Was Sie über Milch wissen sollten
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Was Sie über Milch wissen sollten

Ist Milch ein perfektes Nahrungsmittel oder doch nur mit Vorsicht zu genießen?

Autor: Lisa Fields

Vor Jahrzehnten wurde Milch als eines der gesündesten Getränke überhaupt angepriesen. Doch im Lauf der Zeit hat sie viel von ihrem guten Ruf eingebüsst. In den 1950er-Jahren tranken Schweden im Durchschnitt knapp zweieinhalb Gläser Milch pro Tag. „Inzwischen liegt der Wert bei weniger als einem Glas“, so Dr. Karl Michaëlsson, Professor für Chirurgie an der schwedischen Universität Uppsala. Europaweit sind die Verkaufszahlen zurückgegangen.
Während der Konsum flüssiger Milchprodukte zurückgegangen sei, habe sich der Verbrauch von Käse erhöht, so Johanna Mäkelä, Professorin für Ernährungskultur an der Universität Helsinki. „Man könnte also sagen, dass immer noch viel Milch konsumiert wird, sich aber die Form und die daraus hergestellten Produkte geändert haben.“ Mit zunehmendem Alter verzichten viele Menschen auf Milch: Einige können sie nicht mehr problemlos verdauen, andere fürchten, sie könnte zu Herzkrankheiten beitragen. Wieder andere bevorzugen vegetarische Alternativen. Millionen Europäer denken heute, Milch sei schlecht für sie. Wir haben Experten nach ihrer Meinung gefragt.

Kleines Einmaleins der Kuhmilch

Milch gehörte in Europa Jahrtausende lang zu den überlebenswichtigen Grund-Nahrungsmitteln. Das galt insbesondere in den skandinavischen Ländern aufgrund des dort herrschenden kühlen Klimas. Gegenüber anderen Getränken ist Milch reich an Kalzium und enthält zudem viele Vitamine und Mineralien. Sie bietet ein ideales Verhältnis von Eiweiss, Fett und Kohlenhydraten, sodass sie eine ausgewogene Nahrungsquelle darstellt. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Konsum von Milch das Risiko von Schlaganfällen, Typ-2-Diabetes und mehreren Krebsarten senkt. Ausserdem könnte Milch das Risiko für Herzkrankheiten verringern. Sie stärkt die Knochen und unterstützt den Muskelaufbau bei Erwachsenen, insbesondere bei Menschen über 75.

Laktose-Intoleranz

Laktose-Intoleranz betrifft viele Europäer, vor allem im Süden, wo fast 65 Prozent der Erwachsenen keine Milch vertragen, verglichen mit 18 Prozent in Finnland. Zu Laktoseunverträglichkeit kommt es, wenn im menschlichen Verdauungstrakt das Enzym Laktase fehlt, das zur Verdauung von Laktose benötigt wird, dem in Milch und anderen Molkereiprodukten natürlich vorkommenden Zucker. „Genetische Unterschiede bestimmen, ob ein Erwachsener Milch verträgt oder nicht“, erläutert Dr. Christina Ellervik, Dozentin für Labormedizin an der Universität Kopenhagen. „Südeuropäer vertragen Laktose meist weniger gut als Skandinavier.“

Gesättigte Fettsäuren

In letzter Zeit sind gesättigte Fettsäuren, die vorwiegend in tierischen Nahrungsmitteln, auch Milch, vorkommen, in Verruf geraten. Denn sie tragen zu Herzkrankheiten bei. Dr. Ellervik zufolge hat bislang keine Untersuchung einen eindeutigen Zusammenhang  zwischen Milch und koronaren Herzerkrankungen aufgezeigt. „Wie es scheint, steht Milchkonsum abhängig von der verzehrten Menge mit einem etwas höheren Body-Mass-Index in Verbindung. Doch offenbar geht er nicht mit einem höheren Risiko für koronare Herzkrankheiten oder Diabetes einher.“ In einer umfangreichen Forschungsarbeit untersuchte Ellervik fast 100.000 Erwachsene mit dänischen Wurzeln. Das Ergebnis: Ein höherer Milchkonsum wirkt sich im Hinblick auf Diabetes und auf Herzkrankheiten negativ aus. Weitere Untersuchungen dazu sind jedoch nötig.

Gesunde Knochen

Viele Studien zeigen, dass Milchkonsum eine schützende Wirkung auf Knochen hat. Dazu gehört die jüngste Auswertung von Daten der US-amerikanischen Langzeitstudie Nurses Health Study, bei der 70.000 Krankenschwestern mehr als 30 Jahre lang beobachtet wurden. „Je mehr Milch man trinkt, desto geringer ist das Risiko einer Hüftfraktur“, so Dr. Ellervik. Andere Wissenschaftler kommen zu gegenteiligen Erkenntnissen.
Bei einer schwedischen Studie wurden Häufigkeitsbefragungen zum Lebensmittelkonsum unter mehr als 100.000 Personen über mehrere Jahre durchgeführt. Man stellte fest, dass die Häufigkeit von Hüftfrakturen bei Personen, die täglich mindestens drei Gläser Milch tranken, um 60 Prozent höher lag als bei denen, die weniger als ein Glas zu sich nahmen. „Der Nachweis steht noch aus, aber unsere Hypothese lautet: Galaktose ist ein Bestandteil von Laktose und verursacht Entzündungen und oxidativen Stress. Dieser entsteht durch freie Radikale“, so Dr. Michaëlsson, einer der Studienautoren. Die schwedische Studie sei kontrovers, meint Lauri Wright, Sprecherin der Akademie für Ernährung und Diätetik in den USA. „Sie widerspricht randomisierten kontrollierten Studien (Studien nach dem Zufallsprinzip), die gezeigt haben, dass Milch vor Knochenbrüchen schützt.“

Milch-Alternativen

Heutzutage führen Supermärkte Mandel-, Hafer-, Soja-, Kokos-, Hanf- und Reismilch. Die meisten alternativen Produkte bieten weder eine vergleichbare Mischung aus Eiweiss, Fett und Kohlenhydraten noch die gleichen Vitamine und Mineralien wie Kuhmilch. Sofern Sie nicht an Laktose-Intoleranz oder einer Milchallergie leiden, müssen Sie nicht auf Milch verzichten. „Wir sollten unser Verhalten nicht aufgrund einer einzelnen Studie ändern“, so Dr. Michaëlsson. Und Dr. Ellervik meint: „Milch enthält zwar auch Kalorien wie Saft und gesüsste Getränke. Sie ist mit ihrem Gehalt an Vitamin D und Kalzium aber gesünder.“

 

 


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