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Sanft gegen den Schmerz - diese Medikamente und Naturheilmittel helfen
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Sanft gegen den Schmerz - diese Medikamente und Naturheilmittel helfen

Mit diesen frei verkäuflichen Medikamenten und klassischen Naturheilverfahren können Sie dem Schmerz wirksam, aber sanft entgegen wirken.

Ausgabe: November 2017 Autor: Anke Nolte

Wenn der Körper Alarm auslöst

„Schmerzen sind ein Alltagsphänomen und gehören zum Leben“, erklärt Dr. Dominik Irnich, Leiter der Interdisziplinären Schmerzambulanz am Klinikum der Universität München. Häufig gehen die Beschwerden nicht auf eine ernste Erkrankung zurück, deshalb sollten Sie sie nicht überbewerten. „Andererseits ist der Schmerz als Signal zu begreifen, dass irgendwo im Körper etwas nicht stimmt“, betont der Experte. Akute Beschwerden haben eine Alarmfunktion: Sie weisen auf Fehlhaltungen, Verspannungen, Entzündungen, Überlastungen oder Verletzungen hin – manchmal auch auf ernste Erkrankungen.

Zu langes Sitzen, zu wenig Bewegung, Übergewicht, aber auch seelische Belastungen können etwa zu Rückenschmerzen führen. Gelenkschmerzen gehen häufig auf eine Arthrose zurück. Hinter Zahnschmerzen steckt oft Karies oder eine Entzündung des Zahnfleisches oder der Zahnwurzel. Anspannung und Stress können buchstäblich auf den Magen schlagen.

Kopfschmerzen durch Stress

Mia Steinmacher* bekommt Kopfschmerzen, wenn sie unter Stress steht: „Ich muss ein Manuskript fertig stellen, ein Möbelstück wird in Einzelteilen angeliefert und gleichzeitig gibt es Probleme mit meiner Mutter – in solchen Situationen baut sich der Druck peu à peu auf“, erzählt die 59-jährige Journalistin aus Berlin. Dann merkt sie, wie sich ein Ring um ihren Kopf legt, der sich immer enger zusammenzieht. Damit sie weiterarbeiten und sich auch noch um alles andere kümmern kann, nimmt sie eine Schmerztablette.

Schmerztabletten - nur bedingt sinnvoll

„Fühlt man sich stark beeinträchtigt, muss an dem Tag leistungsfähig sein oder einen Termin wahrnehmen, ist es durchaus sinnvoll, den Schmerz durch Medikamente zu lindern“, bestätigt Berend Groeneveld, Patientenbeauftragter des Deutschen Apothekerverbands e. V. Bei Schmerzen in Gelenken oder Rücken können die Mittel darüber hinaus dazu beitragen, beweglich zu bleiben und Fehlhaltungen zu vermeiden. Die bekanntesten Schmerzmittel, die Sie rezeptfrei kaufen können, sind die Substanzen Azetylsalizylsäure, Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen sowie Paracetamol. Diese wirken auch entzündungshemmend oder fiebersenkend oder sogar beides. „Für ein paar Tage sind diese Mittel in der Regel gut verträglich und lindern leichte bis mittlere Schmerzen zuverlässig“, berichtet der Apotheker. „Wichtig ist, sich an die im Beipackzettel angegebene Dosierung zu halten.“ Allerdings haben die frei verkäuflichen Mittel auch ihre Grenzen: „Wenn der Schmerz immer wiederkehrt oder andauert oder plötzlich sehr stark wird, sollten Sie einen Arzt aufsuchen“, sagt Groeneveld.

Gegen jeden Schmerz das richtige Mittel

Philipp Grätzel hat schon von Jugend an hin und wieder Rückenschmerzen. Trotzdem kommt er mit einer Packung von 20 Schmerztabletten aus – für ein ganzes Jahr. Er schwört auf Ibuprofen. Diesen Wirkstoff nimmt er auch, wenn ihm seine chronische Nasennebenhöhlen-Entzündung Kopfschmerzen bereitet und die kalte Dusche am Morgen nicht reicht, das benebelte Gefühl zu vertreiben. „Ibuprofen ist entzündungshemmend und bei meinen Schmerzen spielen Entzündungs­Prozesse sicherlich eine Rolle“, sagt der 42-Jährige, der selbst Arzt ist.

Tatsächlich sind Schmerzmittel nicht alle gleich:

  • Ibuprofen zum Beispiel wirkt anders als Paracetamol und gehört neben Azetylsalizylsäure, Diclofenac und Naproxen zu den sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Der Name rührt daher, dass die NSAR ursprünglich zur Behandlung von rheumatischen Beschwerden dienten. Sie bekämpfen nicht nur Schmerzen, sondern auch Entzündungen und Fieber. Paracetamol dagegen richtet gegen Entzündungen kaum etwas aus. Dafür senkt es besonders gut Fieber und wird deshalb häufig Kindern als Fiebersaft oder -zäpfchen verabreicht. „Paracetamol wirkt aber gegen Schmerz genauso zuverlässig wie die anderen Mittel und ist gut verträglich für den Magen“, erklärt Experte Groeneveld.
  • Während die NSAR auf Magen und Nieren schlagen können, vermag Paracetamol die Leber zu schädigen. „Deshalb ist es bei diesem Wirkstoff ganz besonders wichtig, auf die richtige Dosierung zu achten“, warnt der Apotheker. „Wer ein Leberleiden hat, sollte eher zu den NSAR greifen, bei einem empfindlichen Magen empfiehlt sich Paracetamol.“
  • Unter den NSAR ist Ibuprofen besonders vielseitig. Das Mittel eignet sich zum Einsatz gegen Kopf-, Glieder-, Gelenk-, Regel-, Wund- und Zahnschmerzen.
  • Diclofenac taugt besonders zur Behandlung von Schmerzen bei Gelenkentzündungen und nach Sportverletzungen.
  • Präparate, die Naproxen enthalten, sind teils speziell zur Behandlung von Regelschmerzen
  • Azetylsalizylsäure (ASS) – seit mehr als 100 Jahren bekannt als Aspirin – spielt eine Sonderrolle: Es hemmt besonders stark die Blutgerinnung und dient deshalb auch als Blutverdünner, um vor Herzinfarkt und Schlaganfall zu schützen. „Weil ASS die Blutungsneigung verstärkt, ist es nicht nach Zahnoperationen geeignet und auch nicht bei Regelschmerzen“, erläutert Experte Groeneveld. Dafür ist der Wirkstoff aber der Klassiker gegen Kopfschmerzen.

Die Einnahme begrenzen

Auch wenn Sie ASS & Co. ohne Rezept in der Apotheke kaufen können, heißt das nicht, dass die Substanzen gänzlich unschädlich sind. Über längere Zeit eingenommen oder hoch dosiert können die Medikamente Magen, Darm oder Leber schädigen, und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Bei Dauergebrauch drohen Nierenschäden. Zudem besteht die Gefahr einer schleichenden Abhängigkeit, die sich durch einen dumpfen Dauerkopfschmerz äußern kann. Denn paradoxerweise können Schmerztabletten wiederum Schmerzen, typischerweise im Kopf, verursachen. „Möglicherweise senkt der regelmäßige Gebrauch dieser Mittel die Schmerzschwelle und macht das Schmerzsystem überempfindlich“, erklärt Groeneveld. Gerade Kombinationspräparate, die zusätzlich Koffein enthalten, verführen zu häufiger Einnahme, weil das Koffein anregend wirkt und die Stimmung aufhellt. Wegen dieser Gefahren gilt: Schmerzmittel, für die Sie kein Rezept vom Arzt haben, nicht länger als vier Tage hintereinander einnehmen und nicht öfter als zehn Tage im Monat!

Alternativen ausprobieren

Schmerzmittel bringen zwar schnelle und bequeme Linderung – sind aber oft keine dauerhafte Lösung. In der Schmerzambulanz in der Innenstadt behandelt der Münchner Schmerztherapeut Dr. Irnich Patienten darum mit verschiedenen Verfahren. Eine besondere Rolle spielen dabei die klassischen Naturheilverfahren. „Pflanzliche Mittel können Schmerzen bis zu mittlerer Intensität lindern“, erklärt er.

  • Pfefferminzöl beispielsweise auf Stirn, Schläfen und Nacken einmassiert hilft gegen Kopfschmerzen. Das haben Studien nachgewiesen.
  • Weidenrinde als Tee oder Tablette wirkt gut bei Kopf- oder Gelenkschmerzen.
  • Auch Teufelskralle hat nachgewiesenermaßen eine schmerzlindernde Wirkung, vor allem bei Rückenschmerzen.
  • Bei einer Arthrose des Kniegelenks sind Blutegel wirksam,
  • feucht-kühle Wickel oder Umschläge mit Quark oder Kartoffeln können bei Gelenkproblemen helfen

„Ob Ihnen eher Wärme oder Kälte guttut, ob trockene Anwendungen oder feuchte besser wirken, müssen Sie ausprobieren“, sagt Dr. Dominik Irnich.

Akupressur und Akupunktur

Einen Versuch wert sind auch Akupressur und Akupunktur. Bei der Selbstmassage werden mit Daumen oder Zeigefinger für 30 bis 60 Sekunden bestimmte Punkte gedrückt oder kreisförmig massiert, bis der Schmerz nachlässt. Lassen Sie sich die Punkte von einem Experten zeigen.„Die Nadelpunktur als Verfahren der traditionellen chinesischen Medizin ist eine der effektivsten Schmerzbehandlungen“, erklärt Dr. Irnich. „Viele Studien weltweit haben nachgewiesen, dass die Akupunktur bei Schmerzen mindestens so gut wirkt wie herkömmliche Therapien.“ Wichtig ist, dass die Ursachen vor der Behandlung ärztlich abgeklärt sind, und der Akupunkteur eine entsprechende Ausbildung nachweisen kann.

Bleiben Sie aktiv

Der Umgang mit den Beschwerden spielt eine entscheidende Rolle. Deshalb kann es sinnvoll sein, ein Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Autogenes Training zu erlernen. Auch meditative Bewegungsformen wie Tai-Chi, Qigong oder Yoga verbessern Beweglichkeit, Kraft und Körperwahrnehmung und können bei regelmäßiger Übung Schmerzen reduzieren. Achten Sie auf eine medizinisch fundierte Anleitung des Übungsleiters. Dies kann ein im Umgang mit Schmerzen erfahrener Arzt, Psychotherapeut, Sportlehrer oder Physiotherapeut sein.

Mia Steinmacher praktiziert Yoga. „Manchmal muss ich mich aufraffen. Aber es lohnt sich: Ich kann mich dabei sehr gut entspannen, und danach ist mein Kopf viel freier“, berichtet sie. Auch wenn es bei akuten Schmerzen kurzfristig hilft, sich hinzulegen oder sich massieren zu lassen: „Werden Sie so bald wie möglich wieder körperlich aktiv, um eine Chronifizierung zu vermeiden“, erklärt Experte Irnich. Bewegung und sportliche Aktivität sind das beste Mittel zur Vorbeugung von Schmerzattacken. „Dabei ist die Regelmäßigkeit wichtiger als die Intensität.“

 


 

RD Abbinder
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