Eine Krankenschwester und ein Krankenpfleger stehen lächeln im Flur eines Krankenhauses
© istockfoto.com / shapecharge
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Was uns Krankenpfleger bewegt

30 Hinweise, die Patienten und Angehörige sich zu Herzen nehmen sollten.

Ausgabe: September 2020 Autor: Zusammen gestellt von Reader's Digest

Wer wünscht sich schon einen Aufenthalt im Krankenhaus? Aber manchmal ist er eben notwendig. Gut zu wissen, dass dort Menschen sind, die nicht nur alles dafür tun, unsere Leiden zu lindern, sondern auch dafür sorgen, dass unser Aufenthalt in der Klinik so angenehm wie möglich ist. Krankenpfleger versorgen Patienten, helfen bei der Körperpflege, assistieren bei Behandlungen, ver­abreichen Medikamente und haben dabei immer ein offenes Ohr für Kranke sowie deren Angehörige. Wir haben jene, die uns im Krankheitsfall pflegen, danach gefragt, was ihnen auf der Seele brennt.

(Nicht nur) Freude am Beruf

(Nicht nur) Freude am Beruf

„Ich wollte in diesem Beruf Menschen helfen. Doch dafür ist keine Zeit. Auf Station fühlt man sich ständig gescheucht und muss Aufgaben abarbeiten. Es hat mich sehr frustriert, nicht wirklich für die Kranken da sein zu können. Darum habe ich in den OP gewechselt. Das konzentrierte Arbeiten dort macht mir Spaß.“

Sandra Ehrlich*, 45, Fachkrankenschwester im Operativen Dienst, Hamburg

„Wenn ich erzähle, dass ich Krankenpfleger bin, kommt immer die gleiche, mitleidige Reaktion. Die Leute sagen: „Das wäre nichts für mich, das könnte ich nicht machen.“ Im Ausland wird die Pflege ziemlich hochgehalten, in Deutschland nicht.“

Alexander Bogs, 33, Krankenpfleger in der Notaufnahme, Klinikum Würzburg Mitte

Was Corona für uns bedeutet

Was Corona für uns bedeutet

„Als wir die Videos und Fachberichte aus Italien, Frankreich und Wuhan gesehen haben, wurde uns ganz anders. Da wurde auch von Personalausfällen berichtet, weil Kollegen Angst hatten. Ich bin nicht mehr nach Hause gefahren, sondern hier im Krankenhaus geblieben, und habe meine Eltern und meinen Freund nicht mehr besucht.“

Evelyn Schmidt*, 36, Intensivpflegerin, Raum München

„Vor Corona wurde man oft angeblafft von Patienten in der Notaufnahme, wegen der Schmerzen und der Wartezeit. Heute ist der Beruf wie in ein anderes Licht gerückt, und wir erfahren viel Wertschätzung.“

Sabine Maier*, 35, Fachkrankenschwester für Notfallpflege, Hamburg
Pro und Kontra: Schichtdienst

Pro und Kontra: Schichtdienst

„Schichtdienst ist für die Work-Life- Balance geradezu ideal. Ich genieße es, wenn ich einen ganzen Vormittag für mich habe und am Nachmittag zur Spätschicht gehe. Und ich genieße es, nach der Frühschicht den restlichen Nachmittag am Badesee oder beim Skifahren zu verbringen.“

Marlene Hefele, 63, Krankenschwester auf der Inneren Station, Rotkreuzklinik Lindenberg
Was Sie als Patient tun ...

Was Sie als Patient tun ...

„Hören Sie nicht auf, Fragen zu stellen. Wer nicht informiert ist, hat Ängste. Es hilft allen, wenn Sie wissen, was mit Ihnen passiert.“

Franz Unger*, 54, 30 Jahre Berufserfahrung, Krankenpfleger auf einer Inneren Station, Raum Hamburg

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Auch im Krankenhaus. Sie dürfen sicher sein, dass wir vom Pflegepersonal darum bemüht sind, es Ihnen als Patient so angenehm wie möglich zu machen. Wartezeiten entstehen nicht aus Boshaftigkeit. Ein rauerer Ton ebenso wenig. Etwas Empathie füreinander ist immer gut.“

Inge Wollschläger, 50, ehemalige Notaufnahmeschwester, Würzburg
... und lassen sollten!

... und lassen sollten!

„Verwechseln Sie das Krankenhaus nicht mit einem Hotel. Ihre Tochter aus Frankfurt kommt heute Nachmittag um 15 Uhr zu Besuch? Das freut mich für Sie, bedeutet aber nicht, dass wir in der Strahlenabteilung anrufen können, um Ihren Termin vorzuverlegen.“

Kerstin Huber*, Anfang 30, Krankenpflegerin auf einer Onkologischen Station, Stuttgart

„Ihnen ist schon seit zwei Wochen ab und zu schwindelig? Sie haben den Splitter schon länger im Fuß? Wenn es nicht um Leben und Tod geht, dann sind Sie kein Fall für die Notaufnahme. Schon gar nicht nachts, weil wir dann dünn besetzt sind.“

Katrin Zoller*, 38, Krankenschwester in einer Notaufnahme, Hamburg

„Mir platzt der Kragen, wenn man mich als ,Fräulein‘ oder ,Schwester‘ bezeichnet oder duzt. Ich habe einen Namen, den nenne ich allen Patienten, wenn sich sie das erste Mal sehe. Ich bin weder in einem Alter, in dem ich noch als ,Fräulein‘ durchgehe, noch bin ich Mitglied eines Nonnen-Klosters. Und per Du bin ich mit Patienten, die ich erst seit fünf Minuten kenne, schon gar nicht.“

Lara Kuster*, 27, Notfallexpertin, Raum Zürich

Mein Rat an Angehörige

Mein Rat an Angehörige

„Ich finde es schrecklich, wenn Besucher gar keine Sensibilität zeigen, in Horden kommen und Stunden bleiben. Das ist für Mitpatienten in den kleinen Zimmern belastend. Bitte achten Sie die Privatsphäre anderer.“

Franz Unger*, Krankenpfleger auf einer Inneren Station, Raum Hamburg

„Oft ruft jedes Kind einzeln an und fragt, wie es der Mama geht, dadurch hängen wir ganz viel am Telefon. Ich würde dazu raten, dass sich die Angehörigen vernetzen und eine Kontaktperson bestimmen. Das wäre für uns eine zeitliche Entlastung.“

Marlene Hefele, Krankenschwester auf der Inneren Station, Rotkreuzklinik Lindenberg
Was uns besonders berührt

Was uns besonders berührt

„Nie vergessen werde ich eine Patientin, die ich auf der Bauchchirurgie kennengelernt habe. Sie war noch jung und litt an Leberkrebs. Drei bis sechs Monate Lebenserwartung wurden ihr prophezeit. Aber sie hat hart gekämpft, eine so herzensgute Frau, und ich durfte sie dabei begleiten. Viereinhalb Jahre lang.“

Markus Oppel, 37, selbstständiger Pflegeberater und Krankenpfleger, Buchbrunn

„Die größte Freude ist es für mich, wenn ich extrem Kranke gesund wiedertreffe. Aber verzeihen Sie mir, wenn ich trotzdem nicht viel Zeit habe. Der Job ruft, Ihre Gesundheit ist dennoch die schönste Bestätigung für meine Arbeit.“

Patrizia Becker*, 64, stellvertretende Leiterin einer Intensivstation, Großraum Hamburg
Was uns am System ärgert ...

Was uns am System ärgert ...

„Es ärgert mich, dass immer beim Material gespart wird. Gerade haben wir uns an diese Windeln, jenen Mundschutz gewöhnt und sie funktionieren gut, da werden andere angeschafft, die schlechter passen, schneller reißen. Und das alles, weil es immer das Billigste sein soll. Das nervt.“

Patrizia Becker*, Stellvertretende Leiterin einer Intensivstation, Großraum Hamburg

„Durch die kurzen Verweildauern ist die Arbeitsbelastung heute höher als früher. Die Formalitäten sind gewaltig, das zermürbt manchmal schon.“

Marlene Hefele, Krankenschwester auf der Inneren Station, Rotkreuzklinik Lindenberg
... und wie es besser ginge

... und wie es besser ginge

„Für mich gehört die Zweiklassengesellschaft abgeschafft, die zwischen privaten und Kassenpatienten unterscheidet. Die einen dürfen sich alles aussuchen und werden bedient, die anderen kurzgehalten.“

Katrin Zoller*, Krankenschwester in einer Notaufnahme, Hamburg

„Einer unserer Witze geht so: „Kommt die Schwester mit dem Rollator.“ Wenn wir bis 67 arbeiten sollen, dann müssen Stellen geschaffen werden, die ältere Mitarbeiter auch ausfüllen können. Allen Hilfsmitteln zum Trotz bleiben manche unserer Aufgaben körperlich anstrengend. Ich denke da vor allem ans Heben der Patienten.“

Elisabeth Schühle*, Krankenschwester auf einer Onkologischen Station, Württemberg


*Name auf Wunsch geändert


Mehr zu diesem Thema

Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Niemand kennt die Wünsche, Ängste und kleinen Macken von Patienten so gut wie sie. Hier verraten Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger ihre Geheimnisse

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Viele Millionen Europäer infizieren sich jedes Jahr im Krankenhaus – so können sich Patienten schützen.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Medizin-News

Experten geben Tipps, wie Sie in der Klinik gesund werden – und bleiben.

...mehr

 

RD Abbinder
RD Abbinder
RD Abbinder

Reader's Digest Österreich: Verlag Das Beste Ges.m.b.H. - Landstraßer Hauptstraße 71/2, A-1030 Wien