Ein kleines Mädchen hatte einen Unfall und wird nun von einer Ärztin untersucht.
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Körper & Psyche

Die Auswirkungen einer Gehirnerschütterung

Woran man eine Gehirnerschütterung erkennt und wie man sich davon erholt.

Ausgabe: August 2020 Autor: Anna Sharratt

Der Sommer ist die Jahreszeit, in der wir gern wandern, Rad fahren und viele andere Sportarten unter freiem Himmel betreiben. Leider ist er auch die Hauptzeit für Gehirnerschütterungen. Bei einer Gehirnerschütterung stößt das von Zerebrospinalflüssigkeit umgebene Gehirn gegen die Schädeldecke – ausgelöst durch einen Stoß oder Schlag auf den Kopf oder durch einen Ruck. Laut einem Bericht von 2017 in The Lancet erleiden jährlich 30 bis 50 Millionen Menschen eine Gehirnerschütterung oder andere traumatische Hirnverletzungen. Stürze sind die häufigste Ursache. Die meisten Gehirnerschütterungen verlaufen mild. Es können Kopfschmerzen und Müdigkeit auftreten, die nach 24 Stunden wieder verschwinden. Eine schwere Gehirnerschütterung dagegen kann zu stärkeren Symptomen wie Übelkeit, Schwindel, Gleichgewichts-, Seh- und Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit führen. Die meisten Anzeichen lassen nach ein bis zwei Wochen Ruhe (keine visuelle Stimulation durch Monitore oder Lesen) sowie der allmählichen Rückkehr zu normalen Aktivitäten nach. Einige Symptome jedoch können monate- oder jahrelang auftreten.

Erst vor Kurzem haben Wissenschaftler begonnen, die langfristigen Auswirkungen von Gehirnerschütterungen zu untersuchen. Die Ergebnisse sind beunruhigend. So ergab eine 2018 in The Lancet Psychiatry veröffentlichte Studie, dass eine schwere traumatische Hirnverletzung bei 20- bis 29-Jährigen das Risiko, 30 Jahre später an einer Demenz zu erkranken, um 63 Prozent erhöht und bei Personen der Altersgruppe 30 bis 39 um 37 Prozent. Alarmierenderweise steigert selbst eine einzige leichte Gehirnerschütterung dieses Risiko lebenslang um 17 Prozent, unabhängig vom Alter.

Gehirnerschütterungen sind daher zu einem vordringlichen Thema geworden, vor allem bei Sportlern. Eine Studie des New England Journal of Medicine aus dem Jahr 2019 zeigte: Profi-Fußballer, deren Gehirne ständig Stößen durch Kopfbälle und Kollisionen mit anderen Spielern ausgesetzt sind, haben ein 3,5 Prozent höheres Risiko, an einer Demenz zu sterben, als die restliche Bevölkerung.

„Wir haben eine ziemlich gute Vorstellung davon, was mit dem Gehirn in den Jahren nach einer Gehirnerschütterung geschieht“, erklärt Dr. Michael Grey, Experte für Hirnverletzungen an der University of East Anglia in Norwich, Großbritannien. Durch einen harten Schlag auf den Kopf können sich Proteinklumpen um die Neuronen anlagern, die Hirnsignale aussenden. Infolgedessen wird die Kommunikation zwischen Gehirn und Körper gestört. Jede weitere Kopfverletzung – etwa eine Kollision mit einem Gegner beim Fußball oder ein Hieb beim Boxen – kann die Neuronen im Laufe der Zeit weiter schädigen.

Allerdings weist Dr. Grey auch darauf hin, dass bei sommerlichen Freizeitaktivitäten immer noch der Nutzen die Risiken überwiegt, da Inaktivität zu Fettleibigkeit und anderen gesundheitlichen Problemen führen kann. Er rät, bei sportlichen Aktivitäten auf Sicherheit zu achten und bei Anzeichen einer Gehirnerschütterung unmittelbar einen Arzt aufzusuchen. Wird eine traumatische Hirnverletzung nicht sofort behandelt – insbesondere wenn sie schwerwiegend ist –, kann das lebensbedrohliche Folgen haben: ein Blutgerinnsel, ein Krampfanfall oder eine Hirnblutung, in seltenen Fällen sogar eine Schwellung des Gehirns, die möglicherweise tödlich endet.

Berücksichtigen sollte man auch, dass ein Helm, den man auf dem Fahrrad und bei vielen anderen Sportarten trägt, zwar vor Brüchen, nicht aber vor einem Hirntrauma schützt. Bei Kindern rät Dr. Grey: „Melden Sie sie möglichst in einem Verein an, der das Thema Gehirn­erschütterungen ernst nimmt.“

 


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