Filmstar Jodie Foster über Disziplin, Mutterglück und Erfahrungen, die wirklich zählen
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Filmstar Jodie Foster über Disziplin, Mutterglück und Erfahrungen, die wirklich zählen

Filme wie "Taxi Driver" oder "Das Schweigen der Lämmer" machten Jodie Foster als Schauspielerin zum Star. Heute führt die 58-Jährige lieber Regie und widmet sich ihrer Familie. Tritt sie doch einmal vor die Kamera, landet sie einen Volltreffer – so wie mit ihrer Rolle im Politdrama "Der Mauretanier" (ab 24.6. im Kino), für die sie einen Golden Globe Award erhielt.

Ausgabe: Juli 2021 Autor: Rüdiger Sturm

Reader's Digest: Sie meinten unlängst, dass Sie die Schauspielerei eigentlich aufgeben möchten. Nun sind Sie wieder im Kino zu sehen.
Jodie Foster: Ich wollte niemals bewusst Schauspielerin werden. Schon als Dreijährige trat ich in Werbefilmen auf, und ich machte einfach weiter. Ich hatte nie die Gelegenheit herauszufinden, was ich wirklich wollte.

Bedeutet das, Sie leiden unter Ihrem Beruf?
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin für die Erfahrungen unglaublich dankbar. Aber mir fällt dieser Job so viel schwerer als meinen Kollegen, die an die Sache eher instinktiv herangehen. Denn ich analysiere Drehbücher so, als wäre ich eine Literaturkritikerin. Und erst dann überlege ich mir, was ich dazu empfinden soll. Ich muss also mein rationales Denken und meine Gefühle zusammenbringen. Gleichzeitig möchte ich auf keinen Fall versagen. Das wäre furchtbar für mich.

Viele Ihrer Filme greifen soziale Konflikte oder gesellschaftliche Missstände auf.
Es geht immer wieder um die Frage: Wie tun wir das Richtige? Ich möchte durch meine Rollen ein besserer Mensch werden und hoffe, dass meine Filme dieselbe Wirkung auf die Zuschauer haben.

Sie haben Ihre Karriere phasen-weise für Ihre Kinder zurückgestellt. Haben Sie das je bereut?
Nie. Ich bin auf nichts mehr stolz als auf meine Kinder. Deshalb ist für mich meine Karriere nicht mehr so entscheidend. Das Muttersein passt zu meiner Person viel besser als die Schauspielerei.  

Hätten Sie es begrüßt, wenn Ihre beiden Söhne Kinderdarsteller geworden wären?
Sicher nicht. Wobei mich das nicht zugrunde gerichtet hat. Aber ich musste mit den hohen Erwartungen meiner Mutter zurechtkommen und habe sehr früh Disziplin gelernt. Bei meinen Söhnen habe ich versucht, nicht ganz so hart zu sein. Sie sollten freier als ich aufwachsen.

Das klingt, als hätten Sie Ihr Leben perfekt unter Kontrolle.
Dieser Eindruck trügt. Ich treffe auch schlechte Entscheidungen, die ich später bereue. Und dann liege ich im Bett und denke mir: „Was für ein Scheißtag.“

Aber dann gewinnen Sie einen Filmpreis wie den Oscar und diese schlechten Gefühle verfliegen?
Die Oscars machen nur richtig Spaß, wenn du mit einem ganzen Filmteam da bist. Als ich meinen ersten für Angeklagt erhielt, war ich als Einzige nominiert. Ich fühlte mich allein, wie eine Außenseiterin. Bei "Das Schweigen der Lämmer war" das zum Glück anders. Aber ganz ehrlich: Ein Oscar ist nicht wirklich bedeutend. Nicht im Vergleich zu den großartigen Erlebnissen, die ich mit meinen Kindern hatte. Oder wenn ich den Tod geliebter Menschen miterlebte. Das Absurde ist: Ein Preis bleibt bestehen. Für die eigentlich wichtigen Erfahrungen gibt es keinen Beweis. Sie sind wie Staubkörner im Wind.


Jodie Foster
wurde am 19. November 1962 in Los Angeles, USA, geboren. Ihre Rolle in Taxi Driver machte sie als 13-Jährige weltberühmt. In den1980er-Jahren absolvierte Foster ein Studium und schaffte zugleich den Übergang zum Erwachsenenstar. Als Vergewaltigungsopfer in Angeklagt gewann sie 1989 ihren ersten Oscar, den zweiten 1992 für Das Schweigen der Lämmer. Seit 1991 ist Foster auch als Regisseurin tätig. Ihre beiden Söhne brachte sie 1998 und 2001 zur Welt. Seit 2014 ist die Schauspielerin mit ihrer Kollegin Alexandra Hedison verheiratet.


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RD Abbinder
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