Ihrer Haut zuliebe
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Körper & Psyche

Ihrer Haut zuliebe

Sommer, Sonne, Strand - Hautkrebs? Das bringen UV-Schutz und neue Therapien bei Hautkrebs.

Ausgabe: Juli 2016 Autor: Lisa Fields

Zweimal im Jahr gehe ich zum Dermatologen und lasse mich untersuchen. Das ist doppelt so oft wie üblich – wegen meiner vielen Sommersprossen und der sehr hellen Haut. Als Teenager bis in meine frühen 20er-Jahre arbeitete ich während der Sommerferien als Rettungsschwimmerin und verbrachte die meiste Zeit im Freien. Damals war ich wie viele Gleichaltrige auf perfekte Bräune aus. Ich verwendete schon Sonnenschutzcreme, aber höchstens mit Lichtschutzfaktor (LSF) 4. Heute bezahle ich den Preis dafür. In den letzten zehn Jahren wurden mir eine Reihe verdächtig aussehende Muttermale entfernt. Und ich bin kein Einzelfall. Vor Jahrzehnten klärten Ärzte kaum über Sonnenschutz auf, Forscher wussten nicht, dass die ultravioletten Sonnenstrahlen Melanome (die gefährlichste Hautkrebsform) auslösen können.

„Der Hauptgrund für den starken Anstieg an Melanomen ist vermutlich das vermehrte Sonnenbaden und die regelmäßige Nutzung von künstlichen Bräunungsquellen“, erklärt Dr. John J. DiGiovanna, Dermatologe am Zentrum des Nationalen Krebsforschungs-Institut in Bethesda im US-Bundesstaat Maryland. Das Melanom ist zwar nur die am neunthäufigsten diagnostizierte Krebsart in Europa, dennoch hat sich die Zahl der Betroffenen seit den 1980er-Jahren versechsfacht. „Jedes Jahr werden in Europa 100 000 Melanom-Neuerkrankungen entdeckt“, sagt Professor John Haanen, Leiter der Onkologie-Abteilung am Amsterdamer Krebsinstitut. Am stärksten gefährdet sind hellhäutige Menschen, vor allem diejenigen mit roten Haaren und Sommersprossen. Ab 40 steigt das Risiko – insbesondere unter den Sonnenanbetern. Einige Experten bezeichnen den Anstieg sogar als Epidemie. Professor Reinhard Dummer, Leiter des Hautkrebszentrums am Universitätskrankenhaus Zürich meint: „In der Schweiz gehen wir davon aus, dass eine von fünf Personen einmal im Leben an Hautkrebs erkrankt.“

Auch kulturelle Entwicklungen spielen eine Rolle. Die Badebekleidung wurde knapper, Ferien am Meer sind nach wie vor beliebt. „Und preiswerte Flugreisen locken Europäer, selbst für eine Woche in ein sonniges, heißes Klima zu reisen“, sagt Dr. Alex Menzies, Onkologe am Krebs-Institut in Australien, dem Land mit der weltweit höchsten Melanomrate. „Regelmäßiges Sonnenbaden und Sonnenbrand bergen ein hohes Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.“ Doch selbst für ehemalige Sonnenanbeter gibt es Hoffnung.

Frühzeitig behandeln

Je früher ein Melanom erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Die wichtigste Behandlungs­methode ist die Operation. Regelmäßige Hautkontrollen, auch Screening genannt, und ein veränderter Lebensstil helfen, die Schäden einzuschränken, und erhöhen die Lebenserwartung.

Therapie nach Maß

Große Erfolge bei der Behandlung von fortgeschrittenen Melanomen erzielten Wissenschaftler bei Patienten im Stadium-IV mit bestimmten Genmutationen. In diesem Stadium der Erkrankung haben Metastasen bereits in andere Organe gestreut. Wie bei anderen Tumoren ist auch beim malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs) eine Anhäufung von Genmutationen vorhanden, sodass die Pigmentzellen entarten und zu Krebszellen werden. Dagegen hilft eine zielgerichtete Therapie. Mit einem neuen Wirkstoff, sogenannten Kinasehemmern, schrumpfen die Tumoren bei fast jedem Patienten. Die Chance, ein Jahr zu überleben, verbessert sich auf 70 Prozent im Vergleich zu 30 Prozent noch vor fünf Jahren.

Immuntherapie

Bei einigen Melanompatienten konnten Ärzte die T-Zellen – oft auch als Killerzellen bezeichnet – im Immunsystem dazu anregen, den Krebs zu bekämpfen – mit erstaunlichen Ergebnissen. „Problematisch dabei ist, dass die Krebszellen in der Lage sind, die T-Zellen zu deaktivieren“, sagt Dr. Menzies. „Mithilfe von neuen Medikamenten sollen die Killerzellen nun so manipuliert werden, dass sie auch getarnte Krebszellen erkennen und diese ausschalten.“

 


 

RD Abbinder
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