Der Beginn des Lotto-Fiebers
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Familie & Leben

Der Beginn des Lotto-Fiebers

Preußenkönig Friedrich II. bahnte vor rund 250 Jahren mit seinem Patent den Weg zum staatlich betriebenen Glücksspiel.

Autor: Reader's Digest Book

Am 5. März 1763 erschien die Mitteilung über ein königliches Patent in den „Berlinischen Nachrichten von Staats- und Gelehrten Sachen“: die Einrichtung einer Zahlen-Lotterie. Friedrich II: präsentierte sich darin als oberster Spielherr und befürwortete den Durchbruch des staatlich betriebenen Lottos in Preußen.

35, 43, 74, 13, 22 – so lauteten die Glückszahlen

Am 31. August 1763 zog ein Waisenknabe vor dem Palais in der Wilhelmstraße Nr. 78 die ersten „fünf Richtigen“. In Etuis verschlossen, überreichte er sie dem Gouverneur der Residenzen, der die Zahlen herauszog und vom „Commis“ öffentlich verkünden ließ: 35, 43, 74, 13, 22 – so lauteten die Glückszahlen.

Lotto – ein Import aus Italien

Draufgänger und Casanova-Freund Giovanni Antonio Calzabigi hatte das Prinzip aus seiner italienischen Heimat importiert. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren Ratsherrenwahlen im Stadtstaat Genua per Los entschieden und von regen Wetten der Bevölkerung begleitet worden. Unter staatliche Regie genommen, hatte sich das Glücksspiel „5 aus 90“ schließlich aus seinem Ursprungsbezug gelöst.

Die preußische Variante des Lotto-Spiels

Die preußische Variante folgten den überlieferten Regeln: Der Spieler setzte auf beliebige Ziffern zwischen 1 und 90. Er konnte „einfachen Auszug“ spielen, das hieß: eine Nummer bestimmen, die in der gezogenen Fünferreihe vorkommen musste. Die zweite Möglichkeit war, die exakte Position der gewählten Nummer innerhalb der Zahlenfolge festzulegen.

Lotto wird zur idealen Einnahmequelle für den Staat

Die Neuerung lag in der Tatsache, dass praktisch immer der Veranstalter profitierte. Nie wurden die Gewinne entsprechend der mathematischen Wahrscheinlichkeit ausgezahlt, sodass die Lotto-Unternehmer mit sicheren Profiten rechnen konnten. Auf diese ideale Einnahmequelle stützten sich fast alle Territorial-Staaten Ende des 18. Jahrhunderts.

Insgesamt gab es im späten Alten Reich etwa 30 Lottoanstalten, eine Zahl, die sich aus den zahlreichen Kleinstaaten ergab. Kriegsgebeutelt und im Begriff, ihre Hofhaltung auszubauen und moderne staatliche Verwaltungen einzuführen, sahen sich die spätabsolutistischen Herrscher mit explodierenden Kosten konfrontiert. Auch Preußenkönig Friedrich II:, der nach dem Siebenjährigen Krieg massive Ressourcen eingebüßt hatte.

Glücksspiel unter staatlicher Regie

In den 1780ern und 1790ern geriet das Glücksspiel-Geschäft endgültig unter staatliche Regie. Gleichzeitig wurde es zunehmen verrechtlicht: eine Maßnahme, die das staatliche Lotto-Monopol gegen ausländische Lotterien und illegale Unternehmer absichern sollte. Von geschulten Beamten professionell verwaltet, avancierte das Spiel bald zur wichtigsten Säule der Staatsfinanzen. Selbst der Weiterbau des Kölner Doms wurde seit 1864 teils aus Lotteriemitteln finanziert.

Vor allem die kleinen Leute spielten Lotto

Die permanent wachsende Spielerzahl rekrutierte sich aus allen Teilen der Gesellschaft. Vor allem aber waren es die kleinen Leute, die dem Lotto-Fieber verfielen. Das Missverhältnis zwischen Gewinnstreben und realen Gewinnaussichten rief beizeiten Kritiker auf den Plan. Am 9. Januar 1849 beschloss die Frankfurter Nationalversammlung, das Zahlenlotto binnen kürzester Frist einzustellen. Nur Lotterien, die der Unterstützung von Bau- oder Hilfsprojekten dienten, hatten weiterhin Bestand.

Nach dem Krieg wurde Lotto in Westdeutschland wiederbelebt

Erst 1953 wurde das Lotto als reines Glücksspiel in Westdeutschland wiederbelebt. An der ersten Lotto-Ziehung nach dem Krieg am 9. Oktober 1955 waren nur die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen beteiligt. Glücksfeen spielten zwei Waisenmädchen, die den zehn Gewinnern fünf Richtige mit jeweils 12.000 Mark bescherten – weit entfernt vom höchsten Jackpot aller Zeiten. Der wurde im Dezember 2007 ausgelost: 45 Millionen Euro

 

Wie oft spielen Sie Lotto und was würden Sie mit einem Millionen-Gewinn machen?

 


 

RD Abbinder
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