Passau im Sonnenuntergang: Die Stadt spiegelt sich im Wasser der Donau.
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Passau und Regensburg: Zwei Schönheiten

Am westlichen Rand des Bayerischen Walds liegen die Städte Passau und Regensburg.

Ausgabe: daheim Autor: Julius Schophoff
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Für Reisende sind Passau und Regensburg die Tore zum Bayerischen Wald. Wer von Norden kommt, wird zuerst die größere der beiden Städte erreichen: Regensburg. Doch wo fängt man an, wenn man die vielleicht schönste Stadt Bayerns begreifen will? Am besten bei Balu. Balu ist Steinmetz am Regensburger Dom. Eigentlich heißt er Christian Pilz, aber weil er so groß und gutmütig ist und eine tiefe, brummende Stimme hat, nennen ihn alle nur Balu, nach dem Bären aus dem „Dschungelbuch“. Jeden Tag zur Brotzeit macht er es sich mit einer Wurstsemmel auf einem der Doppeltürme gemütlich und blickt über die Kirchen und Wohntürme, die Ziegeldächer, Dachterrassen und die Donau hinweg bis weit in die Ferne, wo die Stadt in den Wellen des Bayerischen Walds vergeht. Balu hat nie woanders gearbeitet, und er wüsste nicht, warum sich das jemals ändern sollte.

Vom Platz des Steinmetz‘, 75 Meter über dem Kopfsteinpflaster, sieht man Hunderte Besuchern durch die Gassen der 145.000-Einwohner-Stadt wuseln. Sie drängen in den Dom, um die bunten Bleiglasfenster und den silbernen Hochaltar zu bewundern. Sie schieben sich über die Steinerne Brücke, unter deren Pfeilern die Donau wirbelt. Mit einem mächtigen Buckel krümmt sich die älteste erhaltene Brücke Deutschlands über den Fluss zum Inselstadtteil Stadtamhof. Die gesamte Regensburger Altstadt ist eine Attraktion und als besterhaltene Mittelaltergroßstadt Deutschlands seit 2006 Unesco-Welterbe. Von oben sieht sie aus wie mit Türmen gespickt: 46 Kirchen stehen allein in der Altstadt, dazu 20 Wohntürme einst wohlhabender Kaufleute. Ist man vom Dom wieder herabgestiegen, kann man sich stundenlang durch die verwinkelten Gassen treiben lassen, vorbei an gebeugten Häuserfassaden, manche ausgewölbt wie runde Bäuche, aber allesamt prächtig herausgeputzt.

 

Drei Flüsse, drei Farben: Passau an Donau, Inn und Ilz

In Passau, gute 100 Kilometer südöstlich, meint man, auf einer Insel gelandet zu sein: Die Altstadt ist auf drei Seiten von Wasser umgeben. Im Osten treffen ihre Promenadenwege an einer kleinen Landspitze zusammen, an der drei Flüsse ineinanderfließen. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Farben kann man sie ganz leicht auseinanderhalten: die blaue Donau, der hellgrüne Inn, gefärbt durch die Sedimente der Alpen, und die braune, fast schwarze Ilz, die in einem Moorgebiet entspringt. Dass die Lage der Drei-Flüsse-Stadt Fluch und Segen zugleich ist, zeigt sich am Alten Rathaus, wo heute die Tourist-Information untergebracht ist. An der Fassade sind Pegelstände eingezeichnet. Der oberste, auf Höhe des zweiten Stocks, datiert vom 15. August 1501; der zweithöchste, nur wenige Zentimeter darunter, stammt vom 3. Juni 2013. Kein Passauer wird diese Tage vergessen, in denen es nonstop regnete und das Wasser einfach nicht aufhören wollte zu steigen. Fast die gesamte Altstadt wurde geflutet: die kopfsteingepflasterte Künstlergasse mit den vielen kleinen Ateliers und Galerien; das Scharfrichterhaus - eine Kabarettbühne; das Glasmuseum mit einer der größten und beeindruckendsten Glassammlungen der Welt. Auch viele Kirchen und das Kloster Niedernburg blieben nicht verschont. Der hochgelegene Dom St. Stephan jedoch blieb trocken.

 

17.974 Pfeifen, eine Wucht: die Passauer Domorgel

Der Dom in Passau ist ganz anders als der in Regensburg: keine sandsteingraue Gotik, sondern strahlend weißer Barock. Nicht hoch und spitz, sondern breit und voluminös. Er scheint eine Nummer zu groß für diese Stadt mit ihren 50.000 Einwohnern zu sein. Ein Zeichen vergangenen Ruhms: Das Bistum Passau erstreckte sich einst über Wien bis in den Westen Ungarns und war fast ein Jahrtausend lang das größte im deutschen Raum. Das Herz des Doms ist seine Orgel mit ihren 17.974 Pfeifen. „Hier kann man alles spielen, von der leisesten Engelsstimme bis zum lautesten Donnergrollen“, sagt Organist und Dommusikassistent Bastian Fuchs über die größte Domorgel der Welt. Er schlägt den hellsten Ton an: ein Fiepsen aus einer 5,5 Millimeter kleinen Pfeife, ein Geräusch an der Grenze der Wahrnehmbarkeit. Und dann den tiefsten Ton: ein Grummeln aus einem 10,09 Meter hohen Klangkoloss. Die Schwingungen hallen aus dem Kirchenschiff zurück, die Vibrationen massieren die Eingeweide. „Hier spielt nicht nur die Orgel, sondern der ganze Dom“, sagt Fuchs. Es ist ein mystischer Ton, ein unheimliches Brummen. Noch tiefer als der Bass von Balu, dem Regensburger Steinmetz-Bären.


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