Ausgeglichen und stark: Der Labrador
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Ausgeglichen und stark: Der Labrador

Labrador-Retriever sind ruhige, friedliche und zugleich kräftige Hunde. Sie bewähren sich als Begleiter für die Familie und sind gerade Kindern gegenüber aufgeschlossen. Eine zielstrebige Ausbildung bringt ihre besten Charaktermerkmale zur Geltung.

Autor: Julius Heutsch

Das typische Bild des Labradors

Bei dem Labrador fallen die kräftige Statur und der relativ breite Kopf ins Auge. Charakteristisch für diese Hunderasse ist die sogenannte Otterrute: Diese ist direkt am Ansatz dick und wird dann zur Spitze der Rute immer dünner. Die gesamte Rute wird von einem dichten, kurzen Fell gekennzeichnet. Auch sonst ist das Fell des Labradors relativ dicht und kurz, ohne Wellen und mit fester Unterwolle. Die ausgewachsenen Rüden haben eine durchschnittliche Schulterhöhe von 56 bis 57 cm, die Hündinnen sind etwa 54 bis 56 cm hoch.

Es gibt drei Hauptfarben bei den Labrador-Züchtungen: schwarz, braun und hellgelb. Manchmal sind alle diese Farben in einem einzigen Wurf zu finden. Neben der Hauptrasse gibt es Züchtungen wie den Field-Trial-Labrador, der speziell für bestimmte Aufgaben geeignet ist. Diese Rasse ist etwas leichter und hat einen weniger breiten Kopf sowie einen kleineren Stop. Der Rücken ist insgesamt etwas länger und die Brust weniger tief.

Gerade Welpen und Junghunde sollten nach Möglichkeit keine Treppenstufen überwinden müssen. Wenn der Labrador jedoch etwas größer ist, dann ist eine Treppe hingegen kein allzu großes Hindernis mehr. Die Knochen müssen erst etwas stabiler sein, um solche Belastungen auszuhalten.

Die Wesenszüge beim Labrador

Kind mit Hund am See

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Mit seinen Charakterzügen eignet sich der Labrador hervorragend als Familienmitglied, gerade für die Kleinen.

Mit seinem friedlichen Wesen ist der Labrador ein ähnlich zuverlässiger Familienhund wie der Hovawart. Er erweist sich als aktiv und möchte den Menschen gefallen. Vor allem zu Kindern verhält sich der Labrador sehr freundlich. Der Schutzinstinkt ist allerdings nicht so ausgeprägt wie beim Hovawart, sodass man den Labrador nicht unbedingt als Wachhund einsetzen sollte. Er lässt sich zwar gezielt erziehen, hat aber nicht die nötige Schärfe, um Wache zu halten und die Familie vor fremden Angriffen zu schützen. Ob es sich um einen reinrassigen Labrador handelt oder um einen Field-Trial-Labrador - diese Hunde zeichnen sich durch ihre Lernfreude aus und sind gerne aktiv. Daher werden sie auch für verschiedene Ausbildungen eingesetzt. Mit ihrer Sensibilität scheinen die Labradore auch diejenigen Wünsche zu spüren, die von ihren Bezugspersonen nicht ausgesprochen werden.

Prädestiniert für eine gute Ausbildung

Ein Labrador ist körperlich kräftig und zugleich sehr umgänglich. Mit der richtigen Ausbildung reift er zu einem verantwortungsvollen und belastbaren Freund heran. Ein strikter Drill ist nicht nötig, um ihn zu trainieren. Bei den Übungen erweisen sich die Labradore als sehr aufmerksam und möchten offensichtlich alles tun, um ihren Besitzer zufriedenzustellen. Das bedeutet jedoch nicht, dass man die Erziehung schleifen lassen darf. Nur mit der konsequenten Ausbildung lernt der Vierbeiner, auf Kommandos zu hören. Dabei kann es darum gehen, bestimmte Unarten wie das Zerkauen von Schuhen oder das ständige Bellen abzutrainieren, oder den Befehlen zu folgen.

Je jünger die Hunde bei dem ersten Besuch der Hunde- oder Welpenschule sind, umso besser kommen sie mit der Ausbildung klar. Anfangs erhalten sie eine Art Einführung in das richtige Verhalten anderen Tieren, vertrauten Personen und fremden Menschen gegenüber. Frühestens ab dem dritten und spätestens ab dem sechsten Monat beginnt dann die Hundeschule. Hier lernen die Labradore die wichtigen Befehle und die Menschen erfahren mehr über die Kontrollmöglichkeiten ihres Hundes.

Der Besuch einer Hundeschule ist nicht unbedingt nötig, aber empfehlenswert. Wer alleine einen Labrador erziehen möchte, sollte sich genau über die richtige Vorgehensweise informieren. Außerdem gibt es die Option, einen privaten Hundetrainer zu engagieren.

Wie Labradors trainiert werden

Hund in der Küche mit Unordnung

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Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte von Beginn an der der Fokus auf der Erziehung liegen.

Bei der Erziehung fällt auf, dass die meisten Tiere besser lernen, wenn sie für richtiges Verhalten gelobt werden. Das verstehen sie offensichtlich besser, als wenn eine Strafe auf ihr falsches Verhalten folgt. In der ersten Zeit funktioniert die Methode mit den Belohnungen besonders gut mit Leckereien für den Vierbeiner. Natürlich kann man seinen Labrador auch mit einer Streicheleinheit belohnen. Auf jeden Fall muss das Lob direkt auf die Aktion des Hundes folgen, denn sonst weiß der Vierbeiner nicht, womit er es verdient hat. Außerdem sollte man vermeiden, dass ein Trost nach falschen Aktionen mit Lob verwechselt wird. Nur mit der richtigen Konsequenz lässt sich verhindern, dass der Hund wiederholt Unarten zeigt.

Wenn eine Strafe nötig ist, sollte der Hundehalter auf keinen Fall sein Tier schlagen. Selbst ein Klaps ist als Strafe ungeeignet. Weitaus sinnvoller ist die strenge Stimme. Anschreien hilft dabei jedoch nicht: Ein energischer Zuruf oder ein deutliches "Nein" reichen im Allgemeinen aus, um den Labrador von einem bestimmten Fehlverhalten abzubringen.

Mit seiner Friedfertigkeit eignet sich der Labrador besonders für Ausbildungen. Unter anderem kann er zum Therapiehund oder zu einem Familienbegleithund ausgebildet werden.

Die Geschichte der Labrador-Rasse

Die Ursprünge der Labradore liegen nicht, wie oft vermutet wird, auf der kanadischen Labrador-Halbinsel, sondern auf Neufundland. Heute geht man davon aus, dass der St.-John's-Hund der Vorfahr der heutigen Labradore ist. Im späten 19. Jahrhundert wurden in Großbritannien erstmals gezielte Versuche gemacht, Nachkommen von dieser Hunderasse zu züchten. Noch vor der Jahrhundertwende soll in einem Wurf ein gelber Welpe zwischen ansonsten schwarzen Welpen aufgetaucht sein. Das war damals noch sehr untypisch, darum tötete man anfangs die gelben Welpen. Erst später interessierten sich immer mehr Hundehalter für die gelben und braunen Labradore, die immer häufiger geboren wurden.

Der erste Labradorwurf in Deutschland wurde im Jahr 1966 verzeichnet. Es handelt sich also um eine noch relativ junge Hunderasse.

Die Gesundheit des Labradors – Der DRC und die Zuchtziele

Das vorrangige Zuchtziel ist - laut DRC - einen möglichst gesunden und leistungsfähigen Hund zu präsentieren. Die Stärke zeigt sich nicht nur im Körperbau, sondern auch im sicheren Wesen. So entspricht der Labrador dem geltenden FCI-Standard. Wenn erbliche Erkrankungen oder Defekte auftreten, werden diese sofort erfasst und gezielt bekämpft.

Grundsätzlich handelt es sich bei dem Labrador um einen gesunden Haushund, doch eventuelle Erbkrankheiten lassen sich wie auch bei anderen Hunderassen nicht komplett ausschließen. Unter anderem kann es zu Problemen im Bewegungsapparat kommen, beispielsweise zur befürchteten Hüftgelenksdysplasie oder zur Osteochondrosis. Weitere mögliche Erkrankungen sind die Augenkrankheit "Progressive Retinaatrophie" (PRA) und der "Hereditäre Catarakt" (HC).

Ob das Zuchtziel erreicht wird, lässt sich außerdem mit einem Wesenstest feststellen. Dieser Test nach dem sogenannten Schweizer Muster zeigt an, ob der Hund ein retriever typisches Wesen besitzt. Er wird frühestens bei einjährigen Hunden durchgeführt. Die Teilnahme an dem Test ist für Zuchttiere verpflichtend.

Auch eine jagdliche Prüfung beim DRC kann einen Hinweis auf die Leistungsbereitschaft und damit auf das typische Wesen des Labradors geben. Wenn es zu einer Paarung kommt, sollte wenigstens einer der Partner eine solche Prüfung ablegen.

Die Eignung

Hund im Wald

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Der Labrador ist für seine ruhige und freundliche Art bekannt, weshalb er bei der Ausbildung zum Jagdhund im Normalfall keine "harte Hand" benötigt.

Generell gilt der Labrador als Jagdhund. Vor allem in Großbritannien kommt er zum Einsatz, wenn das geschossene Flugwild geholt werden soll. In Deutschland sind seine Anwendungsgebiete breiter ausgelegt. Hier leistet er die Schweißarbeit, wenn die Totsuche auf Schalenwild beginnt oder er scheucht das Flugwild auf. Letztere Aufgabe, das Buschieren, wird in England hingegen vorwiegend von Spaniels ausgeführt.

Auf der Jagd zeigt der Labrador seinen guten Spürsinn, seine starke Kondition und seine Fähigkeit, auf die Befehle des Halters zu hören. Des Weiteren kann er seinen Apportiertrieb und seine Wasserfreudigkeit ausleben. Für diejenigen Labrador-Halter, die an Jagden interessiert sind, gibt es diverse jagdliche Prüfungen vom DRC.

Neben seinem Jagdinstinkt bringt der Labrador noch andere Fähigkeiten mit, die ihn für weitere Aufgaben qualifizieren. Unter anderem eignet er sich gut als Rettungshund und Blindenführhund. Auch die Polizei setzt gerne Labradore ein: Beim Zoll oder bei der Spurensuche ist die gute Nase eine hervorragende Hilfe.

Der Labrador als Familienhund

So lernfähig der Labrador auch ist, so gerne entspannt er sich im Kreis einer Familie. Allerdings sollte er genügend Beschäftigung haben, um seinen Bewegungsdrang zu stillen. Auf Apportierbefehle reagiert er schnell und zuverlässig, wenn er darin geschult wurde. Die Übungsplätze bieten den Hundebesitzern viele Trainingsmöglichkeiten, zudem kann man gewisse Dinge auch auf den täglichen Wegen üben.

Auf jeden Fall sollte der Labrador ausreichend Platz haben und nicht in einer engen Wohnung gehalten werden. Darum sollte man selbst aktiv sein, um auch etwas längere Spaziergänge mit ihm zu machen, unabhängig davon, wie das Wetter ist. Selbstverständlich braucht der Hund Zeit und Aufmerksamkeit, um sich in der Familie wohlzufühlen. Wenn er oft und lange alleine bleibt, gewöhnt er sich zwar mit der Zeit daran, doch die Beschäftigung mit "seiner Familie" ist ihm deutlich lieber. Wie viele andere mittelgroße Hunde hat er im Normalfall keine Probleme mit Autorität. Darum folgt er auch den Befehlen von verschiedenen Bezugspersonen und richtet sich nicht nur nach den Signalen von Herrchen oder Frauchen. Sein Drang, den vertrauten Menschen zu gefallen, ist so groß, dass er auch das Spielzeug für die Kinder apportiert oder andere Befehle freudig ausführt.


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