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Gesundheit. Geld. Gerechtigkeit?
© Gina Sanders /Fotolia.com
Aus der
aktuellen
Ausgabe

FinanzenRat

Gesundheit. Geld. Gerechtigkeit?

Gesetzlich? Privat? Wie soll es weitergehen mit den Krankenversicherungen? Unsere exklusive Umfrage zeigt, was die Deutschen wirklich wollen

Ausgabe: Juli 2014 Autor: Christiane Kolb

Über kaum etwas wird in Deutschland so leidenschaftlich gestritten wie über das System der Krankenkassen. Es ist der ewige Patient, an dem die Politik seit Jahrzehnten herumdoktert. Kaum ist eine Reform auf den Weg gebracht, wird bereits die nächste diskutiert.

Haben Politiker, Parteien, gar die Interessenvertreter aus Ärzteschaft und Pharmaindustrie dabei die Wünsche der Bürger überhaupt noch im Blick? Die sind schließlich nicht nur die Kunden, sondern auch die wichtigsten Finanziers des Systems. Readers_s Digest hat nachgefragt, was die Bürger wirklich wollen – und eindeutige Antworten bekommen.

Pflichtversicherung für alle

Diese Zahl hat politische Sprengkraft: 58 Prozent der Deutschen plädieren dafür, dass alle Bürger sich in Zukunft in einer gesetzlichen Kasse versichern müssen. Ausdrücklich auch Besserverdienende, Selbstständige und Beamte, die sich heute privat versichern dürfen und so aus dem solidarischen System ausscheren. Offensichtlich empfindet die Mehrheit der Bürger dies als ungerecht.

So wie Lennart Seeburg. "Es ist nicht okay, dass Besserverdiener aus dem solidarischen System aussteigen können", meint der 31-jährige Mediengestalter aus Hamburg. "Sie sollten auch ihren Teil beitragen. Darüber hinaus kann meinetwegen jeder selbst bestimmen, ob er zusätzliche Policen abschließen oder für eine besondere Behandlung privat bezahlen möchte."

Selbst Privatpatientin Helga Soll aus dem schwäbischen Göppingen empört sich über die Zweiklassen-Behandlung. Die 76-Jährige hat eine Brustkrebserkrankung und erzählt: "Ich saß bei der ambulanten Chemotherapie im Krankenhaus oft neben Kassenpatientinnen, die jedes Mal eine Zuzahlung leisten mussten. Bei so einer schweren Erkrankung! Das fand ich hart."

Solidarität wird also großgeschrieben. So befürworten dann auch 48 Prozent der Befragten einen Versicherungsbeitrag, der sich am Einkommen orientiert. Nur 10 Prozent plädieren für die sogenannte Kopfpauschale. Bei der zahlt jeder Bürger denselben Beitrag – unabhängig vom Einkommen.

Für Professorin Michaela Wänke vom Lehrstuhl für Konsumentenpsychologie an der Universität Mannheim belegen die Umfrageergebnisse einen gesellschaftlichen Konsens. "Wie es scheint, finden die meisten Deutschen es richtig, dass Menschen mit höherem Einkommen auch mehr zur Allgemeinheit beitragen."

Besonders ausgeprägt ist diese Überzeugung übrigens in den östlichen Bundesländern. Sieben von zehn Befragten plädieren dort für eine Abkehr von den privaten Kassen.

Die Beiträge sind bereits an der Schmerzgrenze

Mit der jüngsten Reform der gesetzlichen Kassen begrenzt der Gesetzgeber den Beitrag der Arbeitgeber zur gesetzlichen Krankenversicherung ab 1. Januar 2015 auf 7,3 Prozent. Zunächst soll auch der Arbeitnehmeranteil auf 7,3 Prozent sinken, insgesamt sind dann 14,6 Prozent fällig. Danach allerdings dürfen die Kassen den Versichertenbeitrag unbegrenzt erhöhen.

"Das bedeutet, dass Kostensteigerungen in Zukunft allein zulasten der Versicherten gehen", warnt Kai Vogel, Leiter des Teams Gesundheit beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Schon 2015 werden viele Kassen die Sätze gleich wieder erhöhen müssen, um eine Finanzierungslücke zu vermeiden. Und danach muss man sich auf einiges gefasst machen: Die Beiträge werden in den kommenden Jahren sicher für viele Versicherte über das heutige Niveau steigen."

Und das, obwohl 63 Prozent der Deutschen den aktuellen Beitragssatz von 15,5 Prozent des Einkommens für gerade noch akzeptabel finden! Jedoch: Um die medizinische Versorgung von heute zu halten, könnten sich 35 Prozent vorstellen, sogar bis zu 20 Prozent ihres Einkommens zu bezahlen. "Dieser Wert überrascht", kommentiert Vogel. Seine Erklärung: "Gesundheit ist ein sensibles Thema. Die Angst vor gravierenden Krankheiten, die jeden treffen können, bewegt Menschen dazu, im Notfall auch mehr zu bezahlen, um abgesichert zu sein."

Spitzenmedizin soll für alle bezahlbar werden

Vor die Wahl gestellt, mehr zu bezahlen oder auf Leistungen zu verzichten, nähmen die meisten Befragten dann doch höhere Beiträge in Kauf. Sechs von zehn wünschen sich den Leistungsumfang von heute. "Es reicht mit den Einschränkungen beim Arzt", sagt Miriam Bartram, 33 Jahre, Grafikerin und Mutter von drei Kindern aus Hamburg. "Man muss schon so oft zuzahlen, bei Rezepten, bei Kunststoff-Füllungen beim Zahnarzt oder Krebsvorsorge-Ultraschalluntersuchungen bei der Frauenärztin."

Warum reagieren die Befragten so empfindlich auf Leistungskürzungen? "Für die meisten Menschen wiegt der Verlust von Dingen, die sie quasi bereits besitzen, schwerer als Gewinne oder in diesem Fall fiktive Einsparungen", erklärt Wirtschaftswissenschaftlerin Wänke, die die psychologischen Mechanismen hinter Verbraucherreaktionen erforscht. Was man einmal hat, möchte man also um (fast) keinen Preis mehr hergeben.

Dazu passt, dass nur eine Minderheit Leistungskürzungen der Krankenkassen befürworten würde, um höhere Beiträge zu verhindern. Welche Leistungen könnten das sein? Aus einem Katalog von Maßnahmen wählten 63 Prozent dieser Befragten nicht lebensnotwendige Arzneien. Doch schon Kuren, Gelenkersatz für Senioren über 75 Jahre, Hilfsmittel wie Hörgeräte oder Rollstühle und Vorsorgeuntersuchungen hält mehr als die Hälfte für unentbehrliche Kassenleistungen.

Sparmaßnahmen beim Zahnersatz, gar bei Organtransplantationen lehnen sogar 65 beziehungsweise 76 Prozent grundsätzlich ab. "Hier kann man beobachten, wie das solidarische Denken einsetzt bei Maßnahmen, die lebensnotwendig sind oder bei denen empfindlich hohe Rechnungen auflaufen, wie viele sie vom Zahnarzt kennen", erklärt Experte Vogel.

Insgesamt ergibt unsere Umfrage also ein deutliches Bild. Der Patient Gesundheitssystem ist behandlungsbedürftig. Ginge es nach den Wünschen der Bürger, dann stünde das System vor einer Radikalkur: Die Mehrheit setzt auf volle Solidarität aller mit allen. Sie würden ein gesetz_liches System für alle verordnen – wenn es sein muss, auch zu einem deutlich höheren Preis und ohne Leistungskürzungen, die wehtun.


 

RD Abbinder
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