Ich bin wütend! Dem kleinen Jungen entweicht ein Dampfstoß aus den Ohren.
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aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Richtig wütend?

Ärger und Zorn haben auch gute Seiten. Wir verraten, welche , und wie Sie sie nutzen können.

Ausgabe: März 2020 Autor: Lisa Bendall

Der Autofahrer, der sich vor uns in die Spur drängelt, die Hundebesitzerin, die die Hinterlassenschaften ihres Vierbeiners nicht wegräumt, die Versicherung, bei der wir ewig in der Telefonwarteschleife ausharren: Situationen wie diese bringen uns auf 180, lassen Blutdruck sowie Stresspegel emporschnellen. Wut und Ärger sind negative, aber alltägliche Emotionen. Damit umzugehen ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Manche fressen ihre Unzufriedenheit in sich hinein, andere gehen beim kleinsten Anlass an die Decke. Beide Verhaltensweisen können sich negativ auf Körper und Psyche sowie unsere zwischenmenschlichen Beziehungen auswirken.

Ärger mag sich unangenehm anfühlen, doch er ist normal und sogar gesund. „Viele sehen Ärger jedoch als etwas Negatives, das es zu vermeiden oder zu überwinden gilt“, erklärt Dr. Patrick Keelan, niedergelassener Psychologe in Calgary, Kanada. „Ärger ist ein natürliches Gefühl, das uns signalisiert: Das ist ein heikles Thema für mich.“ Haben wir das Problem erkannt, können wir es beheben, und danach geht es uns wieder besser. So ärgert es mich, wenn mein Mann keinen behindertengerechten Parkplatz findet. Er fährt einen für Rollstuhlfahrer umgebauten Transporter, mit dem er mehr Platz zum Ein- und Aussteigen braucht, aber Behindertenparkplätze sind vielerorts rar. Vor zwei Jahren stellte unser Gartenmarkt den Behindertenparkplatz mit Paletten zu. Wir beschwerten uns höflich beim Geschäftsführer. Er versprach, den Parkplatz freizuräumen. Doch als wir einen Monat später wiederkamen, standen die Paletten immer noch dort, und daneben waren Säcke mit Kieselsteinen deponiert. Ich machte Fotos und schickte diese zusammen mit einer E-Mail an den Firmeninhaber. Ich schrieb: „Ihr Unternehmen verstößt gegen gesetzliche Bestimmungen, die die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung verbieten.“ Einen Tag später waren die Hindernisse weggeräumt, und wir hatten nie wieder Probleme beim Parken vor dem Gartencenter.

Wie und wo entsteht Ärger?

Wenn wir in Rage geraten, reagiert unser Körper auf unterschiedliche Weise: Der Blutdruck steigt an, wir atmen schneller, die Stresshormone Adrenalin und Kortisol werden ausgeschüttet. Verantwortlich dafür ist die Amygdala, eine Art Alarmanlage im Gehirn. „Diese physiologische Antwort ist aus evolutionärer Sicht sinnvoll“, sagt Dr. Diane McIntosh, Fachärztin für Psychiatrie in Vancouver, Kanada. „Mehrere Systeme im Körper werden aktiviert, um uns entweder auf Kampf oder Flucht vorzubereiten. Sie kämpfen, weil Sie wütend sind, oder Sie haben Angst und wollen fliehen.“ Heutzutage sehen wir normalerweise davon ab, uns mit rücksichtslosen Autofahrern oder faulen Hundehaltern zu prügeln. Das heißt aber nicht, dass wir unsere Gefühle zurückhalten sollten. „Wir können unserer Empörung in angemessener Weise Luft machen. Hat jemand etwas getan, was mich verärgert hat, kann ich ihn ruhig und sachlich darauf hinweisen“, rät Keelan.

Unterdrücken Sie Ihren Zorn nicht

Viele Menschen haben leider gelernt, sich ihre Gefühle nicht anmerken zu lassen – vor allem Frauen und Mädchen. „Zorn gilt als eine der sieben Todsünden“, erklärt Dr. Cheryl van Daalen-Smith, Dozentin für Pflegewissenschaften und Frauenforschung an der York University in Toronto, Kanada. „Frauen, die ihre Wut zeigen, verhalten sich nicht gemäß dem gängigen Rollenverständnis. Dieses begreift das weibliche Geschlecht als fürsorglich und mitfühlend, was manchmal zu Gefühlsunterdrückung und Geheimniskrämerei führt.“ Immer mehr Studien legen nahe, dass unterdrückter Ärger auf lange Sicht mehr schadet als nützt. Das Verhalten kann stressbedingte Beschwerden wie Autoimmunerkrankungen auslösen. (...)


Den vollständigen Artikel lesen Sie in der März 2020-Ausgabe des Reader’s Digest Magazin. 

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