Eine junge Frau berührt ihren Hals.
© istockfoto.com / Tharakorn
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Was Ihr Körper Ihnen sagen will

So erkennen Sie Krankheitssymptome und lernen, sie richtig deuten.

Ausgabe: Juni 2020 Autor: Lisa Bendall

Bei gesundheitlichen Beschwerden neigen viele von uns dazu, erst einmal abzuwarten, ehe sie ärztlichen Rat einholen. Bei den folgenden Symptomen sollten Sie jedoch sofort einen Arzt aufsuchen.

 

Plötzliche Symptome

  1. Sprachstörungen

Plötzlich auftretende Sprach- und Verständnisstörungen können Anzeichen für einen Schlaganfall im Sprachzentrum des Gehirns sein. „Die Person spricht undeutlich, verwechselt Wörter oder versteht nicht, was Sie sagen“, erläutert Dr. Leanne K. Casaubon, Neurologin am Toronto Western Hospital, Kanada. Ein weiteres Symp­tom kann eine herabhängende Gesichtshälfte sein. Rufen Sie oder eine Person aus Ihrem Umfeld umgehend den Notarzt, falls Sie vermuten, einen Schlaganfall erlitten zu haben.

 

  1. Schwache, kribbelnde Arme

Auch ein seltsames Gefühl in Armen und Beinen kann auf einen Schlag­anfall hindeuten. Rufen Sie einen Notarzt, wenn die Symptome plötzlich und nur auf einer Körperseite auftreten – vor allem, wenn Sie nicht beide Arme gleichzeitig heben können. Veränderte Empfindungen in den Gliedmaßen können auch bei neurologischen Erkrankungen oder einem kardialen Ereignis auftreten.

 

  1. Schmerzen in der Brust

Obwohl dies das häufigste Symptom für einen Herzinfarkt ist, wird es von vielen ignoriert. Auch Verdauungsstörungen, Sodbrennen und Ängste können Schmerzen in der Brust auslösen. Doch eine genaue Diagnose kann nur in der Notaufnahme gestellt werden, wo Bluttests, bildgebende Verfahren oder andere Untersuchungen schnell Klarheit schaffen.

 

  1. Druck in Kiefer und Nacken

Nicht jeder hat bei einem Herzinfarkt Schmerzen in der Brust – vor allem bei Frauen ist das nicht die Regel. Stattdessen kann es zu einem Druckgefühl oder Schmerzen in den Armen, im Nacken, Kiefer oder Rücken kommen. Dafür kann es aber auch andere Ursachen geben. Ist das Gefühl jedoch neu und verschwindet nicht nach ein paar Minuten, sollten Sie Hilfe rufen.

 

  1. Sehstörungen: Punkte oder Blitze

Mit zunehmendem Alter ist es nichts Ungewöhnliches, sogenannte Mouches volantes (deutsch: Mücken) oder Blitze zu sehen. Meist handelt es sich um harmlose Anzeichen für Veränderungen des Glaskörpers in unserem Auge. Treten jedoch plötzlich sehr helle Blitze oder eine Vielzahl von Punkten im Gesichtsfeld auf, können diese auf eine Netzhautablösung hindeuten. Das ist ein medizinischer Notfall, der zu Erblindung führen kann. Lassen Sie sich deshalb umgehend untersuchen.

 

  1. Steifer Nacken

In den Anfangsstadien ähnelt eine Meningitis (Hirnhautentzündung) einer Grippe mit Symptomen wie Kopfschmerzen und hohem Fieber. Personen, die an einer Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute leiden, bekommen dazu typischerweise zusätzlich einen steifen Nacken, der schmerzt, wenn sie versuchen, das Kinn auf die Brust zu legen. „Wird eine bakterielle Meningitis nicht frühzeitig behandelt, kann sie tödlich verlaufen“, erklärt der ehemalige Präsident des kanadischen Verbands der Notärzte, Dr. Paul Pageau aus Ottawa. „Mit jeder Stunde, um die sich die Verabreichung geeigneter Antibiotika verzögert, steigt das Risiko für Behinderungen und einen tödlichen Verlauf.“

 

 

Unerklärliche Symptome

  1. Rote Streifen auf der Haut

Wenn Bakterien wie Streptokokken oder Staphylokokken die Hautbarriere durchbrechen – meist durch Schnitte, Kratzer oder Insektenstiche – und tiefere Hautschichten infizieren, kann das ernste Komplikationen verursachen, die tödlich enden können. Wahrscheinlich brauchen Sie Antibiotika, wenn Ihre Haut eine rote, warme, entzündete Stelle aufweist, die innerhalb von ein oder zwei Tagen größer wird oder sich in Streifen über Ihren Körper ausbreitet. Bei gesunden Menschen genügt der Besuch beim Hausarzt, wenn Sie sich jedoch krank fühlen oder die Beschwerden rasch schlimmer werden, begeben Sie sich in eine Notaufnahme.

 

 

Anhaltende Symptome

  1. Heiserkeit oder Husten

Eine Kehlkopfentzündung oder Halsschmerzen, die nicht nach ein paar Wochen abklingen, können durch Zigarettenrauch, Luftverschmutzung, trockene Luft oder eine Überlastung der Stimme verursacht sein. Ein anderer möglicher Auslöser ist die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD), bei der Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Bleibt die Krankheit unbehandelt, können Blutungen und Narbenbildung in der Speiseröhre die Folge sein. Ihr Arzt sollte abklären, ob Sie eine Behandlung benötigen und ausschließen, dass es sich um einen Tumor in der Lunge oder im Hals handelt.

 

  1. Veränderte Leberflecken

Während die Zahl der Krebserkrankungen insgesamt rückläufig ist, nehmen die Fälle von schwarzem Hautkrebs in vielen europäischen Ländern nach Angaben des Melanoma Patient Network Europe um 3 bis 7 Prozent zu. Laut der weltweiten Krebsstatistik Globocan gab es 2018 europaweit etwa 144.000 Neuerkrankungen und rund 27.000 Todesfälle. Die gute Nachricht ist, dass seit 2011 zehn neue Therapien zugelassen wurden. Experten raten, sich selbst monatlich zu untersuchen und auf alle Hautmale zu achten, die größer werden, sich anderweitig verändern oder bluten. Sind ihre Ränder nicht scharf begrenzt, schwankt die Farbigkeit oder ist ihre Form asymmetrisch, kann das ein Zeichen für Krebs sein. Dr. Monica Behl, Onkologin bei der kanadischen Krebsbehörde in Saskatchewan, empfiehlt: „Halten Sie ein Lineal an den Leberfleck, und machen Sie ein Foto davon. Dann wissen Sie genau, wie groß er ist, und können feststellen, ob er sich verändert.“

 

  1. Lautes Schnarchen

Sind Sie ein lauter Schnarcher? Dann leiden Sie möglicherweise an obstruktiver Schlafapnoe, bei der die Muskeln im hinteren Rachenraum im Schlaf erschlaffen und so die Atemwege verschließen. 2018 wurde auf dem Kongress der European Respiratory Society eine Studie vorgestellt, an der 16 Länder teilnahmen. Ihr zufolge leiden 90 Millionen Europäer an Schlaf­apnoe. Diese Erkrankung liegt vor, wenn während des Schlafs pro Stunde mehr als fünf Atemaussetzer auftreten, die jeweils mindestens zehn Sekunden andauern. Zu den Risikofaktoren zählen Übergewicht und Alter (je höher, desto gefährdeter). Schlafapnoe kann zu einem gefährlich niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut führen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für Herzrhythmusstörungen und Schädigungen an den Blutgefäßen. Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen CPAP (Continuous Positive Airway Pressure)-Atemmasken, Bissschienen und Operationen.

 

  1. Geschwollene Lymphknoten

Sie deuten in der Regel darauf hin, dass Ihr Körper gerade einen Infekt bekämpft. Doch wenn ein vergrößerter Lymphknoten (typische Stellen sind seitlich am Hals, hinter den Ohren, in den Achselhöhlen und der Leistengegend) nicht nach drei bis vier Wochen wieder auf Normalgröße abschwillt, sollten Sie zum Arzt gehen. Autoimmunkrankheiten wie Lupus und rheumatoide Arthritis können dauerhaft geschwollene Lymphknoten verursachen. Das Gleiche gilt für Lyme-Borreliose und Krebs.

 

 

Seltsame Empfindungen

  1. Einseitige Beinschmerzen

Wahrscheinlich handelt es sich um einen eingeklemmten Nerv oder eine Muskelzerrung. Doch laut einem 2018 im Fachmagazin Thrombosis Research erschienenen Bericht treten jedes Jahr europaweit rund 435.000 Fälle von tiefer Venenthrombose (TVT) auf. Viele davon führen zu einer tödlichen Lungenembolie. Ein Blutgerinnsel in der Beinvene oder einer anderen tiefen Vene kann sich wie ein Krampf anfühlen. Außerdem kann eine Schwellung oder Rötung auftreten. Bei rund einem Drittel der Betroffenen, deren TVT nicht behandelt wird, wandert das Gerinnsel in die Lunge und verursacht dort einen gefährlichen Verschluss, der die Blutzufuhr verhindert. Zu den Risikofaktoren für TVT gehören eine kürzlich erfolgte Operation sowie längere Bewegungsunfähigkeit.

 

 

 


Mehr zu diesem Thema

Aus der
aktuellen
Ausgabe

Natürlich heilen

Halsschmerzen und Er­kältungs-Krankheiten sind unangenehm. Doch wer frühzeitig reagiert, kann sie auch ohne den Einsatz von Antibiotika kurieren.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Viele Millionen Europäer infizieren sich jedes Jahr im Krankenhaus – so können sich Patienten schützen.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Gesundheitsmythen Diät & Ernährung

Trotz ihrer fettreichen, gehaltvollen Küche leben Franzosen länger als beispielsweise Deutsche. Manche führten dieses „französische Paradox“ auf das ...

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Lärm ist nicht nur störend, er macht auch krank. So schützen Sie sich.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Diät & Ernährung

Wer an Orthorexia nervosa leidet, hat ein übertriebenes Bedürfnis, sich gesund zu ernähren.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Adipositas ist verantwortlich für fünf Prozent aller Todesfälle weltweit.

...mehr

 

RD Abbinder
RD Abbinder
RD Abbinder

Reader's Digest Österreich: Verlag Das Beste Ges.m.b.H. - Landstraßer Hauptstraße 71/2, A-1030 Wien