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Steven Spielberg: "Künstlerische Freiheit bedeutet mir alles"
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Steven Spielberg: "Künstlerische Freiheit bedeutet mir alles"

Regisseur Steven Spielberg wird bald 70 – und ist im Herzen doch Kind geblieben.

Ausgabe: August 2016 Autor: Dieter Oßwald

Gemessen am Kassenergebnis ist er der erfolgreichste Regisseur der Welt. Ob Der weiße Hai, E.T. – Der Außerirdische oder Indiana Jones – die Filme von Steven Spielberg sind längst Klassiker. Neben solchen Popcorn-Spektakeln nahm der heute 69-Jährige sich aber auch seriöser Stoffe an. Sein in Schwarz-Weiß gedrehtes Holocaust-Drama Schindlers Liste bewegte Zuschauer rund um den Globus.

Ende Juli läuft sein neuestes Werk an: BFG – Big Friendly Giant, die Verfilmung eines Kinderbuchs von Roald Dahl, in dem ein freundlicher Riese ein kleines Mädchen entführt.

Reader’s Digest: Die kleine Heldin in Ihrem neuen Film hat Angst vor Riesen. Welche Ängste hatten Sie in Ihrer Kindheit?

Spielberg: Ich war mein eigenes Monster. Ich hatte Angst vor allem, denn mein Vorstellungsvermögen war enorm. Da konnte sich jeder Stuhl ganz schnell in eine Spinne verwandeln. Ich erinnere mich noch daran, wie ich als Fünfjähriger in den Himmel schaute. Aus einer Wolke wurde ein schöner Schwan und daraus plötzlich ein Saurier. Und ich rannte schreiend nach Hause.

Mit welchen Gefühlen haben Ihre Eltern das begleitet?

Für meine Eltern wurde meine Fantasie tatsächlich zu einem Problem. Das ging so weit, dass sie einmal ernsthaft überlegten, mich ärztlich untersuchen zu lassen. Schließlich habe ich ständig Dinge gesehen, die es gar nicht gab und die nur für mich existierten. Mein Vater und meine Mutter glaubten, ich hätte ein paar große, mentale Probleme. Das hatte ich vermutlich auch – aber es ermöglichte mir eine große Karriere!

Wie wichtig ist es für Sie, das innere Kind zu erhalten?

Das Faszinierende an Kindern liegt darin, dass sie einfach existieren. Wenn sie klein sind, wissen sie nicht, was richtig oder falsch ist – das spielt für sie keine Rolle. Das sind die Jahre der kompletten Freiheit, die damit enden, dass sich irgendwann das Gehirn einschaltet und vorgibt, wie man sich verhalten soll. Ich erinnere mich noch gut an diese Zeit.

Sie werden im Dezember 70. Was haben Sie in Ihrer Karriere erreicht?

Das Recht, selbst über meine Projekte zu entscheiden. Das war für mich immer das einzige Ziel: Ich wollte meine Geschichten erzählen, ohne dass mir jemand hineinredet. Aus diesem Grund habe ich mein eigenes Studio gegründet. Die künstlerische Freiheit bedeutet mir alles.

Welcher Film hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Am meisten Spaß hat mir E.T. – Der Außerirdische gemacht, denn dabei entdeckte ich zum ersten Mal die Lust, Vater zu sein. Drei Jahre später ist mir das auch gelungen mit der Geburt meines ersten Sohnes.

Drehen Sie auch privat Filme?

Ja, ich habe meine Videokamera ständig bei mir. Und es ist schon eine Tradition, dass es zu Weihnachten immer einen gemeinsamen Film unserer Familie gibt, der eine Stunde lang dauert. Ich schneide dazu meine eigenen Aufnahmen des vergangenen Jahres sowie die Videos unserer Kinder zusammen – natürlich gibt es dazu auch Spezialeffekte und Musik. Diesen Film schauen wir dann alle zusammen an und jeder bekommt eine DVD davon.

Steven Spielberg

Der am 18. Dezember 1946 in Cin­cinnati, USA, geborene Steven Spielberg drehte breits als Schüler Filme. Sein Kinodebüt gab er 1974 mit The Sugarland Express. Für Schindlers Liste (1993) und Der Soldat James Ryan (1998) gewann er Oscars für beste Regie und bester Film. 1994 rief er die Shoah-Stiftung ins Leben, die weltweit Erfahrungen von Holo­caust-Überlebenden aufzeichnet. Spielberg ist in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Kate Capshaw verheiratet. Zu seiner Familie gehören sieben Kinder und mehrere Enkel.


 

RD Abbinder
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