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Kuriose Vorschriften aus Deutschland und Österreich
© Illustration Jan Bazing
Aus der
aktuellen
Ausgabe

RatTipp

Kuriose Vorschriften aus Deutschland und Österreich

In der Öffentlichkeit rülpsen, schräg über die Straße laufen, mit dem Hund Gassi fahren? Das wird teuer!

Ausgabe: Juli 2017 Autor: Kirstin von Elm

Es ist wohl was dran am alten Spruch, demzufolge alles verboten ist, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. So manche Vorschrift, die in Deutschland und Österreich gilt, klingt jedenfalls kurios oder ist nur Fachleuten bekannt. Das Spektrum reicht vom falschen Blinken im Kreisverkehr über privates Müllpressen bis zu lautem Rülpsen. Hätten Sie gewusst, dass Ihnen bei den folgenden Aktionen ein Bußgeld oder sogar eine Strafe droht?

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Nackt Auto fahren ist sogar erlaubt - nur aussteigen sollten Sie in der Öffentlichkeit nicht.

Autofahrer: Wer nackt fährt, sollte nicht aussteigen

In Ihrer Wohnung oder auch im nicht einsehbaren eigenen Garten im Adams- oder Evakostüm herumzulaufen, kann Ihnen niemand verbieten. Wenn Ihnen danach ist, dürfen Sie sogar nackt Auto fahren. „Es gibt kein Gesetz, das Nacktfahren an sich verbietet“, erklärt Christian Janeczek, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Dresden und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltsverein. Das Aussteigen kann allerdings zum Problem werden: Wenn Sie tagsüber in der Innenstadt aus dem Auto hüpfen, müssen Sie mit einem Bußgeld rechnen. Dessen Höhe ist abhängig vom Einzelfall. Für Wiederholungstäter oder besonders aufdringliche Nackedeis können in Deutschland mehrere Hundert Euro fällig werden. In Österreich drohen sogar bis zu 700 Euro Strafe. Selbst bei größter Hitze sollten Sie sich im Auto also lieber etwas anziehen und Schuhe tragen – schon allein der Sicherheit wegen: „Als Autofahrer müssen Sie immer in der Lage sein, Ihr Auto sicher zu beherrschen, ansonsten droht Ihnen bei einem Unfall eine Mithaftung“, warnt Janeczek.

Fußgänger: Keine schräge Tour über die Straße

Man sieht es täglich, und vermutlich sind auch Sie schon einmal schräg über die Straße gelaufen, um den Weg abzukürzen. Das sollten Sie bleiben lassen! Laut deutscher Straßenverkehrsordnung müssen Fußgänger nämlich die Fahrbahn stets auf dem kürzesten Weg, an den dafür vorgesehenen Stellen und unter Beachtung des restlichen Verkehrs überqueren. Wer sich nicht daran hält und so andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, riskiert ein Bußgeld von fünf Euro. Eine Schnellstraße außerhalb der dafür vorgesehenen Bereiche zu überqueren, kostet Sie sogar zehn Euro – vorausgesetzt, Sie werden erwischt.

 

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Wer Kaugummi einfach ausspuckt, muss mit einem Bußgeld rechnen, sofern er erwischt wird.

Kaugummi: Einfach ausspucken geht nicht

Kaugummis und anderen Kleinmüll, wie Zigarettenkippen, Bonbonpapier, Taschentücher oder Pappbecher einfach auf die Straße zu werfen, ist eine Ordnungswidrigkeit. Sie kann in vielen deutschen Kommunen mit einem Bußgeld von rund 15 bis 20 Euro geahndet werden. In Österreich stellen sogenannte Waste Watcher Strafzettel in Höhe von 36 bis 90 Euro aus.

 

Restmülltonne: Bitte nicht pressen

Damit Ihre Restmülltonne regelmäßig entleert wird, zahlen Sie Abfallgebühren. Die richten sich nach Tonnen- volumen und vielerorts auch nach Abholturnus: Wer seinen Müll seltener abholen lässt oder mit einer kleineren Tonne auskommt, spart Geld. Das führt so manchen in Versuchung, die Tonne möglichst vollzustopfen. Aber Vorsicht: Den Müll in der Tonne mit einem Spezialgerät extra zusammenzupressen sollten Sie besser unterlassen. Zwar werden im Handel solche Müllpressen mit dem Argument angepriesen, dass sich damit Müllgebühren sparen ließen. Doch der Gebrauch ist in vielen Kommunen verboten und kann ein drastisches Bußgeld nach sich ziehen. In Köln und Leipzig drohen Müllpressern bis zu 50 000 Euro, in Essen sogar bis zu 100 000 Euro Bußgeld!

 

Parkbank: Lassen Sie die Füße am Boden

Nach dem Shopping-Bummel oder in der Mittagspause mal kurz die Füße hochlegen – ein Bedürfnis, dem Sie besser nicht auf der Parkbank nachkommen sollten: Die Sitzfläche zu verschmutzen kann Sie nämlich ein Bußgeld kosten. In Dortmund sind beispielsweise 25 Euro fällig, in Köln 35 Euro.

 

Spielplatz: Nicht für Erwachsene

„Wir müssen leider draußen bleiben“, heißt es für Erwachsene auf vielen Spielplätzen – es sei denn, Sie begleiten ein spielendes Kind dorthin. Wer den Spielplatz bis zu welcher Uhrzeit betreten darf, regeln viele Gemeinden in ihrer Spielplatzsatzung. Dort ist meist auch festgelegt, was alles nicht erlaubt ist – etwa Hunde mitbringen. Für die Spielgeräte selbst gelten zudem oft Altersbeschränkungen, beispielsweise nur bis 14 Jahre. Das alles dient in erster Linie dem Schutz der Kinder und stößt bei Eltern in der Regel auf Verständnis.
Doch auch wer sich aus Unwissenheit und ohne böse Absicht nicht an das Zutrittsverbot hält, riskiert ein Bußgeld. So wie zwei junge Männer aus Hannover. Einer von ihnen hatte sich beim Warten auf seinen Freund auf eine Spielplatzbank gesetzt. Als der Freund kurz nach 20 Uhr eintraf, setzte der sich ebenfalls hin. Obwohl die beiden Berufsschüler niemanden störten, verpasste die Polizei ihnen wegen Verstoßes gegen die Spielplatzverordnung ein Knöllchen.

 

Fahrrad: Hände an den Lenker

37,41 Kilometer ist der Weltrekord im freihändigen Fahrradfahren. Aufgestellt hat ihn der US-Amerikaner Erik Skramstad am 23. Juni 2009 in Las Vegas. Allerdings nicht auf der Straße, sondern auf der Rennbahn: Für seinen Rekordversuch durfte er den Las Vegas Motor Speedway benutzen. Wer ihm nacheifern möchte, sollte dafür besser nicht im Straßenverkehr üben. Werden Sie nämlich freihändig auf dem Fahrrad erwischt, zahlen Sie in Deutschland fünf Euro Bußgeld, in Österreich mindestens 14 Euro.

 

© Illustration Jan Bazing

In Österreich in der Öffentlichkeit herzhaft rülpsen: Dafür kann wegen "Verletzung des öffentlichen Anstands" ein Bußgeld fällig werden.

Aufstoßen: Kann Anstoß erregen

Nach dem Essen zu rülpsen gilt in manchen Ländern als Kompliment für den Gastgeber und wird keinesfalls als unhöflich empfunden. Nicht so in Österreich. Weil er nach dem Verzehr eines scharfen Döners mit seinem herzhaften Rülpser „den öffentlichen Anstand verletzt“ habe, musste ein 27-jähriger Wiener 70 Euro Bußgeld zahlen.
Sein Pech: Ein Polizeibeamter stand nur wenige Meter entfernt und fühlte sich wohl provoziert. Unser Tipp: Wenn Sie nach dem nächsten Imbissbesuch kein Bußgeld riskieren wollen, dann prüfen Sie vor dem Aufstoßen lieber, wer neben Ihnen steht – oder nehmen Sie einfach weniger Zwiebeln.

Kreisverkehr: Mit Bedacht blinken!

Spur wechseln, abbiegen, Hindernis umfahren oder überholen – als Autofahrer müssen Sie in vielen Situationen den Blinker setzen, sonst droht Ihnen ein Bußgeld. Genau das Gegenteil gilt allerdings beim Einfahren in den Kreisverkehr: Wer hier blinkt, muss in Deutschland mit zehn Euro Bußgeld rechnen, wenn die Polizei zuschaut. Aber Achtung: Wenn Sie den Kreisel wieder verlassen, müssen Sie blinken – sonst ist der nächste Zehner fällig.

 

Bahnübergang: Immer schön warten

Als Autofahrer am Bahnübergang schnell noch unter der herabsinkenden Schranke durchzusausen, ist für Sie und andere lebensgefährlich und deshalb verboten. Neben einem saftigen Bußgeld von 240 bis 350 Euro werden Verstöße gegen die Wartepflicht am Bahnübergang in Deutschland mit zwei Punkten im Flensburger Verkehrszentralregister und einem Monat Fahrverbot geahndet.
Wer trotz geschlossener (Halb-)Schranke einfach weiterfährt, muss sogar mit 700 Euro, zwei Punkten und drei Monaten Fahrverbot rechnen. Was viele nicht wissen: Auch Fußgänger, die unter der geschlossenen Schranke hindurchklettern, zahlen dafür Strafe. In Deutschland sind 350 Euro fällig. In Österreich werden Vergehen an Schranken mit Geldstrafen zwischen 100 und 736 Euro sowie mit einem Vermerk im Führerscheinregister geahndet.

 

Hundehalter: Gassi gehen und nicht fahren

Regen, Kopfweh, Gipsbein – Argumente gegen das Gassigehen haben Herrchen und Frauchen viele parat. Damit Bello und Senta sich dennoch erleichtern können, setzt sich so mancher Hundebesitzer einfach mit der Leine in der Hand ins Auto und „fährt“ mit seinem Liebling Gassi. Das ist zwar bequem, aber nicht erlaubt. Wenn die Polizei Sie erwischt, kostet diese Lösung für Faule in Deutschland fünf Euro Bußgeld, in Österreich mindestens 50 Euro.


© Illustration Jan Bazing

 

Notruf: Falscher Alarm wird teuer

Ein Tiger im Stadtwald? Klingt wie ein Scherz – und das war es auch. Da jedoch binnen kurzer Zeit gleich vier Anrufer bei der Augsburger Polizei eine streunende Raubkatze meldeten, rückten die Beamten aus. 30 Polizisten samt Hubschrauber, ein Dutzend Feuerwehrleute sowie Mitarbeiter des nahe gelegenen Zoos beteiligten sich an der Suchaktion, auch im Radio wurde vor dem Tiger gewarnt. Für die vier jugendlichen Anrufer hatte der Telefonstreich unangenehme Konsequenzen.
Wegen „Missbrauchs von Notrufen und Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemitteln“ verurteilte das Jugendgericht drei von ihnen zu kurzen Arreststrafen, der vierte kam mit 40 Sozialstunden davon. Scherze am Notruftelefon sollten Sie sich also verkneifen. Neben einer Strafe riskieren Sie nämlich auch eine saftige Rechnung über die Einsatzkosten. „Die können sich schnell auf mehrere tausend Euro summieren“, warnt Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband. In Österreich wird der „Notzeichenmissbrauch“ mit Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten oder einer Geldstrafe von bis zu 5000 Euro bestraft. Aber keine Sorge: Wenn Sie in bester Absicht den Notruf wählen, weil Sie irrtümlich einen Brand oder eine andere Gefahr vermuten, müssen Sie weder Kosten noch Strafe fürchten.

 

Wortwahl: „Du Mädchen“ kann eine Beleidigung sein

Dass man für eine Beleidigung manchmal bezahlen muss, ist vielen Menschen wohl bewusst. Aber haben Sie auch gewusst, dass es sich dabei in Deutschland und Österreich sogar um eine Straftat handelt? Das bedeutet: Je nach Wortwahl und Situation droht Ihnen nicht nur eine Geld-, sondern schlimmstenfalls eine Freiheitsstrafe. Ob Ihre Worte eine Beleidigung darstellen und in welchem Maß diese zu ahnden ist, darüber entscheiden die Richter fallweise. In der Bezeichnung „alter Mann“ für einen knapp 60-Jährigen sah beispielsweise das OLG Hamm noch keine beleidigende Herabwürdigung des Klägers.
Einen Polizisten bei einer Verkehrskontrolle „Du Mädchen“ zu nennen, weil er das Bremsmanöver ihres Gatten gerügt hatte, kostete eine 56-jährige Düsseldorferin dagegen 200 Euro. Ob Sie „Du Mädchen“ – oder „Du Junge“– ungestraft zu einer Polizistin sagen dürfen, ist gerichtlich noch nicht geklärt. Auf keinen Fall sollten Sie sie jedoch als Pumuckl bezeichnen. Ein 27-jähriger Fußballfan, der nach einem Spiel eine Polizeihauptmeisterin so tituliert hatte, kassierte vom Amtsgericht Regensburg für den Vergleich mit dem Kobold zwei Monate auf Bewährung.

 

Ferienbeginn: Nicht eigenmächtig verlegen

Wer schulpflichtige Kinder hat, kennt das Problem: An den Hauptreisetagen zu Beginn und zum Ende der Ferien ziehen die Flugpreise dramatisch an. Den Flug einfach in die Schulzeit zu verschieben, kann die Urlaubskasse deutlich entlasten – stößt bei Schulen und Lehrern allerdings nicht unbedingt auf Verständnis. An Tagen vor und nach den Ferien gebe es etwa doppelt so viele Krankmeldungen wie sonst, beklagt der Deutsche Philologenverband. „Eltern, die ihre Kinder zum Blaumachen anstiften, geben ein schlechtes Beispiel ab und verhalten sich unsozial“, kritisiert Verbandschef Heinz-Peter Meidinger.
Wenn der schulpflichtige Nachwuchs also ausgerechnet zwei Tage vor den Ferien krank wird, müssen Sie damit rechnen, dass die Schule ein ärztliches Attest verlangt. Wer das nicht vorlegen kann, riskiert im Zweifelsfall ein hohes Bußgeld. In Deutschland können je nach Bundesland 1000 bis 1500 Euro fällig werden, die Schulgesetze in Hamburg, Hessen und im Saarland sehen sogar Freiheitsstrafen von bis zu sechs Monaten oder Geldstrafen von bis zu 180 Tagessätzen vor.
In Österreich sind 440 Euro oder, in schweren Fällen von Verletzung der Schulpflicht, Arreststrafen der Eltern gängige Strafen. Übrigens: An den deutschen Flughäfen fanden in den letzten Jahren verstärkt Kontrollen durch die Bundespolizei statt. Also lassen Sie sich die zusätzlichen Ferientage lieber ausdrücklich von der Schule genehmigen, was aber auf wenige Ausnahmen beschränkt sein sollte – oder wählen Sie den teureren Flug.

 

 

 

 


 

RD Abbinder
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