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Interview Filmstar Juliette Binoche: Leben im hier und jetzt
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Interview: Filmstar Juliette Binoche - Leben im hier und jetzt

In ihrer Heimat verehrt man sie als La Binoche, zählt sie doch zu den ganz grossen Kinostars der Grande Nation. Auch das internationale Filmpublikum schätzt die Französin – genau wie viele namhafte Regisseure.

Ausgabe: September 2017 Autor: Dieter Osswald

Juliette Binoche stand unter anderem für Krzysztof Kies´lowski, Abbas Kiarostami und David Cronenberg vor der Kamera. Die 53-Jährige zeigt sich in ihrem neuesten Film von ihrer komischen Seite. In Wie die Mutter, so die Tochter spielt sie Mado, eine Frau, die auf die Schwangerschaft ihrer Tochter auf besondere Weise reagiert: Die künftige Oma wird selbst noch mal schwanger.

Reader’s Digest: Madame Binoche, was ist das Wichtigste bei einer Komödie?
Juliette Binoche: Wahrhaftigkeit ist ganz entscheidend. Man merkt dem Drehbuch zu diesem Film deutlich an, dass es aus Erfahrung geschrieben wurde. Und ich habe meine eigene Erfahrung in die Rolle eingebracht. Die Wirklichkeit ist einfach die beste Basis für eine Komödie.

Mögen Sie die Figur, die Sie spielen, oder wäre Mado Ihnen in der Realität zu schrill?
Ich finde Mado überhaupt nicht schrill! Das ist eine Frau, die endlich eine funktionierende Partnerschaft haben möchte. Sie ist sehr unsicher, weil ihre bisherigen Beziehungen nicht funktioniert haben. Sie fühlt sich einsam, setzt nun eben alles auf eine Karte und versucht ihr Bestes. Ich glaube, mit solch einer Figur können sich viele Zuschauer identifizieren.

Für eine Frau, die mit Mitte 40 noch mal schwanger werden möchte, spielt das Alter naturgemäß eine Rolle. Wie erleben Sie die Altersfrage als Schauspielerin?
In Interviews werde ich fast immer darauf angesprochen. Offensichtlich glauben die Medien, die Menschen wären brennend an dieser Frage interessiert. Mich überrascht das, weil für mich selbst das Alter gar kein großes Thema darstellt.

Wie sieht Ihre Philosophie dazu aus?
Wenn man die verschiedenen Stationen seines Lebens durchlaufen hat, will man doch nicht zurück. Man sollte sein Leben auf die Zukunft und nicht nach der Vergangenheit ausrichten. Zumal sich die Werte verändert haben: Was mir als 20-Jährige noch ganz wichtig war, ist mir mit 50 längst nicht mehr bedeutsam. Ich wünsche mir diese Zeit auch nicht zurück.

Sie werden in Frankreich als „La Binoche“ verehrt. Erschwert die Berühmtheit nicht das ungestörte Privatleben?
Ich bin ja nicht Michael Jackson! (lacht) Tatsächlich werde ich in der Öffentlichkeit gar nicht so häufig erkannt. Und falls doch einmal, fällt es mir nicht schwer, eine freundliche Bitte um ein Foto oder Autogramm zu erfüllen.

Standen Sie selbst schon einmal unvermutet Prominenten gegenüber?
Ich bin einmal François Mitterand in einem Buchladen begegnet. Später traf ich ihn noch mal zufällig in einem Restaurant.

Wenn Sie heute Präsident Emmanuel Macron treffen würden, worüber würden Sie mit ihm plaudern: über Filme, Politik oder Mode?
Über Mode würde ich sicher nicht mit Macron reden. (lacht) Präsident Macron ist tatsächlich ein Hoffnungsträger, und viele wünschen sich, dass er den Erfolg hat, den er verspricht.

 

Hintergrund Juliette Binoche

Juliette Binoche wurde am 9. März 1964 in Paris geboren. Sie ist die Tochter eines Regisseurs und einer Schauspielerin. Schon als kleines Mädchen stand Binoche auf der Bühne. Mit 23 Jahren fand sie internationale Beachtung mit ihrer Rolle in Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. 1997 bekam sie den Oscar als beste Nebendarstellerin im Drama Der englische Patient. Binoche hat aus zwei Beziehungen eine 17-jährige Tochter und einen 24-jährigen Sohn. Sie lebt in Paris. do


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RD Abbinder
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