen letztlich sogar das Leben zu verlängern.

Die InChianti-Studie

Eine 2014 im Fachblatt JAMA erschienene Veröffentlichung italienischer Forscher säte allerdings Zweifel an der Resveratrol-These. Sie nutzten Daten der 1998 begonnenen In-Chianti-Studie an 1270 Senioren in zwei italienischen Dörfern. Dort, wo ebenfalls viel Rotwein getrunken und reichlich gegessen wird, zeigte die Resveratrol-Aufnahme, gemessen an Abbauprodukten des Stoffes im Urin, keine Zusammenhänge mit Entzündungswerten, Krebsrate oder Herz-Kreislauf-Leiden, auch nicht nach Herausrechnen von Störfaktoren wie Rauchen und Gewicht. Es bleibt also letztlich bislang ungeklärt, warum die Lebenserwartung in manchen Ländern höher liegt als in Deutschland.

 


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