Richtig kleiden auf Geschäftsreisen: Das gehört in den Koffer
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aktuellen
Ausgabe

Praktische Tipps

Richtig kleiden auf Geschäftsreisen: Das gehört in den Koffer

Dienstlicher Dresscode und legere Lagen

Autor: Leah Jager

Über Deutschland rollt eine Hitzewelle. Zwischen 30 und 37 Grad zeigt das Thermometer zur Mittagspause – und in den Büros wird kollektiv geschwitzt. Die Frage nach dem korrekten Dresscode scheint lange beantwortet, so sind Kleider und Röcke, die bis zur Oberschenkelmitte reichen durchaus in Ordnung, während Shorts und Cargo Hosen bei Männern gar nicht gehen. Ob das gerecht ist oder nicht sei dahingestellt – dennoch steht fest, dass die Kleiderfrage für den Alltag prinzipiell geklärt ist. Aber wie ist es nun, wenn man(n) sich auf Geschäftsreise begibt und in lockerer Atmosphäre mit Geschäftspartnern neben Terminen auch das eine oder andere Abendessen einnimmt und gar Momente erlebt, in die sich ein Freizeit-Gefühl einschleicht? Die Antwort: Es kommt darauf an – doch diese essentiellen Dinge sollten durchaus in den Koffer.

Der Anzug

Wer dienstlich reist, der hat nicht irgendeine Aufgabe – er ist im Zweifelsfall in einer Position, in der es Verhandlungen zu führen, Pitches abzuliefern oder Fachkompetenz auszutauschen gilt. Auf Konferenzen oder firmenübergreifenden Meetings wird aber nicht nur erledigt, was eigentlich auf der Agenda steht – gleichzeitig wird auch die Firma nach außen vertreten und eine repräsentative Rolle übernommen. Das heißt: Der Anzug gehört zu allen offiziellen Terminen zwingend dazu, es sei denn es wird beim ersten Treffen festgestellt, dass der Dresscode ein ganz anderer ist. Dabei ist immer im Hinterkopf zu halten, dass overdressed quasi immer in Ordnung ist, wäre umgekehrt underdressed sein, schlichtweg unangenehm für alle Beteiligten ist.

Dunkelblau, Schwarz und Grau sind dabei nach wie vor die anerkannten Farben, wichtig ist jedoch auch der richtige Sitz der Kleidung. Die aktuellen Schnitte sind dabei deutlich körpernäher als noch vor zehn Jahren und der Trend geht definitiv zu den lockereren Farben grau und schwarz. Übrigens: Ist der Anzug ordentlich zusammengelegt in der oberen Etage des Koffers, bzw. des Weekenders untergebracht und wird nach der Ankunft direkt aufgehängt, übersteht er die Reise meist nahezu knitterfrei. Wenn es sich tatsächlich nur um ein Wochenende handelt, reicht in der Regel ein Anzug im Koffer und einer am Körper. Klassische Naturstoffe wie Merinowolle sind dabei am wenigsten anfällig für Knitterfalten und fühlen sich auch auf längeren Anreisen gut am Körper an.

Die Hemden

Während ein oder zwei Anzüge ausreichen, sollten es mehr Hemden im Koffer sein, die für Abwechslung sorgen. Klassiker sind nach wie vor Weiß und Hellblau, gut kommt es auch, wenn sie einen Kontrast zum Anzug bilden. Werden die Stücke untereinander richtig kombiniert, können so selbst bei minimalem Kofferinhalt verschiedene Outfits kreiert werden, die zu jeder Gelegenheit gut aussehen lassen. Es ist angenehm, wenn sich nach einem Tag im Büro noch etwas zum Umziehen für den Abend finden lässt, vorausgesetzt das Abendessen findet mit Kollegen statt. Für alleinige Restaurantbesuche können sonst natürlich auch die eigenen, legeren Klamotten zum Einsatz kommen.

Ebenso für die Hemden gilt dann: Ganz oben im Koffer lagern. Sie sind meist ähnlich knitteranfällig wie Anzüge und sind daher schwierig zu transportieren. Ordentlich zusammengelegt ist die Gefahr von Falten geringer, noch minimiert wird sie durch Seidenpapier. Für den „Notfall“ lohnt es sich übrigens, ein Glätteisen im Koffer zu haben mit dem fix der Kragen gebügelt werden kann. Auch andere Falten lassen sich so recht unkompliziert ausstreichen.

Romantisches Abendessen am tropischen Strand

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Die Krawatte

Hier ist ganz klar die Frage zu stellen: Wird die Krawatte wirklich benötigt? Diese erlebt nach und nach einen Abschied aus der Business-Welt und selbst Manager lassen sie immer häufiger weg. Stattdessen lebt das Einstecktuch auf, die Formalität hat sich allerdings deutlich gelockert in den letzten Jahren. Anzug ohne Krawatte ist dabei durchaus in Ordnung, auch wenn manche Stilexperten dafür plädieren, stattdessen auf Hose und ein farblich abgesetztes Sakko zu setzen. Das ist in diesem Fall gewissermaßen eine Glaubensfrage – und eine der Position, so wie der drum herum herrschenden Konventionen.

Kommt die Krawatte in den Koffer, ist natürlich auf Kombinationstauglichkeit zu achten, sowie darauf, dass sie flach im Koffer liegt. Das geht beispielsweise ganz unten, oder wie auch Anzug und Hemden, ganz obenauf. Und: Kurzärmelige Hemden passen nicht zum Businesslook – auch nicht im Sommer.

Die Privatkleidung

Sicherlich gibt es selbst auf einer Geschäftsreise Momente, die der Reisende für sich alleine hat, in denen er sich vielleicht an den nahegelegenen See legt oder aber einen lockeren Stadtbummel übernimmt. Auch dafür dürfen die entsprechenden Kleidungsstücke im Koffer landen, zumal außer Barney Stinson aus der Serie How I Met Your Mother vermutlich niemand gerne dauerhaft im Anzug umherläuft. Dementsprechend darf auch legere Sommerkleidung im Koffer landen. Wer auch hier trendbewusst ist, der kann sich an schlichte Stücke halten, die sich ebenfalls gut miteinander kombinieren lassen. Eine Shorts passt zum Beispiel prima zu simplen Shirts und die Sonnenbrille dazu lässt sich im besten Fall auch noch zum Business-Outfit kombinieren, was im Prinzip immer dann der Fall ist, wenn es sich nicht um schrille bunte Modelle handelt.

Die Privatkleidung findet übrigens in der mittleren Etage der Tasche Platz. Gerollt und gestapelt bietet sie dort die Basis für alles Empfindliche Obenauf. Schuhe sollten – genau wie Businessschuhe – mit Socken ausgestopft und in einzelnen Plastiktüten am Rand des Koffers bzw. der Tasche Platz finden, Gürtel kommen zusammengerollt und aufrecht stehend an die Seite.

Wann ist was angemessen?

Wie bereits anklang sind alle geschäftlichen Termine auch mit dienstlicher Kleidung zu bestreiten. In den meisten Fällen sind das Anzug, Gürtel und die passenden Schuhe, ein farblich abgesetztes Hemd und die Krawatte. Im entsprechenden Umfeld kann natürlich das Sakko abgelegt werden, was die meisten Gastgeber gerade bei den aktuell sehr hohen Temperaturen dann wohl von sich aus anbieten werden – es sei denn der Gast ist derjenige, der in der Firmenhierarchie über ihm steht. Geht es dann gemeinsam essen oder auch zu einer Stadtführung, ist stets im Hinterkopf zu halten, dass es unterschwellig immer noch um die Geschäftsbeziehung geht. Underdressed sein ist auch hier immer unangenehm, während eine ein klein bisschen bessere Kleidung als das Gegenüber immer ein gutes Gefühl mit sich bringt.

Bricht der Reisende zu einem privaten Stadtbummel auf, ist legere Kleidung völlig legitim, so lange damit nicht „noch schnell mal eben“ etwas Geschäftliches erledigt wird. Was zu Hause unter bekannten Gesichtern vielleicht in Ordnung ist, könnte bei unbekannten Kollegen vielleicht komisch rüber kommen – ein Umstand der vermieden werden sollte.

Kalter Orangen Cocktail in einer Bar bei Sonnenuntergang

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Zum ordentlichen Look passen auch immer saubere, wohlgepflegte Schuhe. Gerade auf Reisen sind Loafers angenehme Begleiter, auch wenn sie nicht jedermanns Sache sind. Die legere Variante – Segelschuhe – stehen jedoch jedem Mann gut und sind im Sommer durchaus angemessene Freizeitkleidung.

Gepflegt sein, pünktlich sein – all das sind natürlich ebenfalls Punkte, die auf einer Geschäftsreise dazu gehören und schlichtweg zur Dienstlichkeit gehören. Die Vorgaben der Geschäftsleitung sollten auch abseits der eigentlichen Firmenniederlassung nicht über Bord geworfen werden, da gerade in Abwesenheit noch einmal mehr das Auge auf dem Mitarbeiter liegt. Das erhöht sich noch einmal, wenn es ins Ausland geht. In andere Niederlassungen zu fliegen und weltweit zu korrespondieren ist schließlich keine unwichtige Aufgabe. Wichtig: Vor der Reise Informationen zu den unterschiedlichen Verhaltensweisen im Ausland einholen. Das privat bekannte kann im Business-Umfeld noch einmal ganz anders aussehen und sollte entsprechend berücksichtigt werden. Nur so kann dafür gesorgt werden, sich wirklich in die Gruppe einzufinden und nicht als der Besucher herauszustechen – sowohl optisch, als auch von der Verhaltensweise her, die gerade im fernen Osten häufig sehr anders sind, als hier gewohnt.

Mit dem richtigen Dresscode und dem entsprechenden Verhalten steigen das Ansehen und auch die eigene Erfahrung. Das Auftreten vor Dritten beeinflusst dabei durchaus die Karriere in der Heimniederlassung – das sollte dem Geschäftsreisenden stets bewusst sein, der seinen Auftrag so sicherlich zur vollen Zufriedenheit ausführen möchte.


 

RD Abbinder
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