Bleibende Werte
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Bleibende Werte

Die Gründer von Reader’s Digest haben der Welt mehr als eine „kleine“ Zeitschrift hinterlassen.

Ausgabe: September 2018 Autor: Markus Ward

New York City, 2018: Wer von der belebten Fifth Avenue in die große Eingangshalle des New Yorker Metropolitan Museum of Art (Met) tritt, dem fällt zuerst das riesige Blumenbouquet ins Auge, das dort auf der Informationstheke steht. Außerdem schmücken weitere Blumenarrangements vier Nischen der neoklassizistischen Halle. Eine Gedenktafel weist darauf hin, dass es Lila Acheson Wallace war, die mittels einer großzügigen Spende 1970 dafür sorgte, dass sich die Museumsbesucher bis heute am Anblick frischer Blumen erfreuen können. Zuvor hatte sie sich auch um die Restaurierung der Halle gekümmert. Gemeinsam gründeten William Roy DeWitt Wallace und Lila Bell Acheson Wallace Reader’s Digest, eine der erfolgreichsten Zeitschriften in der Publizistik-Geschichte. Darüber hinaus unterstützten sie zahlreiche Projekte nicht nur in New York, sondern auch in anderen Teilen der Welt.

DeWitt Wallace erfindetet eine neue Art von Magazin

New York City, 1922: Notizen stapeln sich zwischen Zeitungen und Magazinen auf dem Tisch, an dem DeWitt Wallace bis spät in die Nacht konzentriert arbeitet. Der Zeitschriften-Lesesaal der Stadtbibliothek ist zu seinem Arbeitszimmer geworden. Er verfolgt eine Idee, die ihm seit langer Zeit im Kopf herumspukt – die Herausgabe eines Magazins, in dem die besten Artikel aus aller Welt versammelt sind (Reader’s Digest bedeutet „Auswahl für den Leser“). Während er sich um die redaktionelle Seite kümmert, steckt seine frisch angetraute Frau Lila, die als Sozialarbeiterin den Lebensunterhalt bestreiten hilft, nach Feierabend die Zeitschriften in Umschläge. Lilas Gefühl, dass DeWitt mit seiner Idee Erfolg haben würde, erwies sich als richtig: Bereits 1939 betrug die Auflage drei Millionen Exemplare. Zum Zeitpunkt von DeWitts Tod im Jahr 1981 erschien das Heft in 27 verschiedenen Ausgaben sowie 16 Sprachen und hatte eine weltweite Auflage von 30,5 Millionen Exemplaren. Der Erfolg als Verleger bescherte den Wallaces ein beträchtliches Vermögen und weckte in ihnen den Wunsch, andere daran teilhaben zu lassen.

Engagement für die Erhaltung alter ägyptischer Kunstwerke

Im Metropolitan Museum of Art zeugt die Ausstellung „Lila Acheson Wallace Galleries of Egyptian Art“ von Lilas Einsatz für altägyptische Kunst; die Sammlung umfasst rund 26.000 Objekte. Gemeinsam mit Kurator Henry George Fischer war sie zudem maßgeblich an der Rettung des Abu-Simbel-Tempels in Ägypten beteiligt. Dieser drohte nach der Fertigstellung des Assuan-Staudamms 1968 in den Fluten des Nasser-Sees zu versinken. In einem Kraftakt wurde das Bauwerk demontiert und 200 Meter von seinem ursprünglichen Standort entfernt wieder aufgebaut.

Maler Monets Garten mit dem Seerosen-Teich

Giverny, 1976: Der ehemalige Wohnsitz des Malers Claude Monet in Giverny, zwischen Paris und Rouen gelegen, war ein weiteres Projekt, dem Lila sich widmete. Als sie vom Verfall des Hauses und des Gartens mit seinem berühmten Seerosenteich erfuhr, veranlasste sie 1976 die Instandsetzung der Anlage. Vier Jahre später wurden Haus und Garten für Besucher wiedereröffnet. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1984 förderte Lila zahlreiche andere Projekte. Die Restaurierung der Freiheitsstatue unterstützte sie mit einem Fonds und mit einem redaktionellen Beitrag, der 1983 in Reader’s Digest erschien und Spenden aus aller Welt einbrachte. Wäre er zwei Jahre älter geworden, hätte DeWitt auch die Renovierung seines einstigen „Büros“ im Zeitschriftenlesesaal der New Yorker Stadtbibliothek mithilfe von Geldern aus seiner Stiftung miterleben können. Die Liste US-amerikanischer Institutionen, die gefördert wurden, ist lang – unter anderem die Musik- und Schauspielhochschule Juilliard, der Wallace-Flügel des Northern Westchester Hospitals, das Boscobel House, der Bronx-Zoo und die Psychiatrie der Weill-Cornell-Klinik in New York, das DeWitt-Wallace-Kunstgewerbe-Museum in Virginia sowie das Macalester College in St. Paul.

Mehr als 30 Jahre nach ihrem Tod wirkt der Einfluss der Wallaces nicht nur im Met weiter. Ihre Wohltätigkeits-Organisationen wurden zur Wallace Foundation zusammengefasst, deren Ziel darin besteht, „die Lernbedingungen für benachteiligte Kinder zu verbessern und die belebende Kraft der Kunst für alle zu fördern“. Und natürlich ist da auch noch das große kleine Magazin namens Reader’s Digest ...


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