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Virtueller Arztbesuch: Video-Anruf via Smartphone.
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Körper & Psyche

Virtuelle Arztbesuche: Behandlung auf Distanz

Im letzten Jahr wurden wegen der Pandemie viele Aspekte des Lebens in den Onlinebereich verlagert – auch medizinische.

Autor: Luc Rinaldi

Alles nicht absolut Notwendige musste aufgeschoben werden, selbst Besuche in Krankenhäusern und Arztpraxen. So tauschten Patienten persönliche Termine gegen Videosprechstunden. Die audiovisuelle Kommunikation mit dem Arzt eignet sich für viele Gesundheitsanliegen. Dazu zählen etwa das Ausstellen von Folgerezepten sowie Fälle, in denen ein Patient Symptome wie Rücken- oder Halsschmerzen beschreibt. Über die Distanz lassen sich ausserdem Erkrankungen diagnostizieren und behandeln, die allein visuell beurteilt werden können, zum Beispiel gerötete Augen, Hautausschläge oder Krampfadern.
Auch bei der Überwachung chronischer Erkrankungen wie einer Herzinsuffizienz ist die sogenannte Telemedizin hilfreich, wenn der Arzt keine neue Diagnose stellen muss, sondern lediglich neue Symptome überwacht oder die Nebenwirkungen von Medikamenten bespricht. Gleichermassen gut funktioniert die Fernbetreuung bei Diabetes: Die Blutzuckerwerte, die Dosierung des Insulins und andere Informationen können Patienten und Mediziner elektronisch austauschen.


Virtuelle Beratung bei psychischen Problemen

Eine virtuelle Beratung bei psychischen Problemen ist ebenso umsetzbar, obwohl hier durchaus Nachteile denkbar sind: Möglicherweise kann der Therapeut die Körpersprache des Patienten nicht richtig beurteilen und so Hinweise auf dessen Befinden übersehen. Manche Patienten sowie Therapeuten bevorzugen das virtuelle Gespräch aber auch, so Dr. Annette Totten, Lehrbeauftragte an der Oregon Health and Science University, USA. „Einige sagen sogar, dass die grössere Distanz die Menschen ehrlicher macht und es sie weniger stresst, über schwierige Themen zu sprechen“, erklärt Dr. Totten, die sich ausgiebig mit Telemedizin befasst hat. Richtig umgesetzt, das zeigt Dr. Tottens Forschung, kommt Telemedizin sowohl Gesundheitsdienstleistern als auch Patienten zugute. Krankenhauseinweisungen können deutlich reduziert werden, wodurch mehr Betten für dringendere Fälle frei bleiben – ein insbesondere während der Pandemie wichtiger Faktor. Zudem sei Telemedizin für Patienten sehr bequem, so Hausärztin Dr. Michelle Greiver aus Toronto, Kanada, die ihre Praxis zu Beginn der Pandemie auf Telemedizin umgestellt hat: „Man muss den Termin nicht mit der Arbeit vereinbaren oder einen langen Weg zur Praxis zurücklegen.“


Voraussetzung: die Internet-Verbindung muss stabil sein

Um keine wertvolle Zeit während des Termins zu verlieren, sollten Patienten im Voraus sicherstellen, dass ihre Internetverbindung funktioniert und sie über die notwendige Soft- sowie Hardware verfügen. Für einen reibungslosen Ablauf rät Dr. Totten, sich vor dem Gespräch alle Fragen zu notieren und den Arzt am Ende um schriftliche Anweisung für das weitere Vorgehen zu bitten. Es gibt natürlich auch Fälle, in denen Telemedizin nicht das Richtige ist. „Diagnose ist eine Kunst, Ärzte erhalten Informationen auch über Berührungen oder Gerüche“, sagt Dr. Totten. Zum Beispiel nutzt ein Arzt seine Hände, um mögliche Tumore, Weichteil- oder Knochen­brüche zu untersuchen.
Auch Schwangere und Babys müssen weiterhin persönlich zum Arzt. Das Gleiche gilt bei akuten Gesundheitsproblemen: Erleidet man Knochenbrüche, hat länger anhaltende Atemnot oder gar Symptome eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls, muss man sofort in ein Krankenhaus.
Dr. Greiver geht davon aus, dass die Nachfrage nach Telemedizin auch nach Ende der Pandemie anhalten wird. „Ich glaube nicht, dass wir wieder zu so vielen persönlichen Terminen zurückkehren werden wie früher. Das ist nicht notwendig, um die bestmögliche Versorgung zu bieten.“

 


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