Heimliche Putzhilfe: Ohrenschmalz
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Heimliche Putzhilfe: Ohrenschmalz

So unästhetisch das gelbbraune Ohrenschmalz auch aussehen mag – es ist ein sehr wichtiges Sekret. Mit seiner Hilfe wird der Gehörgang offen und sauber gehalten.

Wie ein Tunnel ist der äußere Gehörgang mit einer Länge von 2,5 – 3,5 cm zweimal zur Seite gekrümmt und führt am Ende leicht abwärts auf das Trommelfell zu. Dieser Tunnel muss nach außen immer offen sein, damit Töne und Geräusche ungehindert ans Trommelfell gelangen können. Genau das aber birgt auch eine gewisse Gefahr. Denn nicht nur Schallwellen, sondern auch Schmutz oder sogar kleine Insekten können in den Gehörgang eindringen.

Um das zu verhindern, ist die Haut in dieser Röhre mit vielen Härchen und etwa 4000 Drüsen ausgestattet, den Glandulae ceruminosae. Diese Talg- und Zeruminaldrüsen sind mit den Schweißdrüsen verwandt und sondern jene schmutzfarbig aussehende, klebrige Masse ab, die zusammen mit winzigen Hautschuppen das Ohrenschmalz bildet. Das zähe Sekret, auch Cerumen genannt, kleidet als dünner Film die gesamte Haut des Gehörgangs aus und sorgt für Sauberkeit.

Klebrige Masse

Gelangt ein Fremdkörper in den äußeren Gehörgang, dann tritt das Ohrenschmalz in Aktion. Von Staubkörnchen über Schmutzstoffe bis hin zu kleinen Insekten bindet es die Fremdkörper, bevor diese das empfindliche Trommelfell erreichen können. Als Druckempfänger für ankommende Schallwellen ist das Trommelfell unabdingbar für die Fähigkeit zu hören – Eindringlinge müssen also unbedingt von dieser Membran ferngehalten werden. Deshalb werden sie vom Ohrenschmalz aufgefangen, verklebt und wieder aus dem Gehörgang hinaustransportiert. Außerdem ist der zähe Film des Ohrenschmalzes so aufgebaut, dass er dazu beitragen kann, das saure Milieu, das normalerweise im Gehörgang herrscht, zu unterstützen und aufrechtzuerhalten. Damit kann das Cerumen zwar nicht Bakterien abtöten, aber es kann doch ihr Wachstum und ihre Vermehrung deutlich hemmen.

Die Richtung, in die das Ohrenschmalz mitsamt den Schmutzpartikeln transportiert wird, ist durch viele kleine Härchen im Gehörgang vorgegeben. Die Haarbälge dieser sogenannten Reusenhaare sind schräg in die Haut eingestülpt, sodass sie zum Außenohr hin wachsen – eine hilfreiche Unterstützung für die Reinigung. Diese Haare haben aber noch eine andere Aufgabe: Wie ein stacheliges Wehr sollen sie zusätzlich das Innere des Ohres vor Eindringlingen schützen. Je weiter das schmutzbeladene Cerumen auf seinem Weg nach außen gelangt, desto mehr trocknet es ein. Schließlich entsteht durch die mechanische Belastung beim Duschen und Haarewaschen so viel Bewegung, dass die feinen schuppigen Brösel meist von selbst herausfallen. Das Ohrenschmalz hat damit seinen Putzzweck erfüllt; es ist von vornherein so angelegt, dass es den Gehörgang ohne Mithilfe rein halten kann.

Pfropf im Ohr

Arbeiten die Drüsen zu stark, kommt es jedoch vor, dass zu viel Ohrenschmalz produziert wird. Die übermäßige Menge Cerumen kann dann nicht mehr richtig abgeführt werden, sie verliert schon im Gehörgang ihre wachsartige Konsistenz und ballt sich zu einem harten, trockenen Pfropf zusammen. Die Folge: der Gehörgang ist blockiert, die Schallwellen erreichen das Trommelfell – die Grenze zwischen äußerem Ohr und Mittelohr – nicht mehr, der Betroffene hört schlecht. Wenn das getrocknete Ohrenschmalz nicht vom Ohrenarzt entfernt wird, können zur Schwerhörigkeit auch noch Schmerzen im Ohr oder Ohrensausen hinzukommen. Besonders wenn das Ohr längere Zeit unter Wasser ist, z. B. beim Baden oder Schwimmen, kann das verklebte Cerumen innerhalb weniger Minuten so stark aufquellen, dass es den gesamten Gehörgang ausfüllt. Das passiert besonders leicht, wenn der Gehörgang von Natur aus eng angelegt ist.

Vorsicht bei der Säuberung

  • Die Ohrenschmalzreste, die an der Öffnung des Gehörgangs sichtbar werden, kann man gut mit Wattestäbchen entfernen.
  • Haarnadeln, Bleistifte oder andere Gegenstände haben im Ohr nichts zu suchen. Die Gefahr, damit den empfindlichen Gehörgang oder gar das Trommelfell zu verletzen, ist viel zu groß.
  • Aber auch Wattestäbchen sollten nicht tief in den Gehörgang hineingeschoben werden. Statt das Ohrenschmalz zu entfernen, schieben sie es nur weiter in den Gehörgang hinein.
  • Säubert man die Ohren zu oft, wird der Schmalzfilm zerstört, der die Haut vor Austrocknung und möglichen Infektionen schützen soll. Außerdem kann zu häufiges Reinigen die Drüsen dazu anregen, zu viel Cerumen zu produzieren, wodurch wiederum leichter ein Pfropf entstehen kann.
  • Verstopft ein Ohrenschmalzpfropf den Gehörgang und beeinträchtigt womöglich das Hörvermögen, kann der Ohrenarzt ihn anlösen und mit einer Spülung herausschwemmen. Unter Umständen löffelt der Arzt den Gehörgang mit einer Kürette aus.

 


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