Ein asiatisches Mädchen mit Mundschutz hält sich die Hände vor den Mund.
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Dreckige Luft: Kinder sind besonders gefährdet

Abgase aus Auspuffen und Schornsteinen, Feinstaub, Mikropartikel und Stickoxide: Ein sehr großer Teil der Luftschadstoffe ist vom Menschen verursacht – und sie machen viele Kinder und Erwachsene auf Dauer krank.

Autor: Reader‘s Digest Book

2018 konnte die WHO erstmals detaillierte Daten für jedes europäische Land publizieren, die 2016 erhoben worden waren. Als wichtigste Ursachen für Gesundheitsschäden aufgrund von verschmutzter Luft gelten Feinstaub, Ozon und Stickstoff(di)oxid. Fest steht: Grundsätzlich ist die Luft in den letzten 20 Jahren in einigen Bereichen sauberer geworden und die geltenden kurzfristigen Grenzwerte der EU lassen sich von den meisten Ländern einhalten. Im Gegensatz dazu werden die von der WHO definierten strengeren Werte für eine gesunde Luftqualität für Feinstaub in etwa der Hälfte bis zwei Drittel der Regionen regelmäßig überschritten. Feinstaub sind kleinste Partikel in der Luft, die je nach ihrer maximalen Größe in PM10 (PM für particulate matter, Mikropartikel), PM5 und PM2,5 eingeteilt werden. Mit ihrem Durchmesser von 2,5 μm dringen PM2,5 tief in die kleinsten Bronchien ein, ultrafeine Partikel können sogar ins Blut gelangen. Solche Teilchen kommen entweder direkt aus dem Verkehr oder der Industrie oder bilden sich aus Schwefel, Ammoniak und Stickstoff und andere Substanzen. Das Gas Ozon schützt fernab von der Erde vor Sonnenlicht. Am Boden jedoch gehört Ozon zu den lungenreizenden Substanzen; die Werte sind in den meisten Städten zu hoch. Das ebenfalls lungenschädliche Stickstoffdioxid stammt vorwiegend aus Dieselmotoren. 88 % der Messstellen an großen Straßen zeigen erhöhte Werte.

Insgesamt starben in Europa 2015 infolge von Feinstaubbelastung geschätzt rund 400.000 Personen, aufgrund von Ozon etwa 18.000 und wegen erhöhten Stickstoffdioxids etwa 79 000 Personen vorzeitig. Todesursachen sind vor allem Herzinfarkt und Schlaganfall; an zweiter Stelle stehen Lungenkrankheiten und Lungenkrebs. Gerade Kinder, die langfristig verschmutzte Luft einatmen müssen, leiden außergewöhnlich oft an schwerem Asthma und häufigen Lungeninfektionen.

Solche Folgen ließen sich schon ab einer Konzentration von 20 μg/m3 Stickstoffdioxid in der Außenluft nachweisen. Der gültige Grenzwert liegt allerdings bei 40 μg/m3 im Jahresmittelwert. Deutlich mehr Schadstoffe als Erwachsene atmen vor allem Kleinkinder auf „halber Höhe“ an verkehrsreichen Straßen ein, denn viele Schadstoffe befinden sich in Bodennähe. Die Messstellen hingegen befinden sich oft einige Meter über dem Boden. Noch schwieriger wird es, weil sich die verschiedenen Schadstoffe gegenseitig verstärken können: Stickstoffdioxid kann die Bildung von Ozon beschleunigen und den Schaden durch Feinstaub noch verschlimmern. Und auch auf dem Land ist die Luft dreckig, denn Gülle entlässt große Mengen an Ammoniak, das zum Feinstaub beiträgt. Ammoniak ist dabei einer der wenigen Luftschadstoffe, der sich in den letzten 25 Jahren nicht verringert hat.


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