Eine Frau wärmt ihre Hände unter den Ärmeln ihres Pullovers.
© istockfoto.com / pepifoto
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Warum Sie eiskalte Hände haben

Warum haben manche Menschen selbst im Sommer kalte Finger – und was hilft dagegen?

Ausgabe: Juni 2020 Autor: Vanessa Milne

Der Winter ist vorbei, und die niedrigen Temperaturen liegen hinter uns. Wenn sich Ihre Finger dennoch eisig anfühlen, sind Sie damit nicht allein: Viele Menschen haben das ganze Jahr über kalte Hände. Das kann eine ganze Reihe von Gründen haben, von genetischen Ursachen bis hin zu chronischen Erkrankungen. Zu den harmlosen Ursachen zählen etwa das Alter (der Stoffwechsel verlangsamt sich) oder eine schlanke Statur (weniger Muskeln und Fett zur Isolierung). Bei manchen Menschen schafft eine Änderung des Lebensstils Abhilfe: Stoffe, die die Blutgefäße verengen, wie Nikotin und Koffein, meiden und sich regelmäßig bewegen, um die Durchblutung zu verbessern.

 

Raynaud-Syndrom

Sind Ihre Hände jedoch ständig kalt oder sogar taub, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um schwerwiegende Ursachen ausschließen zu lassen. Kalte Hände zählen zum Beispiel zu den Symptomen bei Blutarmut und Schilddrüsenunterfunktion. Auch Diabetes kann zu einer schlechten Durchblutung führen, ebenso Herzerkrankungen. Ein schwaches Herz versorgt verstärkt die Körpermitte und vernachlässigt dabei die Gliedmaßen. Häufig weisen kalte Hände auf das meist harmlose Raynaud-Syndrom hin. Normalerweise aktiviert der Körper bei Kälte die Muskeln in den kleinen Blutgefäßen, um sie weiter zu verengen – ein Überlebensmechanismus, der das Blut und damit die Wärme in der Körpermitte hält. Beim Raynaud-Syndrom ist diese Reaktion allerdings so stark, dass zu wenig Blut in die Finger fließt. Die Erkrankung, benannt nach dem französischen Arzt Maurice Raynaud (er entdeckte das Syndrom Mitte des 19. Jahrhunderts) tritt erstaunlich häufig auf. Dr. John Osborne, Leiter der State of the Heart Cardiology in Dallas, USA, gibt an, dass 4 bis 20 Prozent aller Menschen betroffen sind.

 

Blutleere, weiße Finger

Ein auffälliges Merkmal ist die Farbveränderung der Finger. „Man nennt es die französische Flagge“, sagt Dr. Osborne. „Die Finger werden erst weiß, weil kein Blut mehr fließt, dann blau wegen des Sauerstoffmangels und schließlich rot, wenn wieder Blut in die Finger fließt.“ Zu dem Symptom können kalte Winterluft, übermäßig klimatisierte Räume oder auch nur der Griff zu einer Tüte mit tiefgefrorenem Gemüse führen. Vom Raynaud-Syndrom sind häufig Frauen betroffen, meist vor dem 30. Lebensjahr. Tritt es später auf, vor allem ab dem 40. Lebensjahr, kann es auch auf eine andere zugrundeliegende Erkrankung hin­weisen. Dabei könnte es sich um kleinere Probleme handeln, etwa eine vorausgegangene Erfrierung, ein beginnendes Karpaltunnel­syndrom oder eine Nebenwirkung von Beta­blockern oder bestimmten Migräne-Medikamenten. Möglich ist aber auch eine ernsthafte Autoimmunerkrankung wie Lupus.

Eine seltene, schwere Form des Raynaud-Syndroms betrifft weniger als eine von 1000 Personen. Bei den Betroffenen kann der Blutfluss komplett blockiert werden und Wunden an den Händen hervorrufen. Unbehandelt kann diese Form zu Nekrosen (Absterben von Gewebe) führen und, in sehr seltenen Fällen, eine Amputation erfordern. Glücklicherweise gibt es wirksame Medikamente, die den Blutfluss erhöhen – zum Beispiel Losartan, ein Mittel gegen Bluthochdruck, und Sildenafil, das sonst bei erektiler Dysfunktion eingesetzt wird. Bei den meisten Menschen, die mit dem Raynaud-Syndrom leben müssen, sind Medikamente jedoch nicht erforderlich. „Für sie ist es einfach nur störend“, sagt Dr. Osborne.

 

 

 


Mehr zu diesem Thema

Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

13 Dinge über Erkältungen, die Sie in der kalten Jahreszeit wissen sollten.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Kälte hat positive Auswirkung auf den menschlichen Körper.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Hausapotheke Natürlich heilen

Wie Ihre Küchenvorräte Ihnen helfen, bei Erkältung und Grippe schnell wieder auf die Beine zu kommen.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Gesundheitsmythen Körper & Psyche

Bei jeder Erkältungswelle hört man die Forderung, man müsse den Körper abhärten, um sich nicht anzustecken, etwa mit kalten Duschen. Aber deren positive ...

...mehr

 

RD Abbinder
RD Abbinder
RD Abbinder

Reader's Digest Österreich: Verlag Das Beste Ges.m.b.H. - Landstraßer Hauptstraße 71/2, A-1030 Wien