Ein Schweizer von Welt
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Aus der
aktuellen
Ausgabe

Stars im Interview

DJ Bobo: "Ein Schweizer von Welt"

Der Popstar DJ Bobo über Zirkus, Kinder und die Fußballweltmeisterschaft

Ausgabe: Februar 2014 Autor: Reinhold Hönle und Alexander Vitolic

René Baumann alias DJ Bobo gehört weltweit zu den erfolgreichsten Popmusikern der letzten 20 Jahre. Ende April geht der 46-jährige Schweizer mit seinem neuen Album Circus auf Tournee in Deutschland. Reader's Digest traf ihn am Rande eines Auftritts beim Schweizer Fernsehen.

Reader's Digest: Eben bei Ihrem Eintreffen hat Ihnen die Aufnahmeassistentin als Erstes offenbart, dass sie wie Sie aus dem Luzernischen komme. Passiert Ihnen das öfter, dass die Leute Ihnen gleich erzählen, wo sie herkommen?
DJ Bobo:
Immer! In der Schweiz sagt mir jeder, woher er kommt, um mir dann eine Geschichte zu erzählen, die ihn mit mir verbindet. In Deutschland ist das anders: Da verbinden viele ihre erste CD mit mir. Die Redakteure bringen zum Interview oft ein altes Album mit, das sie signieren lassen wollen. Das ist lustig.

RD: In Ihrer neuen Show geben Sie den Zirkusdirektor. Erfüllen Sie sich damit einen Kindheitstraum?
Bobo:
Nein, ich gehöre schon zu der Generation "Cirque du Soleil". Diese Art Zirkus hat mich geprägt, weil sie gezeigt hat, wie man eine artistische Leistung allein durch die Inszenierung enorm aufwerten kann. Die machen aus einer einfachen Drei-Ball-Jongliernummer eine Riesensache. Am Schluss denken die Zuschauer: "Wow, wie der das geschafft hat – mit drei Bällen!" (lacht)

RD: Sehen Ihre Kinder das auch so?
Bobo:
Ich war schon ein paarmal mit ihnen im Zirkus, aber sie gehen momentan lieber auf Musikkonzerte. Es ist spannend, zu sehen, was sie toll finden: Wenn Jamiro, der jetzt elf ist, nach einem Konzert nach Hause kommt, sagt er zum Beispiel: "Justin Biebers Bühne ist viel kleiner als deine!"

RD: Sind Sie so viel für Ihre Kinder da, wie Sie es gern möchten?
Bobo:
Ja, wahrscheinlich haben meine Frau Nancy und ich sogar mehr Zeit für die Familie als normal arbeitende Eltern. Wir gehen nur alle zwei Jahre auf Tournee, und dazwischen sind wir extrem oft zu Hause. Da haben wir die Möglichkeit, sehr viel Zeit mit den Kindern zu verbringen. Ich stelle sie über alles andere. Ich habe heute Mittag bei einem Meeting mit Andrea Berg zu ihr gesagt: "Ich gehe kurz mit den Kindern eine Stunde zum Mittagessen." Früher hätte ich mir das nicht rausgenommen. Meine Prioritäten haben sich geändert.

RD: Was, wenn sie in Ihre Fußstapfen treten wollen ...
Bobo:
Ich weiß noch nicht, was für sie das Richtige sein wird. Ich werde sie aber immer unterstützen, wenn ich spüre, dass echte Leidenschaft dahintersteckt und nicht irgendeine Spinnerei – egal, ob sie Bäcker, Metzger oder doch Musiker werden möchten.

RD: Dann müssen sie Sie überzeugen?
Bobo:
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Als Jamiro mich fragte, ob ich denke, dass er das Zeug zum Fußballprofi hätte, steckte ich in der Zwickmühle. Als Vater wusste ich ganz genau, es reicht wahrscheinlich nicht. Er spielt toll Fußball, er ist einer der Besten in der Klasse, aber die Luft da oben ist dünn. Aber wenn ich ihm das so sage, mache ich ihm ja alle Träume kaputt.

RD: Als Talentshow-Juror haben Sie mal gesagt, es brauche 15 Sekunden, um zu sehen, ob jemand etwas drauf habe.
Bobo:
Ja, das ist ein bisschen kurz im Fußball. (lacht) Aber wenn jemand auf die Bühne kommt, sieht man das relativ schnell.

RD: Sie spielen selbst Fußball. In welche Liga hätten Sie es schaffen können, wenn Sie sich nicht für die Musikkarriere entschieden hätten?
Bobo:
Nie in eine Liga, wo es Geld gibt. Das bestimmt nicht. Ich wäre vielleicht dahin gekommen, wo die Schuhe bezahlt werden und die Taschen. Was wäre das? Oberliga wahrscheinlich.

RD: Haben Sie einen Weltmeistertipp?
Bobo: Deutschland. Die sind bereit. Die haben so eine brutale Qualifikation gespielt.

 


 

RD Abbinder
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