Ein Arzt zeigt eine Darstellung des menschlichen Harnsystems.
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Vielversprechende Behandlungen zum Schutz der Prostata

Die Hälfte aller Männer über 50 leidet an einer vergrößerten Prostata. Ein kleiner Eingriff schafft Linderung.

Ausgabe: November 2020 Autor: Mark Witten

Gute Nachrichten für alle Männer mit einer vergrösserten Prostata: Eine 15-minütige Dampfbehandlung bewirkt in 90 Pro-zent der Fälle einen Rückgang der Beschwerden. Der minimalinvasive Eingriff findet unter örtlicher Betäubung statt. Dabei führt der Arzt eine winzige Nadel durch die Harnröhre ein, die dann mehrmals für neun Sekunden Dampf ausstösst. Dieser lässt das überschüssige Prostatagewebe absterben. Nach der Behandlung klingen die Symptome (etwa nächtlicher Harndrang) ab oder verschwinden ganz – und das ohne Krankenhausaufenthalt.

 

Die Symptome

Unter der benignen Prostatahyperplasie (BPH), so die medizinische Bezeichnung für eine gutartige Prostatavergrösserung, leidet etwa die Hälfte aller Männer über 50 Jahre – und rund 90 Prozent aller Männer im Lauf ihres Lebens. Wenn die etwa walnussgrosse Prostata wächst, drückt sie auf die Harnröhre. Neben häufigem, starkem Harndrang kommt es oft zu schwachem oder unterbrochenem Urinstrahl, verzögertem Wasserlassen, Nachträufeln oder Restharngefühl. In extremen Fällen kann BPH zu komplettem Harnverhalt und so zu einer Toxinansammlung und schweren Nierenproblemen führen. Noch ist die Ursache für BPH unklar, Studien deuten aber darauf hin, dass sie auf die hormonellen Veränderungen mit zunehmendem Alter zurückzuführen ist. Betroffene sollten sich an einen Arzt wenden, vor allem, wenn sie jünger als 40 Jahre sind. Dann könnte es sich um eine schwerwiegendere Ursache wie eine Harnröhrenverengung, Entzündung der Prostata oder Krebs handeln.

 

Was tun bei leichten Symptomen?

Bei frühen oder leichten Symptomen kann schon eine Veränderung des Lebensstils helfen, etwa indem man den Koffein- und Alkoholkonsum einschränkt und zwei Stunden vor dem Schlafen nichts mehr trinkt. Ebenso sollten Dekongestiva (Medikamente mit abschwellender Wirkung) und Antihistaminika (Medikamente mit antiallergischer Wirkung) vermieden werden, da diese die Harnröhre verengen. „Ernähren Sie sich gesund und treiben Sie Sport“, empfiehlt Dr. Charles Tapping, Radiologe des britischen Oxford University Hospitals NHS Foundation Trust. „Übergewicht hängt mit einer vergrösserten Prostata zusammen, und Inaktivität führt zu Harnverhalt.“ Er rät, die Toilette bereits beim ersten Harndrang aufzusuchen und „doppelt zu entleeren“, das heisst: urinieren, 30 Sekunden warten, und dann nochmals urinieren, um die Blase komplett zu entleeren.
Auch Arzneimittel können die Symptome verringern oder vor einer Verschlimmerung bewahren. „Einige Medikamente führen zur Entspannung der Prostatamuskeln, sodass der Urin leichter fliessen kann“, erklärt Dr. Nadir Osman, Urologe des Sheffield Teaching Hospitals NHS Foundation Trust. „Andere lassen die Prostata schrumpfen.“

 

Wenn Medikamente nicht mehr helfen

Wenn Medikamente nicht helfen, Schwindel oder Störungen der Sexualfunktion auftreten, erkundigen Sie sich nach einer Dampfbehandlung oder einer anderen minimalinvasiven Methode: Bei der Prostata-Arterien-Embolisation (PAE) werden kleine Kügelchen in die Prostata-Arterie injiziert, um die Durchblutung des vermehrten Prostatagewebes zu mindern. Beim Uro-Lift halten winzige Implantate die Drüse zur Seite, damit diese nicht auf die Harnröhre drückt. In schweren Fällen kann auch eine Operation nötig sein. Mittels der häufig durchgeführten Transurethralen Resektion der Prostata (TUR-P) wird Gewebe aus der Prostata entfernt. Diese Methode birgt zwar Risiken (Impotenz, Infektionen, Blutungen und Inkontinenz), jedoch kann sie die Probleme durch die vergrösserte Prostata dauerhaft reduzieren, und 75 Prozent der behandelten Männer leiden neun Monate nach der Operation nur noch unter leichten Symptomen.

 

 


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