Im Inneren eines Kühlschranks: ein Mann denkt darüber nach, was er essen soll.
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Die Wahrheit über Cholesterin

Vier Mythen und die Wahrheit: So behalten Sie Ihre Cholesterinwerte im Griff.

Ausgabe: April 2021 Autor: Bonnie Munday

Hohe Cholesterinwerte sind ebenso wie Bluthochdruck, Rauchen und Übergewicht Risikofaktoren für Herz­Kreislauf­Erkrankungen. Cholesterin ist eine wachsartige Substanz, die vor allem von der Leber produziert wird und sich im Blut und in jeder Zelle des Körpers befindet. Es hilft dem Organismus unter anderem, Hormone und Vitamin D zu produzieren, Zellen zu reparieren und fettreiches Essen zu verdauen. Das „schlechte“ Cholesterin – es gibt noch weitere – heißt Low Density Lipoprotein (LDL) und transportiert Fettpartikel durch den Körper. Ist zu viel LDL vorhanden, kann es sich an den Arterienwänden ablagern, zu Blutgerinnseln führen und einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall verursachen. High Density Lipoprotein (HDL) wird als „gutes“ Cholesterin bezeichnet, weil es das schlechte LDL aufnimmt und zur Leber zurücktransportiert, die es dann verarbeitet, bevor es ausgeschieden wird.
Je nach individuellen Risikofaktoren – etwa Übergewicht oder Bluthochdruck – gelten verschiedene Zielwerte für LDL-Cholesterin. Die Deutsche Herzstiftung e. V. beispielsweise empfiehlt Patienten mit Diabetes einen Wert von unter 70 mg/dl (Milligramm pro Deziliter Blut) anzustreben. Für gesunde Menschen mit nur leicht erhöhtem Blutdruck liegt der Wert mit 100 mg/dl etwas höher, Patienten mit bekannten Gefäßverkalkungen oder solche, die bereits einen Herzinfarkt hatten, sollten den Cholesterinwert unter 55 mg/dl halten. Cholesterin hat großen Einfluss auf die Lebenserwartung. Es gibt zahlreiche Cholesterinwert-Mythen – höchste Zeit, einiges richtigzustellen.

 

Mythos 1: Lebensmittel, die Cholesterin enthalten, sind ungesund
Wahrheit: Manche sind ungesund, aber nicht alle!

Wenn ein Blutbild hohe LDL-Cholesterinwerte aufweist – oder hohe Werte von allen schlechten, die man Non­HDL-Cholesterin nennt –, liegt wahrscheinlich eine falsche Ernährung vor. Dass ein Lebensmittel Cholesterin enthält, bedeutet nicht immer, dass dessen Verzehr den Cholesterinwert erhöht. Ob ein Lebensmittel den Cholesterinwert erhöht, hängt davon ab, wie viele gesättigte Fettsäuren es enthält. Auch Transfette aus industriell gefertigten, frittierten und gebratenen Nahrungsmitteln erhöhen den Cholesterinspiegel. Cholesterin findet man in tierischen Produkten wie Fleisch, Meeresfrüchten, Eigelb und Milchprodukten. Den Cholesterinspiegel erhöhen vor allem Produkte, die zugleich viele gesättigte Fettsäuren aufweisen. „Das Cholesterin und die gesättigten Fettsäuren verstärken sich gegenseitig und verschlimmern die Auswirkungen auf den Körper“, erklärt Martijn Katan, emeritierter Professor für Ernährungswissenschaften an der Vrije Universiteit Amsterdam, Niederlande.

Besonders viel Cholesterin enthalten fettreiche Milchprodukte, und fettreiches rotes Fleisch und Fleischprodukte. Meeresfrüchte wie Garnelen und Tintenfisch enthalten zwar viel Cholesterin, jedoch weniger gesättigte Fettsäuren. Bei Eiern variieren die Empfehlungen, wie viele man bedenkenlos essen kann. „In Holland raten wir, pro Woche nicht mehr als zwei oder drei Eier zu essen“, erläutert Professor Katan. Die Amerikanische Herzgesellschaft sagt, gesunde Erwachsene können bedenkenlos ein Ei täglich essen. Sie weist aber darauf hin, dass häufig das, was man zu den Eiern isst – etwa Speck oder Würstchen – große Mengen an gesättigten Fettsäuren enthält. Um seine Cholesterinwerte zu verbessern, sollte man also gesättigte Fettsäuren durch ungesättigte ersetzen: Margarine statt Butter essen, mit Pflanzenölen wie Sonnenblumen­, Raps­ oder Olivenöl kochen, fettarme Milchprodukte wählen.

 

Mythos 2: Wenn meine Cholesterinwerte hoch sind, merke ich das.
Wahrheit: Nein, das kann man nur mit einem Test feststellen

Sie können nicht fühlen, ob Ihr Cholesterinwert zu hoch ist, das kann man nur durch einen Test feststellen. Ab welchem Alter Sie im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung Ihren Cholesterinwert bestimmen lassen können – sofern Sie keine anderen Risikofaktoren aufweisen – variiert von Land zu Land: in Deutschland ab 35 Jahren, in Großbritannien ab 40 und in Frankreich ab 50. Einige Experten sind der Meinung, dass man mit den Tests ab einem Alter von 30 oder 20 Jahren beginnen sollte. „Die Cholesterinwerte junger Menschen zu messen, könnte Leben retten“, sagt Dr. Fabian Brunner, Kardiologe am Universitätsklinikum Hamburg­ ppendorf. Er war Hauptautor einer internationalen Studie, die 2019 veröffentlicht wurde und über Jahrzehnte hinweg Daten von Herz­Kreislauf­Patienten analysierte. Mit diesen Daten schätzten die Forscher das Langzeitrisiko für einen Herz­Kreislauf­Vorfall im Alter von 75 Jahren ein und berechneten den möglichen Nutzen, den die Reduzierung des Non­HDL-Cholesterins in jüngeren Jahren hat. Ihre Ergebnisse zeigten, dass diese tatsächlich hilft, eine Herz­Kreislauf­Erkrankung im späteren Leben zu verhindern.

 

Mythos 3: Statine haben starke Nebenwirkungen
Wahrheit: Nebenwirkungen sind selten

Statine, die seit den 1980er­Jahren weltweit häufig eingesetzt werden, reduzieren die Produktion von LDL-Cholesterin, indem sie ein Enzym in der Leber blockieren, das an dessen Herstellung beteiligt ist. „Und sie stabilisieren die Ablagerungen in den Arterien, damit diese sich nicht lösen und einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen“, erklärt Christopher Allen von „HEART UK – The Choleste­rol Charity“ (eine britische Wohltätigkeitsorganisation, die über die Risiken von Cholesterin aufklärt). „Sie sind bewährte und unglaublich effektive Wirkstoffe. Statine reduzieren die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt um 30 Prozent“, sagt Christopher Allen. Ihr Arzt kann beurteilen, ob Sie Risikofaktoren aufweisen, die die Einnahme von Statinen rechtfertigen.

2019 veröffentlichte die European Society of Cardiology (ESC, Europäische Gesellschaft für Kardiologie) eine Abhandlung, wonach Statine „Opfer des Zeitalters der Fehlinformationen“ wurden. Es gibt Gerüchte, dass sie Muskelschmerzen, Typ­2­Diabetes, Krebs und sogar Demenz verursachen. In Wirklichkeit, so die ESC, sind die am häufigsten im Zusammenhang mit der Einnahme von Statinen berichteten Nebenwirkungen Muskelschmerzen bei weniger als 1 Prozent der Patienten. Eine Studie der Johns Hopkins University in Baltimore (USA) aus dem Jahr 2020 zeigt, dass Statine möglicherweise sogar Krebszellen aushungern lassen. Und was ist mit Alzheimer? Für eine Studie, die 2016 veröffentlicht wurde, untersuchte man 400.000 Menschen in den USA, die seit mindestens zwei Jahren regelmäßig Statine eingenommen hatten. Innerhalb von vier Jahren hatten Männer sogar ein um 12 Prozent und Frauen ein um 15 Prozent geringeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken.

 

Mythos 4: Ich kann hohe Cholesterinwerte durch Bewegung und Ernährung verhindern.
Wahrheit: Wenn es genetisch bedingt ist, können Sie es nicht verhindern

Bei Menschen mit Familiärer Hypercholesterinämie (FH) wird das schlechte LDL-­Cholesterin in ihrem Blut genetisch bedingt nicht abgebaut. FH kommt laut Professor Graham bei ungefähr einem von 250 Menschen vor. „Wenn die Erkrankung von einem oder gar beiden Elternteilen vererbt wird, führen unbehandelte hohe Cholesterinwerte oft ab dem 30. Lebensjahr zu einem Herzinfarkt.“ Aber ohne einen Test weiß man nicht, ob man FH hat, da Betroffene meist keine Symptome aufweisen. In fast allen Fällen können Menschen mit FH ihre Cholesterinwerte nicht ohne Medikamente auf gesunde Werte bringen.

 

 

Sie können Ihre Werte in den Griff bekommen, egal wie alt Sie sind

Ihre Cholesterinwerte unter Kontrolle zu halten, kann zu einem längeren und gesünderen Leben führen, da Ihr Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall gesenkt wird. „Die Forschung bestätigt, dass es nie zu spät ist, die Cholesterinwerte zu behandeln, zumindest bis Sie Mitte 80 sind“, sagt Professor Graham. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über einen Test. Und achten Sie bei Ihrer Ernährung darauf, mehr Produkte mit ungesättigten Fettsäuren wie Getreide, Nüsse und Fisch zu verwenden. Verzehren Sie weniger Milchprodukte mit hohem Fettanteil und essen Sie vor allem weniger Fleisch. Sollten Sie Medikamente einnehmen müssen, um die Werte zu kontrollieren: Statine wirken, und die meisten Menschen vertragen sie gut.

 


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