Blick auf den Karstsee Blautopf bei Blaubeuren.
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Blaues Wunder: Der Blautopf bei Blaubeuren

Seine intensiv blaue Farbe hat den 21 m tiefen Blautopf am Ostrand der schwäbischen Alb berühmt gemacht.

Autor: Dorothee Fauth
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Wie ein magisches Auge leuchtet er aus den Tiefen des Erdreichs – so intensiv blau und blaugrün wie nur wenige Gewässer. Das hat den Blautopf bei Blaubeuren am Ostrand der Schwäbischen Alb berühmt gemacht. Die Färbung stammt nicht von einem täglichen Fass voller Tinte, wie man früher dachte, sondern ist physikalisch erklärbar: Kann Licht tief in klares Wasser vordringen, werden nach und nach alle Farben absorbiert – bis auf Blau. Vor allem nach längerer Regenpause entfaltet der 21 Meter tiefe Karstsee seine überirdische Leuchtkraft. Keine Überraschung also, dass dieser Ort ganz wundersame Geschichten hervorbrachte. Im Volksglauben galt der Blautopf als bodenlos, und alle Versuche, seine Tiefe zu ergründen, scheiterten, weil eine Nixe jedes Mal das Bleilot stahl. Der schwäbische Dichter Eduard Mörike schenkte dem „runden Kessel“ die schönste Legende: die Geschichte von der Schönen Lau. Die Halbnixe „mit langen fließenden Haaren“ aus dem Schwarzen Meer war von ihrem Gemahl in den Blautopf verbannt worden, weil sie schwermütig war und nur tote Kinder gebar. Erst nachdem sie fünfmal gelacht hatte, durfte sie zurückkehren – ein Märchen, das mit Hilfe von menschlichem Witz ein glückliches Ende nimmt.

Obwohl manch einer die Nixe noch am Grund des Quelltrichters zu erblicken glaubt: Die schöne Lau hat der Schwäbischen Alb den Rücken gekehrt. Jenem Karstgebirge, dessen Gestein so durchlässig ist, dass Regenfälle sofort tief in den Untergrund versickern und dort Schächte und Höhlen graben. Es war im Jahr 1681, als der Laichinger Pfarrer Johann Mayer Folgendes dokumentierte: Man hatte auf der Albhochfläche bei Regen Sägemehl in einen Erdschlund geworfen, wenige Tage später kam es im Blautopf wieder zum Vorschein. Heute ist dieses Phänomen über beachtliche Strecken vermessen und kartografiert: Der Blautopf entwässert ein weitverzweigtes Höhlensystem. Am Grund der Karstquelle drängt das versickerte Wasser wieder an die Oberfläche. Erst 1957 gelang es zwei Tauchern, in die Blautopfhöhle vorzudringen, ein riskantes Unterfangen. Nur wenige haben diese Unterwelt von über elf Kilometern Länge je betreten. Tauchgänge wechseln mit riesigen Hallen, die Wolkenschloss, Mörikedom und Apokalypse heißen – eine unberührte Wildnis mit meterhohen Sintersäulen, Kristallen und fein ziselierten Tropfsteinen, die Formen und Figuren bilden in Weiß und Schwarz und der Farbe von Eidotter. 2008 haben die Höhlenforscher den „stairway to heaven“ entdeckt, einen Gang, der vom Mörikedom nach oben führt und direkt unter der Bundesstraße 28 endet. Wer die Höhlenforscher auf ihrer Expedition begleiten möchte, kann dies in Filmvorführungen im Blautopfhaus tun. Abstecher in die historische Hammerschmiede sowie ins Kloster Blaubeuren runden den Besuch ab. Die Wasser des Blautopfs machen sich unterdessen davon und verschwinden – glasklar und fern jeder Magie – in Ulm in den Fluten der Donau.

 


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