Eine junge Frau sitzt entspannt mit geschlossenen Augen auf einem Sofa.
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Wie etwas Spontaneität Ihren Tag bereichert

Die Corona-Pandemie hat mich zu einem spontaneren Menschen gemacht.

Ausgabe: Juli 2021 Autor: Leah Rumack

Ich weiß, das klingt seltsam, denn mein Sozial­leben war vor Covid-19 klar strukturiert. Doch da gerade so viele Veranstaltungen nicht stattfinden, ergreife ich jede Gelegenheit, die sich mir bietet. Ein Spaziergang mit einem Bekannten, der um die Ecke wohnt? Mein neuer bester Freund fürs Leben! Cocktails auf dem Rasen mit der Nachbarin? Warum hatte ich die Idee nicht schon früher?  Mein neues „Warum nicht?“-Gefühl gehört zu den überraschenden Entwicklungen dieser Zeit. Ich habe neue Freunde gefunden, Straßen in meinem Wohnort entdeckt, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existieren, und ich wurde zum Profi darin, plötzlich alles stehen und liegen zu lassen. Nach­folgend einige einfache Tipps, wie auch Sie spontaner werden können.

Eins nach dem anderen
Wer von Natur aus eher introvertiert oder ängstlich ist, muss nicht seine ganze Lebenseinstellung verändern, erläutert Steve Joordens, Psychologieprofessor an der University of Toronto, Kanada. „Entscheidend ist, heraus­zufinden, in welchen Bereichen Sie das Gefühl haben, Sie könnten von etwas mehr Spontaneität profitieren. Anschließend konzentrieren Sie sich darauf, Ihre Gewohnheiten darin zu verändern.“ „Fragen Sie sich zuerst: ‚Was fehlt in meinem Leben?‘“, erklärt er. „Was wollen Sie erreichen?“ Sobald Sie das wissen – mehr Freunde, ein neues Hobby –, finden Sie heraus, welche Gewohnheiten Sie davon abhalten, das zu tun. Im nächsten Schritt ersetzen Sie Ihre schlechten Gewohnheiten durch solche, die Sie dabei unterstützen, Ihr Ziel zu erreichen. Wenn sich das nicht spontan anhört, liegt es daran, dass es das nicht ist – zumindest zu Beginn. „Wie beim Sport muss man sich anfangs vielleicht überwinden, aber nach einer gewissen Zeit geht es wie von allein“, sagt Joordens.

Schaffen Sie Platz
Die Lücken, die sich im Tagesablauf dank der Schließung von Restaurants, Bars und Kinos auftaten, verhalfen mir zum neuen „Warum nicht?“-Gefühl. Ich habe Last-minute-Ein­ladungen zu Fahrradtouren angenommen und lernte schnell, mich an unerwarteten Dingen zu freuen. Laut Edward Slingerland, Philosophieprofessor an der University of British Columbia, Kanada, sollte man erst einmal Raum für spontane Erfahrungen schaffen. „Unser Leben ist zu sehr durchstrukturiert, wir planen zu viel“, sagt er. „Meistens gibt es keine Lücken.“ Es ist natürlich schwierig, solche Lücken zu lassen, wenn man Arbeit, Pflege von Familienmitgliedern und weitere Termine jonglieren muss. Doch schon das Ziel, seine Zeit nicht zu sehr zu verplanen, kann die Routine aufbrechen.
„Spontaneität ist eine Kombination aus Versuchen und Nicht-Versuchen“, erklärt Slingerland. Er schlägt vor, sich kleine Ziele zu setzen – zum Beispiel einen Spaziergang zu machen ohne ein Ziel oder nur aus dem Haus zu gehen, um die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass etwas Interessantes passieren kann. Ein weiterer Tipp: Legen Sie Ihr Mobiltelefon weg, und nehmen Sie Ihre Umgebung in sich auf. Die Handyzeit, sagt Slingerland, ist ein „schwarzes Loch“ – für Erwachsene und Kinder gleicher­maßen. „Die digitale Sucht ist ein echtes Hindernis für Spontaneität.“ Sie frisst Zeit auf, in der wir uns mit unserer echten Umgebung beschäftigen könnten.

Akzeptieren Sie Fehler
Keine Angst vor dem Scheitern zu haben, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Spontaneität. „Für nicht spontane Menschen bedeutet das, ein Risiko einzugehen“, sagt Joordens. Auch wenn wir hier nicht von einem großen Risiko sprechen, kann schon eine kleine Änderung Ihrer Routine ausreichen, Sie zu verunsichern. Ihrem Partner könnte der Vorschlag, das Schlafzimmer umzustellen, nicht ge­­fallen, Sie werden vielleicht albern
aussehen, wenn Sie Stepptanz lernen (und wenn schon?). Der Trick, erläutert Joordens, bestehe darin, sich an Unternehmern ein Beispiel zu nehmen und zu versuchen, das Scheitern als eine Lernmöglichkeit zu begreifen. „Trauen Sie sich zu scheitern und versuchen Sie daraus zu lernen“, rät Joordens. „Wenn Sie spontan sind, ist die Wahrscheinlichkeit größer, etwas Neues zu entdecken, und womöglich gefällt Ihnen das richtig gut.“


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RD Abbinder
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