Gesund von Kopf bis Fuß
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Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Gesund von Kopf bis Fuß

Mit diesen Check-ups bleiben Sie bis ins hohe Alter fit.

Ausgabe: März 2022 Autor: Lisa Fitterman

Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie als junger Mensch dachten, Sie würden ewig leben? Die
Lebenserwartung ist tatsächlich gestiegen, aber die Jahre hinter­lassen Spuren an unserem Körper: zusätz­liche Kilos, Falten, Schmerzen, undichte Stellen, ein Nachlassen der Sehkraft, Gedächtnis­lücken oder sogar einen bösartigen Tumor.

Dr. Bernd Kleine-Gunk, Gynäkologe und Vorsitzender der GSAAM (Deutsche Gesellschaft für Anti-Aging-Medizin) vergleicht den menschlichen Körper mit einem Korb voller Äpfel, in dem ein faules Exemplar die anderen verderben kann.
In der Medizin heißen die faulen Äpfel seneszente Zellen oder „Zombie­zellen“, weil sie weiter altern, sich aber weder teilen noch absterben. Wenn sie sich anhäufen, lösen sie von Alters­flecken bis Krebs alle möglichen Probleme aus. „Die Zombiezellen lassen uns altern oder krank werden“, sagt Kleine-Gunk. „Forscher suchen nach Wegen, diese Zellen aus dem Körper zu beseitigen, ehe sie Schaden anrichten.“
Aktuell leben auf der Welt 727 Millionen Menschen, die älter sind als 65 Jahre. Schätzungen zufolge wird sich diese Zahl bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Die gute Nachricht ist, dass die Gerontologie (Wissenschaft vom Altern) bessere Diagnoseansätze und fortschrittlichere Behandlungsmethoden entwickelt hat. Es wird an Medikamenten geforscht, die die schädlichen Moleküle unterdrücken, die Zombie­zellen absondern, oder diese direkt abtöten.
In den USA laufen derzeit klinische Studien zur Wirkung von Metformin auf den Alterungsprozess. Mit diesem Wirkstoff wird Diabetes Typ 2 behandelt. Die Studien sind in Auftrag gegeben worden, nachdem man festgestellt hat, dass Patienten, die Metformin einnahmen, länger lebten als Nicht-Diabetiker. In anderen Untersuchungen zeigte das Medikament zudem vorbeugende Wirkung gegen Demenz, Herzerkrankungen und Krebs.
Wird es also bald den Jungbrunnen auf Rezept geben? „Nicht den Jungbrunnen, sondern einen Gesundbrunnen“, erklärt Dr. Kleine-Gunk. „In fünf Jahren könnte es so weit sein.“
Wissen ist bekanntlich Macht. Was erwartet uns, wenn wir älter werden, und wie machen wir das Beste daraus?

Die Schaltzentrale: Das Gehirn

Solange wir jung sind, ist unser Gehirn belastbar und wendig. Selbst nach einem Schlaganfall ist es in der Lage, neue Verknüpfungen zu bilden, um geschädigte Bereiche zu umgehen. Das Gehirn ist eine Art Fabrik, in der Daten erstellt, gespeichert, verschoben und gelöscht werden. Dabei entsteht auch „mikrobiologischer Müll“, erklärt Dr. Kleine-Gunk.
„Je älter wir werden, desto mehr Daten sammeln sich an und führen zu Fehlern“, fährt er fort. „Das ist wie bei Messies, deren Wohnungen allmählich im Müll versinken. Eine Weile kann man darüber steigen, aber irgendwann wird es zu viel.“ Eine Folge kann beispielsweise Demenz sein.
„Fordern Sie Ihr Gehirn, versuchen Sie, sich in einer fremden Stadt zurechtzufinden, lernen Sie tanzen“, schlägt Dr. Gérard Nisal Bischof vor. Das helfe, Demenzerkrankungen vorzubeugen oder sie hinauszuzögern.  Bischof ist Experte für kognitive Neurowissenschaft am Institut für Neurowissenschaften und Medizin in Jülich.
Auch Frauen, die durch die Wechseljahre bedingt an Gedächtnisstörungen leiden, haben keinen Grund zu verzweifeln: „Normalerweise ist die Konzentrationsschwäche vorübergehend. Ihr Gehirn passt sich einfach an ein anderes hormonelles Umfeld an“, versichert Dr. Caoimhe Hartley, Leiterin des Zentrums für Gesundheit während der Menopause in Dalkey, Irland.


Die Motoren: Herz und Lunge

Kleines Quiz: Welche dieser Symptome können Zeichen eines Herz­infarkts sein? a) Übelkeit; b) Atemnot; c) Kieferschmerzen; d) Engegefühl in der Brust; e) alle der genannten.
Antwort e) ist richtig. Frauen leiden eher unter Kieferschmerzen und Übelkeit. Dennoch kann jedes dieser Symptome darauf hindeuten, dass der Blutfluss zum Herzen eingeschränkt ist. Ein Infarkt kann in jedem Alter auftreten, doch die Wahrscheinlichkeit für Männer steigt ab 45 und für Frauen ab 55 Jahren. Grund sind durch Cholesterin und Plaque verstopfte Arterien sowie ein schlaffer werdender Herzmuskel, der weniger wirksam pumpt.
Durch den schwächer werdenden Herzmuskel verdoppelt sich das Risi­ko für einen Schlaganfall mit jedem Jahrzehnt ab dem 55. Lebensjahr. Es gibt zwei Arten von Schlag­anfällen: Bei der häufiger vorkommenden ischämischen Form ist ein großes Blutgefäß, das zum Hirn führt, verstopft. Beim hämorrhagischen Schlaganfall platzt ein Blutgefäß im Gehirn. Rauchen, Bewegungsmangel und Fettleibigkeit gehören ebenso zu den Risikofaktoren. Änderungen des Lebensstils können das Risiko minimieren.
„Im Alter wirken sich schlechte Angewohnheiten und genetische Faktoren stärker aus“, sagt Dr. Vernon Williams, Direktor des Zentrums für Sportneurologie und Schmerzmedizin am Cedars-Sinai Kerlan-Jobe Institute in Los Angeles, USA. Angesichts der steigenden Lebenserwartung werden in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Menschen 100 Jahre oder älter werden. „Natürlich wollen sie im Alter gesund bleiben.“

Hören Sie auf zu rauchen - die Lunge kann sich bis zu einem gewissen Grad selbst reparieren

Experten sind sich einig, dass neben einer genetischen Veranlagung Rauchen die größte Gefahr für Herz und Lunge darstellt. Das Inhalieren des giftigen Qualms kann zur nicht heilbaren, chronisch obstruktiven Lungen­erkrankung (COPD), Herzleiden und Lungenkrebs führen. Außerdem erhöht es den Blutdruck, eine der Hauptursachen für Herzinfarkt und Schlaganfall.
„Da sich die Lunge bis zu einem gewissen Grad selbst reparieren kann, ist es nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören“, betont Dr. Williams. Daneben habe Sport zahllose Vorteile. „Wer Sport treibt, trainiert seine Lunge und atmet tiefer ein und aus. Das Herz muss schneller schlagen, um die Blutzufuhr zu gewährleisten.“



Die Wasserleitungen: der Urogenitaltrakt

Inkontinenz gilt als eine Begleiterscheinung des Älterwerdens, die Männer wie Frauen betrifft. Sie kann sich durch Harnabgang beim Lachen oder plötzlichen Harndrang zeigen. Ursache ist unter anderem das Schrumpfen des Nierengewebes und damit das Nachlassen seiner Funktion. Das Trainieren der Beckenbodenmuskulatur beugt vor. Eine überaktive Blase lässt sich auch medikamentös behandeln, Östrogensalben helfen, das Gewebe zu regenerieren.
Reizbarkeit, Hitzewallungen, nächtliche Schweiß­ausbrüche, Schlaf­störungen, Scheidentrockenheit und eine verringerte Libido sind typisch für die Wechseljahre. Die gute Nachricht: Berichte über schädliche Nebenwirkungen, die der Hormonersatztherapie in den letzten zwei Jahrzehnten nachgesagt wurden, sind größtenteils widerlegt. Zu Beginn der Wechseljahre oder kurz nach der Menopause eingesetzt, hat die Therapie im Allgemeinen einen positiven Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System und das Sterblichkeitsrisiko. „Heute sind die Präparate zudem bioidentisch mit den vom Körper produzierten Hormonen. Sie werden als Gel oder Spray auf die Haut aufgetragen, was die Aufnahme sicherer und effektiver macht“, erklärt Dr. Hartley.
Bei Männern bringt das Alter häufig Prostataprobleme mit sich. Nach dem 25. Lebensjahr beginnt die Drüse langsam zu wachsen. Ab 50 kann sie jedoch so groß werden, dass sie auf die Harnröhre drückt und das Wasser­lassen erschwert. Experten vermuten hormonelle Veränderungen als Ursache. Ziehen Sie Ihren Arzt zurate, wenn Sie Veränderungen feststellen, damit gegebenenfalls Prostatakrebs frühzeitig erkannt wird und eine Behandlung eingeleitet werden kann.



Dsas Gerüst: der Bewegungsapparat

Knochen, Muskeln, Bänder, Sehnen und Knorpel halten unseren Körper zusammen. Alter und Gebrauch sorgen für Verschleiß. Verliert zum Beispiel das Knorpelgewebe, das die Gelenkflächen umhüllt, seine Elastizität, kommt es zur Arthrose. Schlimmstenfalls reibt dann Knochen auf Knochen. Arthrose ist irreversibel, Bewegung, Gewichtsabnahme und Schmerz­mitteln lindern jedoch Beschwerden. Dr. Hartley erklärt, dass die Hälfte aller Frauen jenseits der 50 an Osteoporose leiden oder einmal leiden werden, häufig ohne es zu wissen. Die Krankheit lässt Knochen dünner und poröser werden. „Dadurch erhöht sich das Risiko von Brüchen, man schrumpft und verliert seine Beweglichkeit“, sagt sie.
Aber auch Männer sind von Osteoporose betroffen, so Dr. Williams, obwohl sie ein stabileres Skelett haben und keinen starken hormonellen Veränderungen unterliegen. 5,5 Millionen Männer in der EU leiden an Osteoporose. „33 Prozent aller Männer, die 50 Jahre oder älter sind, weisen eine geringe Knochendichte – sogenannte Osteopenie – auf, bei der es sich oft um eine Vorstufe der Osteoporose handelt“, sagt Williams. „Es existieren diverse Risikofaktoren, darunter eine familiäre Veranlagung, bestimmte Medikamente und Lebensgewohnheiten.“
Wie bei vielen Erkrankungen ist Vorbeugung die beste Medizin. Ernähren Sie sich gesund. Machen Sie Krafttraining, um Ihre Muskeln zu stärken und die Stabilität Ihrer Knochen zu verbessern. Lassen Sie Ihre Knochendichte bestimmen. Stellt sich heraus, dass diese zu gering ist, kann Ihr Arzt Medikamente verschreiben, die den Knochenabbau verlangsamen oder zum Stillstand bringen.


Das BEarbeitungszentraum: der Verdauungstrakt

Hier gibt es weniger Veränderungen, abgesehen davon, dass der Magen aufgrund seiner nachlassenden Elastizität nicht mehr so viel Nahrung aufnehmen kann. Möglicherweise ent­wickeln Sie eine Laktoseintoleranz, weil der Darm weniger Laktase bildet, ein Enzym, das für die Verdauung von Milcherzeugnissen benötigt wird.
Bei Menschen über 60 steigt die Wahrscheinlichkeit, an einem Magen­geschwür zu erkranken. Das entsteht, wenn die Magenschleimhaut durch zu viel Magensäure angegriffen wird. Rauchen, Alkohol- und Kaffeekonsum begünstigen die Säureproduktion. Auch Aufstoßen und Sodbrennen treten jetzt häufiger auf, weil die Spannkraft der Speiseröhre mit den Jahren nachlässt. Haben Sie permanent Beschwerden? Gehen Sie zum Arzt. Dies könnte auf eine ernste Erkrankung wie etwa Speiseröhrenkrebs hinweisen.
Bei von Zöliakie Betroffenen löst Gluten eine Immunreaktion aus und behindert die Aufnahme von Nährstoffen im Dünndarm. Zöliakie galt lange Zeit als Kinderkrankheit, wird aber zunehmend bei älteren Erwachsenen diagnostiziert, da sie jahrelang unentdeckt bleiben kann. „Zu den Symptomen zählen Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit“, sagt Dr. Hartley. Die Krankheit ist zwar nicht heilbar, kann aber durch den Verzicht auf Gluten in Schach gehalten werden.


Die Hülle: unsere Haut

Selbst im faltigen Zustand ist die Haut unser größtes Organ: Im Durchschnitt hat sie eine Fläche von 1,5 bis 2 Quadratmetern und wiegt zwischen 3,5 und zehn Kilogramm. Mit zunehmendem Alter wird diese Hülle dünner und verliert an Elastizität, denn die Kollagen- und Elastinproduktion wird heruntergefahren. Beide Eiweiße halten die Haut glatt und geschmeidig. Weil sie schlechter durchblutet wird, bei Frauen auch, weil ihr Körper weniger Hormone produziert, ist sie verletzungsanfälliger und heilt langsamer.
Braune Altersflecken treten bei den meisten Menschen auf. Die durch Sonnenschäden verursachten Flecken können zu Hautkrebs führen. Lassen Sie deshalb Muttermale untersuchen, die neu entstehen oder sich verändern. Pigmentflecken, die verkrusten, nässen oder bluten, sind ebenfalls verdächtig. Unter Umständen ist eine Biopsie erforderlich, um festzustellen, ob das Mal entfernt werden muss.
Nach Ansicht von Dr. Kleine-Gunk verhält es sich mit der Haut wie mit dem Gehirn: „Die Ansammlung von mikrobiologischem Müll – ausgelöst unter anderem durch Umweltverschmutzung – beeinträchtigt deren Fähigkeit zu heilen und Krankheiten abzuwehren.“
Generell gilt: Wenn Sie sich regelmäßig bewegen, geistig fit halten und gelegentlich eine Erholungspause einlegen, können Sie die Zombiezellen (Zellen, die weiter altern und nicht absterben) besser in Schach halten und bleiben bis ins hohe Alter gesund.  




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