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Das Börsen-ABC
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Das Börsen-ABC

Es geht um Ihr Geld! Was Sie als Anleger über Aktien und Co. wissen müssen, erklären wir Ihnen hier.

Ausgabe: Oktober 2017 Autor: Michael Brückner

Eine zeitlos gültige Anlage-Empfehlung lautet: Investiere nur in Dinge, die du kennst. Allerdings: Wer sein Geld in Niedrigzinszeiten auf dem altvertrauten Sparbuch parkt, macht Verluste. Wie steht es um die Gewinnchancen mithilfe von Dividendenstrategie, Optionsscheinen und Zerobonds?

Aktien

Wer Aktien kauft, beteiligt sich am jeweiligen Unternehmen. Er ist also Miteigentümer und nicht nur Gläubiger, wie im Fall von → Anleihen, und trägt einen Teil des wirtschaftlichen Risikos. Papiere von Großunternehmen werden als Standardwerte bezeichnet. Die 30 führenden Standardwerte in Deutschland sind im „großen DAX“ enthalten. Die 50 europäischen Standardwerte erscheinen im EuroStoxx 50 (→ siehe Stichwort Index). Die Aktionäre werden anteilig am Gewinn des Unternehmens in Form der → Dividende beteiligt.
Chancen: Der Aktionär profitiert von der Kurssteigerung der Aktie und gegebenenfalls von der Dividende. Aktien sind ein Sachwert und daher im Gegensatz zu Geldwerten (Sparkonten, Bargeld, Anleihen) in hohem Maße inflationsgeschützt.
Risiken: Der Aktionär trägt das unternehmerische Risiko mit. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich, wenngleich bei Standardwerten eher selten.

Anleihen

Der Ausgeber einer Anleihe – auch Bonds genannt – nimmt bei den Anlegern einen Kredit in beträchtlicher Höhe auf. Dabei wird der Darlehensbetrag gestückelt. Die Anleger kaufen also Teile des Gesamtkredits. Zu den bekanntesten Ausgebern – auch Emittenten genannt – gehören Staaten und Unternehmen. Fast alle Anleihen haben einen festen Zinssatz, der im Wesentlichen von der Laufzeit und der Bonität des Emittenten abhängt. Auf fallende oder steigende Zinsen reagieren diese Anleihen über den Kurs, also ihren „Preis“. Steigen die Zinsen, fallen die Kurse, fallen die Zinsen, steigen die Kurse.
Chancen: Staatsanleihen von Ländern mit hoher Bonität (zum Beispiel Deutschland, Österreich, Niederlande) gelten als besonders sicher. Wer Anleihen bis zum Endfälligkeitstermin hält, braucht sich um die Kursentwicklung nicht zu sorgen, denn die Rückzahlung beträgt 100 Prozent der investierten Summe. Während der Laufzeit kann der Anleger mit Einnahmen aus der garantierten Verzinsung rechnen.
Risiken: Geht der Emittent pleite, droht Zahlungsausfall. Dies gilt es vor allem bei Unternehmensanleihen und Staaten mit schlechter Bonität zu beachten. Faustregel: je höher der Festzins, desto höher das Risiko. Werden die Anleihen nicht bis zur Endfälligkeit gehalten, besteht überdies ein Kursrisiko beim Verkauf.

Ausgabeaufschlag

Aufgeld, das Banken und Fondsgesellschaften dem Kunden beim Kauf von Anteilen an → Fonds berechnen. Es liegt bei Aktienfonds in der Regel bei 5 Prozent der Anlagesumme. Wer also für 5000 Euro Aktienfondsanteile kauft, bezahlt dafür in diesem Fall 5250 Euro. Onlinebroker und Direktbanken berechnen häufig deutlich geringere Ausgabeaufschläge als Filialbanken. Ein Vergleich kann sich also lohnen!
Chancen: Wer genau weiß, in welchen Fonds er investieren will, kann sich den Anbieter mit dem geringsten Ausgabeaufschlag aussuchen. Manche verzichten sogar ganz darauf.
Risiken: Bei Onlinebrokern oder Direktbanken muss der Anleger meist auf Beratung verzichten.

Depot

Verwahrmöglichkeit und Transaktionsplattform für Wertpapiere, das Banken und andere Finanzdienstleistungsinstitute für ihre Kunden einrichten. Dieser Service kostet häufig Gebühren, die unterschiedlich hoch ausfallen können. Daher lohnt vorab ein Vergleich. Mindestens einmal im Jahr muss das Kreditinstitut dem Kunden schriftlich mitteilen, was sich in seinem Depot befindet.

Dividende/Dividendenstrategie

Aktionäre werden in den meisten Fällen anteilig am Gewinn der Aktien­Gesellschaft beteiligt – in Form einer Dividende pro Aktie. Die Dividenden-Strategie besteht darin, gezielt Aktien von Unternehmen zu kaufen, die üblicherweise hohe Dividenden ausschütten.
Chancen: Es besteht die Aussicht auf regelmäßige Ausschüttungen, deren Höhe deutlich über den Zinssätzen für Spareinlagen liegen.
Risiken: Dividenden sind steuerpflichtig – und zwar bei jeder Ausschüttung. Derzeit gilt in Deutschland die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent, zuzüglich Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent) und gegebenenfalls Kirchensteuer. Steuern auf Kursgewinne – beispielsweise von Aktien, die keine Dividenden abwerfen – hingegen sind erst nach einem Verkauf der Aktien fällig.

Edelmetalle

Gold, Silber, Platin und Palladium gehören zu den beliebtesten Sachwertanlagen. Sie sind als Münzen und Barren bei Banken und Edel­metallhändlern erhältlich. Der Kauf und Verkauf von Gold zu Anlagezwecken ist von der Umsatzsteuer befreit. Für alle anderen Edelmetalle muss der Käufer in Deutschland 19, in Österreich 20 Prozent Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) zahlen. Daneben kann der Anleger in Aktien von Minenbetreibern oder in Exchange Traded Funds (→ Fonds) auf der Basis von Edelmetallen investieren.
Chancen: Gold gilt als „sicherer Hafen“, trotz zum Teil erheblicher Kursschwankungen. Im Gegensatz zu Aktien ist der Wert von Gold noch nie auf null gefallen. In Deutschland gilt zudem: Nach Ablauf einer einjährigen Haltefrist dürfen Gewinne mit Edelmetall-Barren oder -Münzen steuerfrei vereinnahmt werden.
Risiken: Für Edelmetall gibt es keine Zinsen. Die Kursschwankungen sind mitunter beträchtlich. Gold dient in erster Linie als Kapitalanlage und zur Herstellung von Schmuck. Silber, Platin und Palladium werden hingegen überwiegend industriell verarbeitet. Ihre Preisentwicklung ist daher meist noch schwankungsintensiver.

Festgeld

Für einen Geldbetrag, der für einen bestimmten Zeitraum – beispielsweise drei, sechs oder zwölf Monate – angelegt wird, erhält der Kunde einen festen Zinssatz. Oft wird eine Mindestanlagesumme verlangt. Nach Ablauf der vereinbarten Frist kann der Sparer das Geld erneut anlegen, was man prolongieren nennt. Oder er verlangt die Auszahlung des angelegten Betrags plus Zinsen. Anbieter von Festgeldkonten sind Banken und Sparkassen.
Chancen: Relativ sichere Form der Anlage. Innerhalb der Europäischen Union macht die Einlagensicherung der Bank mindestens 100 000 Euro aus. Geht das Kreditinstitut pleite, sind die Einlagen pro Kunde bis zu dieser Höhe gesetzlich gesichert. Für Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken gilt die sogenannte Institutssicherung. Dadurch sind Spareinlagen dort faktisch unbegrenzt geschützt.
Risiken: Derzeit sehr niedrige Verzinsung, teilweise null Prozent. Mittelfristig sind sogar Negativzinsen nicht ausgeschlossen. Während der Laufzeit kann der Anleger nicht über das Geld verfügen.

Fonds

In einem Fonds werden die Gelder von Anlegern gesammelt. Das Management der Kapitalanlagegesellschaft – das ist das Unternehmen, das den Fonds auflegt – investiert das Geld dann je nach dessen Schwerpunkt. Als Anleger haben Sie die Wahl zwischen Aktien- und gemischten Fonds oder Immobilien-, Länder- und Branchenfonds. Möchten Sie Anteile an einem Aktienfonds erwerben, können Sie sich zum Beispiel für eine bestimmte Region entscheiden, also etwa nur Aktien aus Europa, den USA oder Schwellenländern. Oder Sie wählen eine bestimmte Branche, etwa Technologie-Aktien. Mischfonds investieren überwiegend in Aktien und Anleihen. Die Chancen und Risiken steigen dann mit der Aktienquote im Fondsportfolio. Ausschüttungsfonds zahlen ihre Einnahmen an Zinsen, Dividenden und Mieteinnahmen sowie Veräußerungs-Gewinne anteilig an die Anleger aus. Thesaurierende Fonds legen die Erträge hingegen wieder an. Die Thesaurierung hat den Nachteil, dass der Anleger keine laufenden Erträge erhält. Der Vorteil ist, dass sich das Fondsvermögen erhöht, was wiederum eine Wertsteigerung der Fondsanteile zur Folge haben kann. Eine preisgünstige Alternative zum Kauf von Fondsanteilen können ETFs sein. Die Abkürzung steht für Exchange Traded Funds, also börsengehandelte Fonds. Diese werden normalerweise nicht aktiv gemanagt, sondern bilden einen → Index ab, zum Beispiel den DAX. Der Anleger nimmt mit ETFs also 1:1 an den Gewinnen oder Verlusten dieses Börsenbarometers teil.
Chancen: Wer in Fonds investiert, profitiert zum einen von der Expertise des Fondsmanagements und streut zum anderen sein Vermögen erheblich breiter, als dies zum Beispiel mit dem Kauf von Einzelaktien möglich wäre.
Risiken: Fonds sind nicht eben preiswert. Das Fondsmanagement erhält meist eine beträchtliche Vergütung, außerdem sind beim Kauf in der Regel Ausgabeaufschläge fällig.

H wie Hedgefonds

Sammelbegriff für aktiv gemanagte  Fonds, die mithilfe von risikobehafteten Anlagestrategien versuchen, eine über dem Marktdurchschnitt liegende Rendite zu erwirtschaften. So investieren Hedgefonds-Manager zum Beispiel in →Optionen/Optionsscheine. Oft wird zudem viel Fremdkapital eingesetzt, um mit dem vorhandenen Eigenkapital einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen. Das nennt man Hebeleffekt.
Chancen: Deutlich über dem Kapitalmarkt liegende Renditen sind möglich.
Risiken: Der Anleger ist abhängig von den Strategien der Hedgefonds-Manager und muss bereit sein, auch hohe Verluste hinzunehmen – die wegen des Hebeleffekts sogar über der ursprünglich investierten Summe liegen können.

I wie Index

Börsenbarometer, das die Entwicklung ausgesuchter Börsenkurse wider­spiegelt. Zu unterscheiden sind Kursindices, wie zum Beispiel der US-amerikanische Dow Jones und der japanische Nikkei-Index, sowie Performance-Indices, zu denen der Deutsche Aktienindex DAX gehört. In einen Performance-Index fließen auch die gezahlten Dividenden sowie alle sonstigen Einnahmen aus dem Besitz der Aktien ein.

O wie Optionen/Optionsscheine

Beide Finanzinstrumente gehören zu den sogenannten Derivaten und funktionieren weitgehend nach demselben Prinzip. Man unterscheidet zwischen Kauf- (Call-) und Verkaufs- (Put-) Optionen/Optionsscheinen. Der Käufer einer Call-Option erwirbt das Recht, einen Basiswert – also eine Aktie, eine Währung oder ein Rohstoff – innerhalb einer bestimmten Frist zu einem vom Verkäufer festgelegten Preis zu erstehen. Er hofft darauf, dass der Kurs des Basiswerts innerhalb dieser Frist den festgelegten Preis übersteigt. Die Put-Option berechtigt hingegen zum Verkauf des betreffenden Basiswertes zu einem vorher festgelegten Preis – in der Hoffnung auf fallende Kurse.
Chancen: Hohe Renditechancen. Auch zur Absicherung eines Aktiendepots geeignet. Der Anleger verliert durch fallende Aktienkurse, gewinnt aber durch entsprechende Put-Optionen.
Risiken: Entwickeln sich die Kurse nicht wie erwartet, drohen Verluste in Höhe des Options-/Optionsscheinpreises.

S wie Sparplan

Wer auf dieses Finanzinstrument setzt, investiert regelmäßig in einen Fonds oder ein Sparkonto. Im Fall von Fondsparplänen kauft der Anleger beispielsweise monatlich für 100 Euro Anteile. Fallen die Kurse im Lauf der Zeit, bekommt er mehr von den dann billigeren Fondsanteilen, steigen sie, bekommt er weniger. Dadurch entsteht der sogenannte Durchschnittspreis-Effekt (Cost-Average-Effekt).
Chancen: Kapitalaufbau mit überschaubaren monatlichen Einzahlungen. Bei schwankenden Kursen günstige Durchschnittspreise dank Cost-Average-Effekt.
Risiken: In Zeiten langfristig steigender Kurse wirkt sich der Cost-Average-Effekt nicht aus. Manche Anbieter verlangen regelmäßige Ausgabeaufschläge. Darum: Fragen Sie nach und vergleichen Sie Angebote.

T wie Tagesgeldkonto

Sparkonto, bei dem der Kunde – im Gegensatz etwa zum Festgeldkonto – täglich über sein Guthaben verfügen kann. Das Tagesgeldkonto ist jedoch kein Ersatz für ein Girokonto, da von ihm keine direkten Abbuchungen möglich sind.
Chancen: Tägliche Verfügbarkeit, in der Regel keine Gebühren, unkomplizierte Handhabung.
Risiken: Derzeit gibt es auf dem Tagesgeldkonto kaum noch oder sogar bereits keine Zinsen mehr. Die Inflation nagt dann am Ersparten.

Z wie Zerobonds

Bei diesen Nullzins-Anleihen ergibt sich die Rendite aus der Differenz zwischen dem Nennwert und dem deutlich geringeren Ausgabepreis.
Chancen: Einfach nachvollziehbares Produkt, bei dem sich die Rendite einfach berechnen lässt. Möglicherweise lassen sich Steuerstundungseffekte nutzen: Wenn beispielsweise der persönliche Steuersatz bei Rücknahme der Bonds unter 25 Prozent liegt – etwa nach dem Renteneintritt. Oder wenn man im Fälligkeitsjahr keine oder nur geringe Einnahmen aus Kapitalvermögen hat und den Freibetrag voll ausschöpfen kann.
Risiken: Während der Laufzeit verstärkte Volatilität (Schwankung) möglich, Emittentenrisiko.

 

Als Buchautor und Journalist widmet sich Michael Brückner in erster Linie Finanzthemen.

 

 


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