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Fawaz al Ibrahim
© Andreas Reeg
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Helden des Alltags

Fawaz rettet in Aschaffenburg einen Ertrinkenden aus dem Main

Ein Mann fällt in den Main. Fawaz Al Ibrahim und sein Cousin schleppten den Verunglückten zu einer Anlegestelle und retten ihn so.

Ausgabe: April 2019 Autor: Barbara Erbe

Schloss Johannisburg im bayerischen Aschaffenburg strahlt im nächtlichen Lichterglanz, als Fawaz Al Ibrahim mit seinem Cousin von der Altstadt zum Mainufer schlendert. Es ist bereits Mitternacht, aber nach Hause wollen die beiden noch nicht. An diesem Wochenende im August 2017 ist Stadtfest und in den Strassen und Gassen noch allerhand los. Al Ibrahim ist zu Besuch in Aschaffenburg. Der 19-Jährige, der als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling aus Syrien nach Deutschland kam, lebt in einer Sammelunterkunft in einer nahe gelegenen hessischen Gemeinde. Aschaffenburg mit seinen Fachwerkhäusern gefällt ihm, die feiernden Menschen erst recht.

Die Cousins springen in den Main

Es ist nicht mehr weit bis zum Fluss, als die Cousins Schreie hören. Es ist die Stimme eines Mannes, doch was dieser ruft, verstehen die beiden nicht. Eines ist Fawaz Al Ibrahim aber sofort klar. „Das kommt vom Wasser her“, sagt er. Er und sein Cousin sprinten zur Ufermauer. Der Fluss liegt wie ein dunkles Band einige Meter unter ihnen. Erkennen können sie zunächst nichts, aber dann entdecken sie eine wild um sich schlagende, schreiende Gestalt im Wasser. „Der ertrinkt, wir müssen ihm helfen“, ruft Fawaz Al Ibrahim seinem 36-jährigen Cousin zu. Er streift T-Shirt, Hosen und Schuhe ab und springt hinab in den Fluss. Sein Cousin legt nur Schlüssel, Brieftasche und Handy ab und springt hinterher. „Zuerst haben wir kaum etwas gesehen“, erzählt Fawaz Al Ibrahim. „Doch dann richtete vom Ufer her jemand eine Taschenlampe auf den Verunglückten.“

Mit wenigen Schwimmzügen sind die beiden Helfer neben dem Mann. Sie versuchen ihn zu fassen, um ihn ans Ufer zu schleppen. Doch der Ertrinkende schlägt weiter um sich. Unmöglich, ihn für den Rettungsgriff unter den Achseln zu packen. Unmöglich auch, ihn auf die Mauer zu hieven, von der sie gesprungen sind und die jetzt glatt und hoch neben ihnen aus dem Wasser ragt. Al Ibrahim fasst einen Plan: „Wir müssen ihn von unten stützen.“ Abwechselnd tauchen die Cousins, drücken den Mann von unten an die Wasseroberfläche und schieben ihn zugleich flussaufwärts. Denn dort haben die beiden eine Bootsanlegestelle erspäht, die mit einer Leiter ausgestattet ist.

Den Rettern schwinden die Kräfte

Tauchen, drücken, gegen die Strömung schieben. Immer wieder. Bald keuchen die Retter vor Anstrengung. Minuten vergehen, jede einzelne kommt Al Ibrahim wie eine Ewigkeit vor. Er fühlt, wie seine Kräfte schwinden. Der Ertrinkende bewegt sich jetzt kaum noch, er scheint vollkommen erschöpft. „Ich dachte, wir würden alle drei untergehen“, erzählt Al Ibrahim. In diesem Augenblick wirft ein Mann auf der Mauer ihnen eine Rettungsleine zu. Sie ist aus Gürteln geknüpft. Die Cousins ergreifen die Leine und lassen sich, den Verunglückten im Schlepptau, Richtung Leiter ziehen. Fast ist diese zum Greifen nahe, da reisst die Leine!

Zum Glück währt der Schreck nur kurz, denn nun schwimmt ein Taucher der Feuerwehr auf die Männer zu. Passanten haben die Rettungskräfte alarmiert. Der Taucher zieht zuerst den Ertrinkenden zur Leiter, hievt ihn so weit hinauf, dass seine Kollegen an Land ihn fassen und auf die Mauer ziehen können. Dann sind die beiden Cousins an der Reihe. „Wir waren so kraftlos, dass wir nicht einmal mehr die Leiter zum Ufer hochklettern konnten“, erinnert sich Al Ibrahim. „Die Feuerwehrmänner mussten auch uns hochziehen.“

Oben stehen Polizei- und Krankenwagen bereit. Erschöpft und dankbar hüllt sich Al Ibrahim in die grosse Decke, die ihm ein Sanitäter reicht. Ob er mit ins Krankenhaus kommen wolle, wird er gefragt. Will er nicht. Die Cousins geben den Polizisten noch kurz ihre Personalien, dann machen sie sich auf den Heimweg. Todmüde fallen beide ins Bett.

Am darauffolgenden Tag erfahren sie von der Polizei, dass der 50-Jährige, den sie aus dem Main gerettet haben, wohlauf ist. Vermutlich war er betrunken ins Wasser gefallen. „Wir waren sehr erleichtert, dass es ihm wieder gut ging“, erzählt Al Ibrahim. Er würde jederzeit wieder helfen. Für seinen mutigen Einsatz verlieh ihm das Land Bayern die Rettungsmedaille. Darauf ist der junge Mann ein wenig stolz. Noch stolzer macht ihn die Tatsache, dass er seinen Schulabschluss in Deutschland geschafft hat und sich heute seinen Lebensunterhalt selbst verdient.

 


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RD Abbinder
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