Vorrang oder nicht? Regeln für Fußgänger und Radfahrer im Straßenverkehr
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Vorrang oder nicht?
Regeln für Fußgänger und Radfahrer im Straßenverkehr

Es gilt das Gebot der Rücksicht im Straßenverkehr: Radfahrer und Fußgänger sollten nicht auf ihr Recht beharren, wenn andere dadurch gefährdet werden. Doch seine Rechte zu kennen ist hilfreich.

Autor: Reader's Digest Book

Punkte gibt’s auch für Fußgänger und Radfahrer

Viele Verkehr-Teilnehmer halten das persönliche Punktekonto im Flensburger Strafregister nur für relevant für Autofahrer. Doch auch Fußgänger und Radfahrer können Einträge erhalten. Die Punkte wirken sich dann auf ihre Fahrerlaubnis aus:

  • Ein Radfahrer, der bei Rot die Ampel überquert muss 45 Euro Bußgeld zahlen und erhält einen Punkt in Flensburg.
  • Ein Fußgänger, der einen Bahnübergang quert, obwohl die Schranken geschlossen sind, muss ebenfalls mit einem Punkt rechnen.
  • Ist ein Fußgänger in einen Unfall verwickelt und entfernt sich vom Unfallort drohen ihm sogar zwei Punkte.

Auch Jugendliche können Eintragungen wegen solcher Vergehen erhalten. Möchten sie mit Erreichen der Volljährigkeit die Führerschein-Prüfung ablegen, kann ihnen das verwehrt werden.

Wenig bekannte Fußgängerrechte

Es gibt Situationen, in denen Fußgänger Vorrang haben. Meist entstehen sie, wenn Fußgänger die Fahrbahn betreten (müssen).

  • Klar ist die Sache beim Zebrastreifen: Hier haben Fußgänger Vorrang, Autofahrer müssen sich dem Zebrastreifen vorsichtig nähern.
  • Möchte ein Fußgänger eine Straße im Kreuzungsbereich überqueren und ein motorisiertes Fahrzeug biegt auf der Straße ab, muss der Fahrer den Fußgänger passieren lassen und gegebenenfalls warten (§9 Abs. 3 S. 3 StVo).
  • Dies gilt auch für Kinder bis zehn Jahre, die mit dem Fahrrad auf dem Gehweg unterwegs sind. Wenn sie vom Rad absteigen und an der Straßenseite warten, haben sie Vorrang vor abbiegenden Fahrzeugen.
  • Beim Überqueren einer Fahrbahn sollten Fußgänger die kürzeste Strecke quer zu den Fahrbahn-Rändern wählen. Sie sind nicht verpflichtet, eine Ampel zu nutzen, wenn dies für sie einen größeren Umweg bedeutet. Verschiedene Gerichte haben in der Vergangenheit Umwege von bis zu 50 m als zumutbar angesehen – bei einer Strecke von 100 m je Straßenseite ist die Grenze eindeutig erreicht. Fußgänger können also rote Ampeln umgehen, wenn sie bei der Straßen-Überquerung niemanden gefährden. Der Autoverkehr hat hier aber stets Vorrang.
  • Auch an einer ausgeschalteten Fußgänger-Ampel hat der Verkehr Vorrang, es sei denn, der Fußgänger-Bereich ist wie ein Zebrastreifen gekennzeichnet. Dann gelten ohne Lichtzeichen der Ampel die Regeln für den Zebrastreifen.

Regeln für Fahrräder

  • In Fußgängerzonen ist Radfahren verboten. Allerdings darf das Rad dort wie ein Roller benutzt werden – vorausgesetzt, man ist defensiv unterwegs. Ein Roller zählt nämlich nach §24 StVO zu den besonderen Verkehrsmitteln wie Kinderwagen und –fahrräder.
  • Radwege hingegen sollen Radfahrern besonderen Schutz bieten. Eine Benutzungspflicht gibt es nur, wenn der Radweg durch ein Verkehrszeichen gekennzeichnet ist.
    Zeigt dieses Schild ausschließlich ein Fahrrad, ist der Weg nur für Radfahrer erlaubt. Fußgänger- und Fahrradsymbol untereinander bedeutet, beide Gruppen teilen sich gemeinsam den Weg. Stehen die Symbole nebeneinander, muss der zumeist durch eine Linie getrennte Weg in den jeweils vorgesehenen Bereichen genutzt werden.

Tipp:

Als Radfahrer dürfen Sie auf der Straße fahren, wenn der Radweg nicht befahrbar ist, etwa aufgrund von Scherben, abgestellten Mülltonnen oder parkenden Autos. Sie müssen nicht nach jedem Hindernis wieder auf den Radweg zurückkehren. Fahrradfahrer dürfen auch nebeneinander fahren, sofern sie die anderen Verkehrs-Teilnehmer nicht behindern.

 

Die Informationen und Ratschläge in diesem Beitrag wurden von den Autoren und vom Verlag sorgfältig geprüft (Stand bei Redaktionsschluss 1.4.2016). Dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Eine Haftung der Autoren bzw. des Verlags für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen. Die hier vom Verlag Reader’s Digest - Das Beste veröffentlichten Ratschläge stellen keine verbindliche Rechtsberatung dar. Eine Rechtsberatung durch den Verlag wird ausgeschlossen.

 

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