EU-Bürokraten wollten keine krummen Gurken
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EU-Bürokraten wollten keine krummen Gurken

Wenn der Amtsschimmel zu laut wiehert, werden Auswüchse der Bürokratie auch mal zurückgeschraubt.

Autor: Reader's Digest Book

Die Europäer sind inzwischen daran gewöhnt, dass aus Brüssel manches kommt, das schwer zu verstehen ist. Berühmt-berüchtigt ist und bleibt die Gurkenkrümmungsverordnung, die am 15.Juni 1988 eingeführt und am 1.Juli 2009 wieder aufgehoben wurde. In der Verordnung Nr. 1677/88 zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Gurken legten die Brüssler Experten verschiedene Handelsklassen für die Gemüseart aus der Familie der Kürbisgewächse fest. In die Kategorie „Extra“ schafften es Gurken, die „gut geformt und praktisch gerade mit einer maximalen Krümmung von 10 Millimetern auf 10 Zentimetern Länge der Gurke“ waren. Gurken der Klasse 1 mussten nur „ziemlich gut geformt“ sein, durften aber auch nicht krummer sein.

Viele Menschen sahen in diesen Vermarktungsnormen ein Paradebeispiel für die Auswüchse moderner Bürokratie. Ihre Verteidiger wiesen auf die Vorteile für den Handel hin. Gerade Salatgurken lassen sich einfacher verpacken und transportieren als krumme. Zudem lassen sich Mengen einfacher berechnen, wenn immer die gleiche Anzahl Gurken in einer Kiste steckt. Auch die Konsumenten konnten sich ab jetzt darauf verlassen, beim Erwerb zwischen Gurken von vergleichbarer Qualität wählen zu können.

Gefundenes Fressen für EU-Skeptiker und Kabarettisten

Als die Presse von der Gurkenkrümmungsverordnung Wind bekam, rauschte es mächtig im Blätterwald. Normalerweise kümmerte sich in den Redaktionsbüros und Fernsehstudios niemand um Gurken. Nun aber sahen Kritiker die Gelegenheit gekommen, den „Eurokraten“ in Brüssel die Gelbe Karte zu zeigen. Doch aller Protest war zwecklos: Die EU-Verordnung trat in Kraft.

Mit ein Grund dafür, dass die Verordnung zwei Jahrzehnte später von der EU selbst gekippt wurde, lag wohl darin, wie viel öffentliche Aufmerksamkeit ihr in der Zwischenzeit immer wieder zugekommen war. Brüssel wollte ein Zeichen setzen in Sachen Deregulierung. Denn inzwischen hatte sich der Ruf verfestigt, die EU sei in einen dauerhaften Zustand der Regulierungswut verfallen. Die dänische Agrarkommissarin brachte den Stein ins Rollen. Doch in den einzelnen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union war noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Nicht wenige nationale Handels- und landwirtschaftliche Interessenverbände plädierten für die Beibehaltung der Normierung. 15 der damals 27 EU-Mitglieder sträubten sich gegen die Aufhebung. Doch am Ende siegten die Anhänger der Entbürokratisierung


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