Eine junge Frau trainiert mit Hanteln am Strand ihre Fitness.
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Körper & Psyche

Was Knochen stark macht

Immer mehr Menschen erkranken an Osteoporose. So schützen Sie sich.

Ausgabe: März 2020 Autor: Sari Harrar

Osteoporose („poröse Knochen“, Knochenschwund) entsteht, wenn Knochenzellen abgebaut und nicht durch neue ersetzt werden. In der Folge brechen die Knochen leichter, und der Heilungsprozess dauert länger. Osteoporose tritt am häufigsten bei Frauen über 60 Jahren und bei Männern über 70 auf. 50 Prozent aller Frauen erleiden im Lauf ihres Lebens eine durch Osteoporose bedingte Fraktur. Damit ist das Risiko dafür größer als das für Herzinfarkt, Schlaganfall und Brustkrebs zusammengenommen. Bei Männern liegt das Risiko bei 25 Prozent. Ein Mann über 50 erkrankt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an Osteoporose als an Prostatakrebs.
Der neueste Bericht der International Osteoporosis Foundation (IOF) belegt, dass jedes Jahr rund 2,7 Millionen Menschen in sechs EU-Ländern Knochenbrüche erleiden, die durch Osteoporose bedingt sind. Frakturen, die durch Osteoporose begünstigt wurden, sind schwierig zu behandeln und heilen schlecht, weil poröse Knochen nur langsam zusammenwachsen. „Nach einer Hüftfraktur kann man mit einer 40-prozentigen Wahrscheinlichkeit nicht mehr selbstständig gehen“, sagt John Kanis, Ehrenpräsident der IOF. Das ist besonders tragisch, wenn man bedenkt, dass Osteoporose in den letzten 25 Jahren gut behandelbar und sogar vermeidbar geworden ist. Die Dual-Röntgen-Absorptiometrie oder Knochendichtemessung (DXA), die den Anteil von Kalzium und anderen Mineralstoffen in den Knochen misst, ist sehr zuverlässig. Die WHO empfiehlt, mithilfe der Knochendichtemessung Osteoporose und deren Vorstufe, Osteopenie, zu diagnostizieren. Mit Bisphosphonaten und anderen Medikamenten zur Behandlung einer geringen Knochendichte lässt sich das Risiko für Frakturen bei Frauen um 40 Prozent und bei Männern um 67 Prozent senken. Trotz dieser Fortschritte gibt es einen Anstieg der Knochenbrüche, so eine Studie aus dem Jahr 2018. Nach einem Jahrzehnt rückläufiger Fälle von Hüftfrakturen stiegen die Zahlen von 2013 bis 2015 bei Frauen zwischen 65 und 69 Jahren um 2,5 Prozent, bei Frauen im Alter von 70 bis 74 Jahren sogar um 3,8 Prozent.

Dr. E. Michael Lewiecki, Leiter der Studie und Direktor des New Mexico Clinical Research & Osteoporosis Centers, USA, schätzt, dass in dem Zeitraum 100.000 Hüftfrakturen und in der Folge 2000 Todesfälle vermeidbar gewesen wären. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Falsche Vorstellungen davon, was unsere Knochengesundheit beeinflusst, Angst vor Medikamenteneinnahme und die Einstellung der alternden Babyboomer-Generation („Ich fühle mich gesund, also bin ich auch gesund“) erhöhen das Risiko für Frakturen.

Knochendichtemessung – notwendig für die Diagnose

Die einzige Möglichkeit, Osteoporose oder Osteopenie zu diagnostizieren, ist eine Knochendichtemessung. Nach den geltenden Leitlinien in Deutschland wird diese aber erst ab einem Alter von 70 Jahren bei Frauen, bei Männern sogar erst ab 80 Jahren empfohlen – sofern keine weiteren Risikofaktoren vorliegen. Fragen Sie Ihren Arzt, ob eine solche Messung bei Ihnen sinnvoll ist. Studien zeigen, dass nach einer durch Osteporose ausgelösten Fraktur der Betroffene mit einer fünfmal höheren Wahrscheinlichkeit in den nächsten zwei Jahren eine zweite Fraktur er­leidet. „Dennoch erhält die Mehrheit der Patienten keine Behandlung, die diese nächste Fraktur verhindern könnte“, so die IOF.

Knochendichtemessung – auch für Männer wichtig

Osteoporose ist keine reine Frauenkrankheit. Wissenschaftler können bisher nicht erklären, warum Männer nach einer durch Osteoporose bedingten Hüftfraktur ein höheres Sterberisiko haben als Frauen. Daher ist es besonders wichtig, dass Männer getestet und im Bedarfsfall entsprechend behandelt werden. Auch jüngere Menschen können erkranken. 2018 ergab eine Studie der University of Nevada, USA: Im Jahr 2014 war die durchschnittliche Dichte des Oberschenkelknochens von Menschen im Alter von 30 Jahren viel geringer als noch im Jahr 2005. Häufiges Sitzen und zu wenig Bewegung sind die Hauptgründe für diese Entwicklung, schlussfolgern die Forscher. Aber es gibt weitere Risikofaktoren. Dazu gehören Operationen zur Gewichtsreduktion, Diabetes, Krebs und Luftverschmutzung. Auch eine Androgendeprivationstherapie (zur Behandlung von Prostatakrebs) sowie Therapien mit Kortikosteroiden (zur Behandlung von rheumatoider Arthritis) können zu Knochenproblemen führen.

Nahrungsergänzungsmittel allein reichen nicht aus

Rund drei von zehn Frauen glauben nach der Menopause, Knochenbrüche durch einen höheren Milchkonsum oder die Einnahme von Kalzium-Präparaten verhindern zu können. Die Forschungsergebnisse bezüglich Kalzium und Vitamin D sind jedoch nicht eindeutig. Zwei neuere Studien deuten darauf hin, dass das Frakturrisiko durch die Einnahme von Kalzium und Vitamin D nicht reduziert werden kann. Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigt dagegen, dass vermehrter Konsum von Milchprodukten bei Männern mit einer höheren Mineraldichte in den Knochen sowie einer größeren Wirbelfestigkeit einhergeht.

Daher raten die meisten Experten, 1000 Milligramm Kalzium und 400 bis 4000 Internationale Einheiten (I. E.) Vitamin D pro Tag in Form von Lebensmitteln zu sich zu nehmen. Ein Glas Milch enthält etwa 30 Prozent der empfohlenen Tagesmenge an Kalzium und 25 Prozent der empfohlenen Vitamin-D-Menge. Kalzium ist auch in Kreuzblütler-Gemüse wie Grünkohl oder Brokkoli enthalten, ebenso in Konserven-Sardinen mit Gräten. Lachs, Thunfisch und Eigelb enthalten sowohl Vitamin D als auch Kalzium. Wenn die empfohlene Menge nicht mit der Nahrung aufgenommen werden kann, sollte man über eine zusätzliche Gabe von 500 Milligramm Kalzium pro Tag nachdenken. Bei Vitamin D werden täglich 800 I. E. empfohlen. Ebenso wichtig ist eine gesunde Ernährung mit ausreichend Proteinen und möglichst wenig Alkohol, Koffein, Limonade oder raffinierten Kohlenhydraten. Zudem sollte man sich regelmäßig bewegen. Obwohl ein Mangel an Kalzium und Vitamin D zu den Hauptursachen für Osteoporose zählt, scheint eine routinemäßige Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln das Risiko für Frakturen bei älteren Menschen nicht zu verringern, so eine Analyse von Studien mit rund 51. 000 zufällig ausgewählten Teilnehmern.

Medikamente zum Knochenschutz

Bisphosphonate wie zum Beispiel Alendronat oder Ibandronat reduzieren das Risiko einer Fraktur, indem sie den Knochenzellenabbau verlangsamen und den Aufbau gesunder Knochensubstanz fördern. Nebenwirkungen wie Knochen-, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Übelkeit, Sodbrennen und Magengeschwüre sind möglich. Seltener kann es zu Schädigungen des Kiefer­knochens kommen und bei einem von 10 000 Patienten zu einer Oberschenkelfraktur. „Allerdings sind diese Risiken sehr viel geringer als das Risiko einer Fraktur bei unbehandelter Osteoporose“, erklärt Dr. Andrea Singer, Chefärztin der National Osteoporosis Foundation (NOF). Treten starke Nebenwirkungen auf, sollte man mit dem behandelnden Arzt sprechen. Er verordnet entweder eine Medikamentenpause oder ein alternatives Medikament.
Vielversprechend sind einige neuere Behandlungsmethoden. Eine bahnbrechende Studie aus dem Jahr 2018 mit 2000 an Osteopenie leidenden Frauen ergab, dass Bisphosphonat Zoledronat das Frakturrisiko um etwa ein Drittel reduziert. Eine Alternative zu den Bisphosphonaten sind die Wirkstoffe Raloxifen und Denosumab, die den Knochenabbau ebenfalls verlangsamen.

Therapie: Medikamente und Bewegung

Tanzen, Joggen oder Seilspringen machen die Knochen stark. Aber auch einfaches Gehen sowie Trainingseinheiten auf einem Crosstrainer oder Stepper helfen, ebenso Übungen zur Muskelstärkung oder Yoga. Früher wurden die Patienten wegen des Sturzrisikos vor Bewegung unter hoher Belastung gewarnt. Eine Studie aus dem Jahr 2017 ergab jedoch, dass zweimal pro Woche ein 30-minütiges Training unter hoher Belastung die Struktur und Stärke der Knochen bei Frauen nach der Menopause mit geringer Knochendichte deutlich verbessert. Zudem zeigte eine kürzlich durchgeführte Studie, dass die Kombination von Bewegung und knochenaufbauenden Medikamenten mehr zur Steigerung der Knochendichte bei Osteoporose-Patienten beiträgt als eine der beiden Therapien allein. Leiden Sie an Osteoporose oder Osteopenie und wollen Frakturen vorbeugen? Dann sollten Sie sich in jedem Fall bewegen.

 

 


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