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Gesund durchs Jahr: Der Frühling
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Gesund durchs Jahr: Der Frühling
Machen Ihnen im Frühjahr Allergien, Müdigkeit und Kopfschmerzen zu schaffen? Wir verraten, was Schulmedizin, Naturheilkunde und Homöopathie dagegen aufbieten
Ausgabe: März 2016 Autor: Anke Nolte

Heuschnupfen

Niesattacken, eine ständig laufende Nase, juckende, brennende Augen – nicht jeder freut sich auf den Frühling. So auch Adolpho Heidenreich aus München. Im März und April blühen nämlich die Birken. "Ich fühle mich dann schwach und habe zu nichts Lust", erzählt der 31-jährige Ingenieur.

Er gehört zu den rund 16 Prozent der Bevölkerung in Deutschland und Österreich, die auf den Blütenstaub von Bäumen, Sträuchern, Gräsern, Getreide oder Kräutern allergisch reagieren. "Bei Allergikern hält das Immunsystem die Pollen fälschlicherweise für Feinde und bildet Antikörper. Die wiederum setzen Entzündungsbotenstoffe wie Histamin frei", erklärt Dr. Jakob Berger, zweiter stellvertretender Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands. Die Schleimhäute schwellen an, jucken und sondern vermehrt Flüssigkeit ab.

Das bietet die Schulmedizin: "Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig, um den sogenannten Etagenwechsel von der Nase in die Lunge zu vermeiden", betont Dr. Berger, der eine Praxis in Herbertshofen bei Augsburg führt. 30 Prozent der Pollenallergiker entwickeln nämlich Asthma.

So weit sollten Sie es nicht kommen lassen. Haben Sie nur leichte Symptome, können Nasensprays ausreichen, die Mastzellstabilisatoren enthalten. Diese behindern die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen. Sie wirken allerdings erst nach etwa 48 Stunden. Nutzen Sie deshalb die Pollenflugvorhersage zum Beispiel des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (www.pollentrend.de).

Läuft die Nase bereits, kommen Antihistaminika infrage, die als Nasentropfen, Nasenspray oder als Tabletten erhältlich sind. "Auch entzündungshemmende, kortisonhaltige Nasensprays sind sehr wirksam, besonders in Kombination mit Antihistaminika-Tabletten", sagt Dr. Berger.

Unterstützen Sie die Behandlung mit ein paar einfachen Maßnahmen: Waschen Sie die Haare abends und ziehen Sie Ihre Kleidung nicht im Schlafzimmer aus. Auch Pollennetze am Schlafzimmerfenster sowie Filter im Auto können hilfreich sein.

Patienten wie Adolpho Heidenreich, die alle Jahre wieder stark leiden, empfehlen Schulmediziner häufig eine spezifische Immuntherapie. "Bei der sogenannten Hyposensibilisierung wird das verdünnte Allergen im wöchentlichen Abstand in steigender Konzentration unter die Haut gespritzt", erklärt Dr. Berger. So soll sich der Körper an das Allergen gewöhnen.

Eine aufwändige, nicht immer wirksame Behandlungsmethode. Adolpho Heidenreich hat die Hyposensibilisierung deshalb abgebrochen und nach Alternativen gesucht.

Das bietet die Naturheilkunde: Die Anwendung von Wasser spielt eine zentrale Rolle in der klassischen Naturheilkunde. "Wechselduschen oder nach der Sauna in ein kaltes Becken eintauchen – alles, was Haut und Schleimhäute reizt, kann das überschießende Immunsystem besser ins Gleichgewicht bringen", sagt Professor Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin.

Sogar die Nase kann eine Dusche vertragen: Eine Salzwasserspülung reinigt die Schleimhaut und löst zähen Schleim. Gerät und Kochsalzlösung erhalten Sie in der Apotheke. Die Wirksamkeit dieser Nasendusche ist durch Studien nachgewiesen. Ebenso wie jene von Akupunktur-Behandlungen gegen Heuschnupfen.

Das bietet die Homöopathie: Immer wieder trifft die in der Homöopathie eingesetzten Mittel der Vorwurf, ihre Wirkung sei nicht belegt.

Für das homöopathische Präparat Galphimia glauca (kleiner Goldregen) kann das nicht gelten. Es wurde in mehreren klinischen Studien getestet. Mit eindeutigen Ergebnissen: Das Mittel wirkt gegen Heuschnupfen – und zwar besser als ein Scheinmedikament. "80 Prozent der Patienten verspüren eine deutliche bis vollständige Linderung der Augen- und Nasensymptome", berichtet Professor Michalsen, zudem Vorsitzender der Karl und Veronica Carstens-Stiftung. Die Stiftung hat sich der Naturheilkunde-Forschung verschrieben und diese Studien mit unterstützt.

Auch Adolpho Heidenreich aus München ist auf der Suche nach Alternativen zur Hyposensibilisierung auf Galphimia glauca gestoßen. "Es geht mir zwar immer noch ein paar Tage im Frühling richtig schlecht, aber ich erhole mich viel schneller", erzählt er.

Fazit: Nasentropfen und Tabletten können laufende Nase und juckende Augen zuverlässig beruhigen, eine Hyposensibilisierung trainiert das Immunsystem. Aber auch die Naturheilkunde und die Homöopathie bieten Mittel und Methoden, welche die Entzündungsreaktion eindämmen.

 

Frühjahrsmüdigkeit

Ulrike Maier* ist wetterfühlig und hat einen niedrigen Blutdruck – damit ist die 49-Jährige eine klassische Kandidatin für Frühjahrsmüdigkeit. "Besonders der Wechsel von kalt zu warm macht mir zu schaffen", erzählt die Journalistin aus Berlin. "Dann fühle ich mich schlapp und müde und komme schwer in die Gänge."

Die medizinische Erklärung: Die ersten Sonnenstrahlen verändern Stoffwechsel und Hormonhaushalt. Die Produktion des sogenannten Schlafhormons Melatonin sinkt, der Spiegel von Serotonin, des wachmachenden Glückshormons, steigt. Manchen Menschen fällt es schwerer als anderen, diesen Übergang zu bewältigen.

Das bietet die Schulmedizin: "Frühjahrsmüdigkeit ist keine Krankheit, sondern eine Befindlichkeitsstörung", erklärt Hausarzt Berger aus Herbertshofen. Medikamente hält die Schulmedizin dagegen deshalb nicht bereit. Der Rat lautet vielmehr: Gehen Sie an die frische Luft, bewegen Sie sich viel, ernähren Sie sich gesund mit Gemüse sowie Vollkornprodukten und schlafen Sie nicht zu viel!

Leiden Sie allerdings unter einem ausgeprägtem Leistungsabfall, sollte Ihr Arzt prüfen, ob nicht doch eine Krankheit dahintersteckt.

Das bietet die Naturheilkunde: "Nutzen Sie die positiven Seiten des Frühjahrs, tanken Sie Licht und Luft, um die Umstellung des Biorhythmus zu unterstützen", rät Professor Michalsen aus Berlin.

Auch Ulrike Maier hat festgestellt, wie gut es ihr tut, mehr Zeit im Freien zu verbringen. Zudem bringt sie sich mit morgendlichen Wechselduschen und regelmäßigen Saunagängen in Schwung.

"Sogenannte Super Foods liefern wertvolle Nahrungsinhaltsstoffe in hoher Konzentration, dazu gehören zum Beispiel Avocados, Granatäpfel und Nüsse", ergänzt Michalsen. Nahrungsmittel, die viel Tryptophan enthalten, sorgen für mehr Serotonin, das die Stimmung aufhellt. Greifen Sie zu reifen Bananen, Datteln, Kakao oder auch einer heißen Milch mit Honig oder Nudeln mit Parmesan.

Fasten kann dem Kreislauf ebenfalls auf die Sprünge helfen. Michalsen empfiehlt die sogenannte intermittierende Variante: "Legen Sie ein bis zwei Tage in der Woche ein, an denen Sie nur Gemüsebrühe, Säfte oder Tees zu sich nehmen."

Zudem hält Mutter Natur Heilpflanzen bereit, die anregen, ohne aufzuputschen: Ginseng kräftigt den Organismus bei Müdigkeits- und Schwächegefühl. Die sibirische Hochgebirgspflanze Rosenwurz steigert die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Am besten nehmen Sie die frei verkäuflichen Pflanzenextrakte vorbeugend ein.

Das bietet die Homöopathie: Die Carstens-Stiftung empfiehlt eine Entschlackungskur, um nach der winterlichen Inaktivität den Stoffwechsel im Körper aufzuwecken. Dafür eignen sich viel Bewegung und Fasten.

Schüßlersalze zählen nicht zur klassischen Homöopathie, kommen aber ebenfalls gegen Frühjahrsmüdigkeit zum Einsatz: Calcium sulfuratum, Natrium bicarbonicum, Calcium phosphoricum, Kalium sulfuricum und Natrium sulfuricum fördern die Ausscheidung, unterstützen den Leberstoffwechsel, und regen Nieren- und Darmfunktion an.

Fazit: Frühjahrsmüdigkeit ist keine Krankheit – und deshalb vor allem ein Fall für die Alternativmedizin. Gesunde Ernährung, mehr Bewegung sowie pflanzliche und homöopathische Mittel lassen Sie leichter aus dem Winterschlaf erwachen.

 

Kopfschmerzen

"Wenn ich Migräne habe, blockieren mich die Schmerzen total", erzählt Gisela Postleb aus dem badischen Maulburg. Die 63-Jährige leitet seit vielen Jahren eine Selbsthilfegruppe. Migräne geht oft mit Übelkeit und Brechreiz, Licht- und Lärmempfindlichkeit einher und ist die zweithäufigste Form von Kopfschmerz.

Es klingt paradox, aber ein dauerhafter Gebrauch von Schmerzmitteln kann Kopfschmerzen verursachen. Lassen Sie also Vorsicht walten!

Am häufigsten schlägt der Spannungskopfschmerz zu. Im Unterschied zur Migräne ist er meist beidseitig zu spüren. "Beide können einen zwar sehr plagen, es geht aber keine akute Gefährdung von ihnen aus", erklärt Dr. Berger vom Bayerischen Hausärzteverband.

Anders verhält es sich mit ungewohnten plötzlich einschießenden, sehr starken Kopfschmerzen. Dahinter können lebensbedrohliche Vorgänge wie ein Schlaganfall stecken. Ein Fall für den Notarzt.

Das bietet die Schulmedizin: In der Vergangenheit haben Gisela Postleb frei verkäufliche Schmerzmittel meistens gut geholfen. Dazu gehören die Wirkstoffe Acetylsalizylsäure, Diclofenac, Naproxen, Ibuprofen oder Paracetamol. Nur selten musste die Einzelhandelskauffrau zu einem Triptan greifen, bei schwereren Migräneanfällen das wirksamste Mittel.

"Triptane und andere Schmerzmittel wirken allerdings nur in der Anfangsphase", betont Dr. Berger. Er empfiehlt, ein Triptan immer mit einem Medikament gegen Übelkeit zu kombinieren, das die Magen-Darm-Motorik anregt: "Denn bei einer Migräne ist der Magen oft ruhiggestellt, sodass das Schmerzmittel kaum weitertransportiert und nicht vom Körper aufgenommen wird."

Doch Vorsicht: Ein dauerhafter Gebrauch von Schmerzmitteln kann Kopfschmerzen verursachen. Die Empfehlung lautet: Nehmen Sie nicht mehr als zehn Tage im Monat eine Schmerztablette ein.

Bei häufig auftretenden Migräneattacken kann es deshalb sinnvoll sein, mit anderen Medikamenten vorzubeugen. "Ich habe gelernt, Schmerzmittel gezielter einzusetzen", berichtet Gisela Postleb. Sie nimmt heute ein niedrig dosiertes Antidepressivum ein und hat inzwischen kaum noch Schmerzen.

Das bietet die Naturheilkunde: Experten gehen davon aus, dass Stress und ein ungünstiger Lebensstil Kopfschmerzen auslösen können. "Ordnung ins Leben bringen, das hilft oft mehr als ein Medikament", sagt Dr. Berger, der eine Zusatzqualifikation in Naturheilverfahren erworben hat. "So kann zum Beispiel ein flotter Spaziergang am Abend den Kopf wieder frei machen, weil der Stress über die Muskeln abgebaut wird."

Änderungen im gewohnten Lebensrhythmus sind für viele Migräne-Patientinnen und -Patienten Gift, denn sie haben von Geburt an ein übererregtes Nervensystem. "Ein Schmerztagebuch hilft, Auslösern auf die Spur zu kommen", erklärt Berger.

Zumindest einen Versuch wert ist ein heißes Fußbad nach Pfarrer Kneipp. "Gezielte Reize an den Füßen wirken regulierend auf Muskulatur und Blutgefäße des Kopfes", erläutert der Berliner Naturheilkunde-Experte Professor Michalsen. Er empfiehlt zudem die pflanzlichen Mittel Pestwurz und Mutterkraut, die erwiesenermaßen einer Migräne vorbeugen können.

Bei einem akuten Migräneanfall ist Ingwer eine Alternative: Innerhalb von zwei Stunden reduzierten Ingwer-Kapseln den Kopfschmerz ebenso effektiv wie ein Triptan, so das Ergebnis einer Studie. Bei Spannungskopfschmerzen hilft kühlendes Pfefferminzöl, auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetupft. Auch ein Ausflug in die chinesischen Medizin kann sich lohnen: "Die Wirksamkeit der Akupunktur ist sowohl bei Migräne als auch bei chronischen Spannungskopfschmerzen durch Studien belegt", unterstreicht Michalsen.

Das bietet die Homöopathie: Natrium muriaticum – oder einfach: Kochsalz – gilt in der Homöopathie als ein wichtiges Kopfschmerzmittel, wenn der Schmerz hämmernd und eher rechtsseitig auftritt, am Morgen beginnt, sich bis Mittag steigert, um gegen Abend wieder abzuklingen.

Für rechtsseitige Kopfschmerzen, die sich nachmittags verschlimmern, kommen Belladonna oder Lycopodium infrage. Bei linksseitigem Kopfschmerz wird ein homöopathischer Arzt beispielsweise zu Sepia greifen, also der Tinte des Tintenfisches, wenn die Kopfschmerzen wie bei der Migräne von Übelkeit und einer Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen begleitet sind.

Kopfschmerzen, die langsam beginnen und Folge von Stress oder Kummer sind, lassen sich mit Ignatia, einem Brechnussgewächs bekämpfen.

Fazit: Herkömmliche Schmerzmittel können Kopfweh wirksam lindern. Allerdings verursachen sie bei häufigem Gebrauch selbst Kopfschmerzen! Versuchen Sie herauszufinden, was die Schmerzen auslöst, und beugen Sie mit einem entsprechend veränderten Lebensstil vor.

 

*Name von der Redaktion geändert


 

RD Abbinder
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