Peinliche Beschwerden im Alter: Ist doch ganz normal
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Körper & Psyche

Peinliche Beschwerden im Alter: Ist doch ganz normal

Mit dem Alter kommen Beschwerden, die uns peinlich und unangenehm sind. Das schafft Abhilfe.

Ausgabe: November 2016 Autor: Julie Stewart

1. Ein Tröpfchen in der Hose …

Die sogenannte Belastungsinkontinenz ist ein weit verbreitetes Phänomen, sagt Dr. Alan Wein, leitender Urologe der Medizinischen Fakultät an der Universität von Pennsylvania, USA. „Lachen, Husten oder Niesen kann zu leichtem Urinverlust führen.“

Schuld daran ist das Alter. „Nerven, Muskeln und Bindegewebe sorgen dafür, dass alles an seinem Platz bleibt. Doch im Alter erschlaffen sie“, erklärt er. Bei Frauen ist das Risiko größer durch Risse im Beckenboden, die bei einer Geburt entstehen. Bei Männern kann eine Prostata-Operation das Risiko erhöhen.

Deshalb öfter zur Toilette gehen, dann ist weniger Urin in der Blase. Und die Beckenboden-Muskulatur trainieren. So geht's:  Den Schließmuskel,  kontrahieren, als ob der Urinstrahl unterbrochen werden soll. Ideal sind zehnmal am Tag zehn Wiederholungen. Die Kontraktion für je zehn Sekunden halten. Das stärkt den Schließmuskel.


2. Ich habe Mundgeruch

Ursache für Mundgeruch ist meist der Belag auf dem hinteren Teil der Zunge, erklärt die auf Mundhygiene spezialisierte Patricia Lenton von der Universität von Minnesota, USA. „Die Bakterien verstecken sich in den Falten und Ritzen.“ Darüber hinaus nehmen wir – je älter wir werden – mehr Medikamente ein. Davon lassen viele die Mundschleimhaut austrocknen, was den Mundgeruch verstärkt.

„Kaufen Sie sich einen Zungenschaber“, so Lenton, „und beginnen Sie von ganz hinten vorsichtig nach vorn zu schaben.“ Oder Sie probieren es mit Mundspülungen mit Zink und Cetylpyridiniumchlorid.Ist der ph-Wert Ihres Speichels alkalisch, werden flüchtige Schwefelverbindungen freigesetzt. Nach den Mahlzeiten sinkt der pH-Wert in den Säurebereich – das mindert den schlechten Geruch, erklärt Lenton.

Zudem sollte man regelmäßig zum Zahnarzt gehen, um Karies und Parodontose vorzubeugen. Der Hausarzt sollte eine chronische Sinusitis sowie eine Nierenerkrankung ausschließen.


3. Hilfe, meine Fußnägel!


Pilzinfektionen verursachen eingerissene, brüchige, verfärbte oder dicke Fußnägel. Das sieht unschön aus – vor allem in Sandalen. Die Pilze ernähren sich von Keratin und zerstören dabei die Nägel, erklärt Dr. David Tran, Assistenzprofessor für Podologie an der Samuel-Merritt-Universität in Kalifornien.

Befallene Nägel sollten deshalb frühzeitig mit wasserlöslichem Nagellack behandelt werden, der den Wirkstoff Ciclopirox enthält. Bei einer schwereren Infektion sind zusätzlich Tabletten erforderlich. Dann sollte der Arzt allerdings die Leber auf eventuelle Folgeschäden untersuchen, so Dr. Tran.

Verändern sich die Nägel stark, sollte man einen Arzt aufsuchen. Verfärbungen können auf Hautkrebs hinweisen, der häufig erst spät diagnostiziert wird, wenn er unter dem Nagel auftritt.


4. Wenn der Weg zur Toilette zu weit ist


Schätzungsweise 5 Prozent der Deutschen leiden an Stuhl-Inkontinenz, einer plötzlich auftretenden Darmschwäche.
„Wenn wir älter werden, erschlaffen unsere Nerven und Muskeln“, erklärt Dr. Satish S. C. Rao, Leiter des Zentrums für Verdauungsstörungen an der Augusta-Universität im US-Bundesstaat Georgia. Regelmäßige Beckenboden-Übungen, die bei Blasenschwäche helfen, stärken auch den hinteren Schließmuskel.

Eine weitere Ursache können bestimmte Nahrungsmittel sein, die Verdauungsprobleme auslösen. Fragen Sie beim Gastroenterologen nach einem Atemtest, um herauszufinden, ob Ihr Körper die Nahrung vollständig verstoffwechselt.
Bei einigen Menschen versteift sich der normalerweise dehnbare Enddarm. In diesem Fall kann der Arzt mithilfe eines Ballons den Enddarm dehnen, oder er empfiehlt einen operativen Eingriff. Bei chronischer oder nächtlicher Diarrhö, Blut oder Eiter im Stuhl, Fieber, Austrocknung oder plötzlich auftretendem Gewichtsverlust sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.


5. Die Haut hat Flecken


Die meisten dunklen Hautflecken entstehen durch Sonneneinstrahlung und sind ungefährlich, sagt Dr. Jane Grant-Kels, Leiterin der Abteilung für Dermatologie an der Universität Connecticut, USA. Eine in der Online-Fachzeitschrift PLOS One veröffentlichte Untersuchung ergab, dass bei rund 14 Prozent der Menschen im mittleren Alter harmlose braune Flecken (Altersflecken) auftauchen.
Mit zunehmendem Alter erscheinen sie verstärkt im Gesicht, an den Händen und Unterarmen. Mit bestimmten Cremes lassen sie sich aufhellen. Ein Dermatologe kann sie aber auch mit Flüssigstickstoff oder mithilfe von Lasern entfernen.

Alterswarzen (seborrhoische Keratosen) sind harmlos, es handelt sich um erblich bedingte, warzenähnliche Hautveränderungen, die gelb, braun oder schwarz sein können. Wenn Sie sich daran stören, kann der Hautarzt sie vereisen lassen. Auch kleine, rote Gefäßmissbildungen (Angiome) sind in der Regel gutartig und bedürfen keiner Behandlung.

Ungewöhnlich aussehende Hautstellen sollte einem Facharzt gezeigt werden. Hinweis auf ein Melanom kann zum Beispiel ein neu entdeckter Hautfleck sein oder einer, dessen Größe, Form oder Farbe sich verändert hat.

 

Was tun Sie gegen das Altern?


6. Wächst meine Nase im Alter?


Die Schädelknochen hören um das 15. Lebensjahr auf zu wachsen, das Knorpelgewebe aber nicht, sagt Dr. Steve Daveluy, Assistenzprofessor für Dermatologie an der Wayne-State-Universität in Michigan, USA. Ab der Lebensmitte fallen unsere Wangen ein, weil weniger Unterhautfett vorhanden ist. „Die Nase erscheint dadurch größer, obwohl sie vielleicht nur einen Millimeter gewachsen ist“, erklärt Dr. Daveluy.

Ist die Nase stark gerötet und verdickt, kann das ein Hinweis auf ein Rhinophym sein, eine Komplikation, die bei unbehandelter Rosazea auftritt. Ein Arzt wird gegebenenfalls zu einem chirurgischen Eingriff oder einer Laserbehandlung raten.

Die Schwerkraft macht auch bei den Ohrläppchen nicht halt, besonders wenn Sie jahrelang schwere Ohrringe getragen haben.

Sonnenschutzmittel können altersbedingte Hautschäden auf Nase und Ohren vermeiden helfen, die die Haut grau und schlaff aussehen lassen.


7. Hilfe, ich habe Blähungen


Wenn Darmbakterien die Nahrung im Verdauungstrakt abbauen, entstehen Gase wie Wasserstoff und Kohlendioxid. Diese entweichen beim gesunden Menschen bis zu 20 mal am Tag. Mit zunehmendem Alter kann die „Flatulenz“ öfter und geruchsintensiver auftreten. Das kann zum Beispiel an einer altersbedingten Laktose-Unverträglichkeit liegen.

Frei verkäufliche Medikamente mit dem Wirkstoff Simeticon lösen Gas-Ansammlungen im Darm auf. Die in zusätzlichen Probiotika oder probiotischen Lebensmitteln enthaltenen Bakterien können Gasbildung und Blähungen reduzieren sowie Abhilfe beim sogenannten Reizdarmsyndrom schaffen.

Manche Menschen leiden unter verstärkter Gasbildung, Blähungen und Aufstoßen, weil sie beim Trinken kohlesäurehaltiger Getränke oder beim Rauchen zu viel Luft schlucken.

Auch zuckerfreie Lebensmittel können ein Grund für Blähungen sein. Dr. William Chey von der Universität Michigan, USA, rät: „Meiden Sie Getränke, Süßigkeiten und Kaugummi mit Zuckeraustauschstoffen wie Sorbitol, Mannitol und Xylitol.

Wer häufig unter Flatulenz, Blähungen und Aufstoßen leidet, kann vom Gastroenterologen prüfen lassen, ob die Beschwerden auf eine Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel zurückzuführen sind.



8. Was hast du gesagt?


Viele Menschen hören im Alter nicht mehr richtig. Knapp ein Drittel der 50- bis 59-Jährigen, die Hälfte der 60- bis 69-Jährigen und 75 Prozent der über 70-Jährigen gehören zu den Leidtragenden. Laute Rockkonzerte in der Jugend, Rauchen, ungesunde Ernährung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes sind die Ursache, erklärt Dr. Craig Newman, Audiologe an der Cleveland-Klinik, USA.
Alle diese Faktoren führen zu Verschleißerscheiungen der feinen Haarzellen im Innenohr, die die Signale an das Gehirn weiterleiten.

Ja später sie behandelt wird, desto schwieriger ist die Behandlung einer Schwerhörigkeit. Ein Hörgerät sollte daher möglichst früh angepaßt werden. Denn unser Gehirn verfügt über die Fähigkeit, das Hören neu zu erlernen. „Das funktioniert aber nur dann, wenn man die Hörgeräte regelmäßig trägt“, erklärt Craig Newman.

Wer sein Hörvermögen plötzlich komplett oder nahezu vollständig verliert, „sollte umgehend einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen“, rät Dr. Newman. Den Betroffenen kann, abhängig von der Ursache, mit Steroiden oder Virushemmern geholfen werden.
Verantwortlich können Virusinfektionen oder Nebenwirkungen eines Medikaments sein. In seltenen Fällen sind gutartige Tumore, sogenannte Akustikusneurinome, die Ursache.
Bei plötzlich auftretendem Schwindel und Hörverlust, der von einem Tinnitus begleitet wird, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

 
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