Die Entstehung der Hautfarbe
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Die Entstehung der Hautfarbe

Am auffälligsten unterscheiden sich Menschen durch ihre Hautfarbe. Für die Entstehung dieser Vielfalt spielte allerdings nicht nur die UV-Strahlung eine Rolle.

Autor: Reader's Digest Book

Neben der Dicke, dem Fettgehalt und der Durchblutung der Haut sind es vor allem die Melanozyten, Zellen mit dem Aussehen eines Kraken, die für die Ausprägung der Hautfarbe verantwortlich sind. Sie halten sich bevorzugt in den tieferen Schichten der Oberhaut, der Epidermis, auf und produzieren den Farbstoff Melanin, kleine Farbkörner, Granula, mit einem Durchmesser von etwa 0,1 – 0,3 μm. Gesteuert wird diese Fähigkeit vom Tyrosinasesystem des Körpers. Die Tyrosinase ist ein Enzym, das die Melanozyten zur Pigmentierung anregt. Über ihre langen Fortsätze geben die Melanozyten den Farbstoff an benachbarte Zellen weiter. Und genau das lässt die Haut dann dunkler erscheinen.

Alle Menschen haben eigentlich in etwa gleich viele Melanozyten, die aber je nach Menschenschlag in unterschiedlichem Maß fähig sind, Melanin-Granula zu bilden. So werden bei Europäern deutlich weniger dieser Farbkörnchen gebildet, von denen wiederum weniger in die oberen Hautschichten vordringen. Sie haben also eine verhältnismäßig helle Haut. Dies beruht auf der teilweisen Blockierung des Tyrosinasesystems. Daneben hängt die Nuance der Hautfarbe auch von der Einlagerung des Farbstoffes Carotin in das Unterhautfettgewebe ab und spielt z. B. bei den gelblich gefärbten Asiaten eine Rolle.

Ganz schön empfindlich

Melanin in der Haut hindert die Strahlungsenergie der UV- Strahlen daran, in tiefere Hautschichten vorzudringen. Wie schnell die Haut Schaden durch die ultraviolette Strahlung nimmt, hängt also entscheidend vom Hauttyp ab. Menschen mit rötlichem Haar und sehr heller Haut mit vielen Sommersprossen zählen zum Hauttyp 1. Sie haben nur eine Eigenschutzzeit von 5–10 Minuten, das ist die Zeitspanne, in der sich die Haut selbst vor Sonnenbrand schützen kann. Menschen mit diesem Hauttyp bekommen also sehr leicht einen Sonnenbrand. Ihre körpereigene Bildung von Melanin-Granula ist sehr gering.

Typ 2 ist schon etwas weniger empfindlich und hat eine doppelt so lange Eigenschutzzeit. Eine leicht getönte Haut und brünette Haare sind typisch für den Hauttyp 3. Noch schneller bräunen Menschen mit dem Hauttyp 4, die häufig dunkles Haar und braune Haut haben. Zum Typ 5 gehören stark Melanin-pigmentierte Menschen, wie sie etwa in Südeuropa und Südasien leben, Typ 6 schließlich umfasst die Schwarzafrikaner, die sehr unempfindlich auf Sonnenstrahlung reagieren.

Hautfarbe entscheidet über Vitaminaufnahme

Dunkelhäutige Menschengruppen leben also meist in sonnenreichen und hellhäutige vorzugsweise in sonnenarmen Breiten. Anthropologen nehmen deshalb an, dass stark pigmentierte Haut zum Schutz vor Hautkrebs entstanden ist. Es gibt aber andere Erklärungen für die Ausbildung der unterschiedlichen Hauttypen. So spricht einiges dafür, dass im Lauf der menschlichen Evolution die Frage nach der Hautfarbe auf ein Gleichgewicht zweier Vitamine zurückzuführen ist – nämlich auf Vitamin D und Folsäure. Letztere wird durch UV-Strahlung zerstört, das andere aufgebaut. Dunkle Haut schützt demnach vor UV-bedingtem Folsäureabbau. Ein Mangel dieses B-Vitamins kann zu Unfruchtbarkeit und kindlichen Missbildungen führen. In Gegenden mit hoher UV-Strahlung ist dunkle Haut also ein Überlebensvorteil, hilfreich, um gesunde Nachkommen zur Welt zu bringen. In den lichtärmeren europäischen Breiten ist dunkle Haut von Nachteil. Denn sie verhindert, dass die deutlich geringere UV-Strahlung in tiefere Hautschichten eindringen kann, wo sie allerdings entscheidend für die Bildung von Vitamin D ist. Und ein Mangel an Vitamin D kann zu Rachitis oder Störungen im Knochenaufbau führen. Deshalb haben sich in Nord- und Mitteleuropa vor allem Menschen mit heller Haut erfolgreich fortgepflanzt.

Dennoch ist auch dies sicherlich nur ein Teil der Wahrheit: die Verteilung der hellen und dunklen Hauttypen folgt nämlich nicht nur den Klimazonen. Menschen in Tasmanien sind oft sehr dunkelhäutig. Und die Bewohner Südostasiens sind eher hellbraun und nicht schwarz. Schon Darwin hat das Problem der Entstehung der verschiedenen Hautfarben fast zur Verzweiflung gebracht – er hat dann später die Theorie der sexuellen Auswahl entworfen. Dieses Modell geht davon aus, dass die Ausprägung von Merkmalen wie der Hautfarbe durch elterliche und Gruppenprägung gesteuert wird. Das heißt: Innerhalb von Gruppen sind für die Partnerwahl ästhetische Vorlieben entstanden, die sich folglich genetisch durchsetzten. Bei diesen Vorlieben handelte es sich um äußere Merkmale wie Haut-, Haar- und Augenfarbe, Kopf-, Nasen-, Augen- oder Körperform. Eine Erklärung dafür, dass phänotypische Unterschiede nicht nur eine Frage der Sonnenintensität sind.

Seltene Farblosigkeit: Albinos

Albinos haben ebenfalls Melanozyten, aber sie produzieren kein Melanin. Das Pigment fehlt sowohl in der Haut als auch in den Haaren, sodass diese Menschen sehr blass sind und ganz weißblonde Haare haben. Überdies sind die Augen rötlich, weil durch die unpigmentierte Iris die Blutgefäße durchscheinen. Albinos sind extrem sonnenempfindlich, denn die ultravioletten Strahlen dringen unvermindert in die obersten Hautschichten ein.

 


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