Das Prado-Museum in Madrid
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Museo del Prado in Madrid: 11 überraschende Fakten

Vor 200 Jahren öffnete das spanische Nationalmuseum seine Pforten. Ein Streifzug durch Geschichte und Gegenwart.

Ausgabe: November 2019 Autor: Natalia Alonso
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Werke von mehr als 5000 Künstlern
Im Prado-Nationalmuseum können Besucher die Werke von mehr als 5000 Künstlern bewundern. Allein die Sammlung der Gemälde, Zeichnungen und Drucke von Francisco de Goya umfasst mehr als 1200 Kunstwerke. Peter Paul Rubens ist mit 96 Werken vertreten, Diego Velázquez mit 55, Tizian mit 43.

 

Einmal pro Woche geöffnet
Am 19. November 1819 öffnete das Königliche Museum für Malerei und Bildhauerei seine Pforten. Untergebracht war es in einem 1785 erbauten Gebäude, das zugleich die Akademie der Wissenschaften beherbergte. 311 Gemälde spanischer Künstler waren zu sehen. Das Publikum musste allerdings ohne die heute üblichen Erklärungen zu den einzelnen Werken auskommen. Die Bilder waren nur mit einer Nummer und dem Namen des Malers versehen. Geöffnet war das Museums lediglich an einem Tag in der Woche, Besucher wurden nur auf Empfehlung eines Mitglieds des königlichen Hofes eingelassen.

 

Der Saal der Anstößigkeit
In den Anfangsjahren des Prado erregten „unanständige“ Bilder das Missfallen von Ferdinand VII. Die Kritik des spanischen Königs galt jedoch nicht den Werken an sich, hatte Aktmalerei doch eine lange Tradition in der Aristokratie. Vielmehr war Ferdinand der Meinung, die Öffentlichkeit solle solche Bilder nicht sehen. Sie hingen fortan in einem eigenen Raum. Wer ihn betreten wollte, benötigte eine spezielle Genehmigung.

 

Königlicher Ruheraum
1828 entstanden Räumlichkeiten, in denen die königliche Familie sich ungestört dem Genuss ausgewählter Kunstwerke hingeben konnte.   Ein kleines Zimmer nebenan war der persönlichen Hygiene gewidmet. Dort befand sich das 1830 für Ferdinand VII. angefertigte Klosett aus Kiefernholz mit Mahagoni- und Rosenholz-Intarsien. Geschaffen hat es Ángel Maeso. Aktuell sind in Raum 39 des Villanueva-Flügels die damals im königlichen Ruheraum ausgestellten Bilder nebst einer Sammlung von Bettgeschirr für Damen und Herren sowie der royale Lokus zu sehen.

 

Im Zentrum früher „fake news“
„Die Katastrophe der vergangenen Nacht. Spanien trägt Trauer. Brand im Gemäldemuseum“ lautete 1891 eine Schlagzeile in der Zeitung El Liberal. Es war die Rede von einem Feuer, welches das Dach und Teile der Gebäudeflügel des Prado beschädigt habe. Die Nachricht vom Brand machte in Madrid schnell die Runde, viele Bürger eilten zum Ort des angeblichen Unglücks. Sie fanden das Museum unversehrt vor. Mit seinem frei erfundenen Bericht wollte der Journalist Mariano de Cavia auf den damals beklagenswerten Zustand des Museums hinweisen.

 

Die Bedeutung der Las Meninas
Einer der kostbarsten Schätze des Museums ist Velázquez’ Meisterwerk Las Meninas (Die Hoffräulein). Dieses Gemälde hat zahlreiche Künstler inspiriert. So auch Pablo Picasso, der eine Serie von 56 Arbeiten schuf, die Velázquez’ Barockgemälde analysieren und interpretieren. Andere Künstler, wie Richard Hamilton, bezogen sich in ihren Arbeiten wieder­um auf Picassos Interpretation.

 

Exil in Genf
Während des spanischen Bürgerkriegs schickte man die bedeutendsten Werke des Prado-Museums ins Exil, um sie dort sicher zu lagern. Es begann eine Odyssee durch ein zerstörtes Land, die über Valencia bis nach Genf führte. Dort fand 1939 eine Ausstellung mit Kunstwerken aus dem Prado statt. 1938 beschloss die republikanische Regierung, die teuersten Stücke nach Katalonien bringen zu lassen. Einige lagerten zeitweise in der Talkum-Mine von La Vajol, bevor sie nach Genf gelangten.

 

Guernica kehrt heim
Am 10. September 1981 traf Pablo Picassos Meisterwerk Guernica in Spanien ein. Zuvor war es 44 Jahre lang im Museum of Modern Art in New York zu sehen gewesen. Denn Picasso hatte beschlossen, dass das Gemälde nicht in Spanien gezeigt werden sollte, solange Diktator Franco an der Macht war. Von 1981–1992 hing Guernica dann im CasÓn des Buen-Retiros-Flügels des Prado. Heute können Besucher es im Nationalen Kunstzentrum Reina SofÍa bewundern.

 

Groß & klein
Das kleinste Gemälde im Prado ist ein Porträt von Carlos Ortiz de Taranco und misst gerade einmal 11 auf 8,5 Zentimeter. Gemalt hat es Federico de Madrazo y Kuntz. Das größte Werk trägt den Titel La visión del Coloseo. El último mártir und stammt von José Benlliure y Gil. Das Gemälde aus dem Jahr 1885 ist beeindruckende 7,28 Meter breit und 5,61 Meter hoch.

 

Der Bunker
Im Keller des Museums befindet sich ein speziell gesicherter Raum, auch als „der Bunker“ bekannt. Er ist mit Geräten zur industriellen Radiografie und Infrarotreflektografie ausgestattet, gespendet vom Verein Amerikanische Freunde des Prado. Mit der Infrarotreflektografie lassen sich Skizzen des Künstlers unter der eigentlichen Malerei sichtbar machen, und sie erlaubt es den Konservatoren, den Zustand eines Bildes besser einzuschätzen.

 

Lizenz zum Malen
Derzeit wird pro Jahr durchschnittlich 50 Künstlern das Recht eingeräumt, in den Räumen des Prado zu malen. 75 Prozent von ihnen stammen aus Spanien, die restlichen 25 Prozent kommen aus den USA, China, Japan, Chile oder Kanada. 2017 entstanden so mehr als 45 neue Kopien alter und moderner Meister.


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