Blutvergiftung: Bakterien im Blut
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Wie Sie eine Blutvergiftung erkennen

Eine Blutvergiftung (Sepsis) kann jeden treffen. Schnelles Handeln kann dann Leben retten.

Ausgabe: April 2021 Autor: Lisa Bendall

Ein Insektenstich oder eine Blasenentzündung sind meist unangenehm, aber nicht gefährlich. Wenn man allerdings die Haut zu stark aufkratzt oder ein Antibiotikum zu früh absetzt, kann dies ein ernsthaftes Problem zur Folge haben: eine Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt.

Das Atmen fällt schwer, man fühlt sich schwach oder orientierungslos und weiss nicht, weshalb man plötzlich so krank ist. Oft ist es ein medizinischer Notfall. Jährlich sterben weltweit etwa elf Millionen Menschen an einer Sepsis – mehr als an allen Krebsarten zusammen. Wer überlebt, kann unter anhaltenden Spätfolgen leiden, wenn er nicht rechtzeitig behandelt wurde. Umso überraschender ist es, dass viele Menschen kaum etwas über die Sepsis wissen.

 

Wie es zu einer Blutvergiftung kommt

Zu einer Sepsis kommt es, wenn sich die Erreger einer lokalen Infektion über das Lymph- und Blutgefässsystem im ganzen Körper ausbreiten. Das Immunsystem wird dadurch überaktiviert und überschwemmt den Körper mit Abwehrzellen, die nicht nur die Erreger, sondern auch körpereigene Zellen und Organe angreifen. Dies kann zu Blutdruckabfall, Organversagen oder einem septischem Schock führen. „Das ist wie ein Kollateralschaden“, erklärt Dr. Konrad Reinhart, Gründungspräsident der Deutschen Sepsis-Gesellschaft und Gastprofessor der Charité, Berlin. „Es ist, als ob man im Krieg sein Land verteidigt. Man kann dabei auch die eigenen Leute treffen.“ In der Regel beginnt eine Sepsis mit einer bakteriellen Infektion, etwa einer Lungen-, Harnwegs- oder Haut­infektion. Auch Pilz-, Viren- und in seltenen Fällen Parasiten­infektionen können die Ursache sein. „Eine Sepsis muss umgehend behandelt werden“, betont der britische Intensivmediziner Dr. Ron Daniels.

 

Die Symptome einer Blutvergiftung

80 Prozent aller Fälle in den Industrieländern treten laut der US-amerikanischen Centres for Disease Control ausserhalb eines Krankenhauses auf. Darum sollte jeder die Symptome einer Sepsis kennen, um im Ernstfall schnell Hilfe zu holen. Wenn Sie bei sich eine Infektion vermuten, sollten Sie auf folgende Symptome achten, denn dann handelt es sich um einen Notfall: Sprachschwierigkeiten, Verwirrtheit, starke Gelenk- oder Muskelschmerzen, schwere Kurzatmigkeit, blasse oder fleckige Haut sowie Harnverhalt. „Vertrauen Sie Ihrem Instinkt“, rät Dr. Daniels. „Fragen Sie sich: ‚Könnte es eine Sepsis sein?‘“ Sie könnten dringend ein Antibiotikum oder Antimykotikum benötigen, in schwereren Fälle auch intravenöse Flüssigkeit, blutdruckerhöhende Medikamente, Steroide zur Unterstützung von Blutdruck und Durchblutung sowie, wenn bereits Organe versagen, eine Dialyse oder Beatmung.

Eine Sepsis kann jeden treffen, mit steigendem Alter und Vorerkrankungen erhöht sich das Risiko. „40 Prozent derjenigen, die sie überleben, leiden anschliessend unter einem oder mehreren anhaltenden körperlichen, psychischen oder kognitiven Problemen“, so Daniels. Dazu zählen Angst, Depressionen, chronische Schmerzen und Müdigkeit. Nur etwa die Hälfte aller Erkrankten kehrt binnen eines Jahres zur Normalität zurück.

Dr. Konrad Reinhart unterstreicht die Bedeutung von Massnahmen wie Impfungen gegen Lungenentzündung und Grippe, die Behandlung chronischer Erkrankungen und das aufmerksame Beobachten von Hautverletzungen. „Wichtig ist auch eine gesunde Lebensweise. Tun Sie alles, was Ihr Immunsystem stärkt, damit Sie weniger anfällig für In­fektionen sind.“

 

 

 


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