Arthrose – essen gegen den Schmerz
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Arthrose – essen gegen den Schmerz

Arthrose gilt als unheilbare Verschleißkrankheit. Der Einfluss der Ernährung ist vielen nicht bekannt oder wird auf das Körpergewicht reduziert.

Autor: Reader's Digest Book

Arthrose ist die weltweit häufigste Gelenkerkrankung. In Deutschland leiden etwa fünf Millionen Menschen darunter. „Die Folgen für viele Schwerstbetroffene sind gravierend: Schmerzen, Entzündungsschübe, Verdickung und Verformung. Zudem werden die Gelenke unbeweglich und steifen ein. Jede Bewegung ist dann mit teilweise heftigen Schmerzen verbunden und schließlich treten diese sogar in Ruhe auf. Nicht selten ist dann auch nachts an ein Durchschlafen nicht mehr zu denken. Arthrose trifft somit nicht nur die Gelenke, sondern den ganzen Menschen“, sagt der international forschende Mediziner Helmut Huberti, Präsident der Deutschen Arthrose-Hilfe e.V., der Welt-Arthrose- Organisation (WAO) und der American Arthritis Society.

Arthrosen von Jung bis Alt

Gern wird die Erkrankung volkstümlich als „normale Alterserscheinung“ heruntergespielt. Doch warum bekommen auch junge Menschen Arthrose und Frauen häufiger als Männer? Arthrose entsteht vor allem dann, wenn die Beanspruchung und die Belastbarkeit der Gelenke und ihrer Bestandteile in einem Missverhältnis zueinander stehen. Zunehmendes Alter, Übergewicht und weibliches Geschlecht erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Arthrose zu erkranken. Hormonelle Einflüsse spielen offenbar eine Rolle. Aber auch einseitige (Über-)Beanspruchungen, verschiedene Stoffwechselstörungen wie Gicht und das metabolische Syndrom, entzündliche Gelenkkrankheiten wie Rheuma bzw. rheumatoide Arthritis, Fehlbildungen und Fehlstellungen sowie frühere Verletzungen können eine Arthrose verursachen oder sie begünstigen. Das Tückische: Die Erkrankung verläuft zunächst schleichend und stumm. Erst nach Jahren macht sie sich durch Schmerzen oder Funktions-Einschränkungen bemerkbar.

Fettgewebe als Motor für Entzündungen

Es spricht vieles dafür, die Erkrankung ganzheitlich zu betrachten. Neuere Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass nicht nur das Körpergewicht Einfluss nimmt auf die Entwicklung von Gelenkschäden, sondern auch der Fettanteil im Körper, insbesondere die Menge des Bauchfetts. In den Fettdepots laufen biochemische Reaktionen ab, die den Stoffwechsel beeinflussen und „stille“ Entzündungen in Gang setzen, die völlig unbemerkt verlaufen, aber unter anderem den Knorpel schädigen können. Es ist also nicht egal, ob jemand einen „Bierbauch“ oder ein „Sixpack“ mit sich herumträgt. Deshalb sind der Körperfettgehalt und der Bauchumfang bessere Kriterien als das reine Gewicht bzw. der BMI-Wert, um das Risiko zu bestimmen. Arthrose-Studien anhand von kanadischen Gesundheitsdaten konnten zeigen, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf- Erkrankungen (Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Angina pectoris) und Arthrose gibt.

Die Ernährung ist wichtiger als bislang angenommen

Verschiedene Erhebungen zeigen, dass eine ungesunde Lebensweise meist zu einer Arthrose-Entstehung beiträgt. Aus dem Jahr 2015 liegt eine US-Studie der Michigan-State-Universität vor. Sechs Wochen lang aßen die an Arthrose erkrankten Teilnehmer entweder die übliche westliche kalorienreiche und fleischlastige Mischkost oder aber sie ernährten sich vegetarisch. Die vegetarischen Teilnehmer berichteten anschließend von einer stärkeren Besserung der Beschwerden als die Kontrollgruppe. Dies erklärt sich in erster Linie durch Normalisierung des Fettsäureprofils und Verminderung der Entstehung von entzündungsfördernden Stoffen.
Bestimmte Lebensmittel befeuern aufflackernde Entzündungen, so die Rheumatologin Anne Fleck: „Süßes, Weizen und übermäßiger Fleischkonsum – vor allem Schweinefleisch, das besonders viele entzündungsfördernde Substanzen enthält.“

Fettsäuren fördern oder hemmen Entzündungen

Nahrungsfette sind Triglyceride, die aus einem Glycerinmolekül mit drei Fettsäuren bestehen. Diese unterscheiden sich je nach Kettenlänge (kurz-, mittel- oder langkettige Fettsäuren), Sättigungsgrad (gesättigt, einfach oder mehrfach ungesättigt) und der Lage der Doppelbindungen im Molekül (Omega-3, -6 oder -9). Je nachdem, welche Fettsäuren in einem Fett oder Öl vorherrschen, wirkt dies eher entzündungsfördernd oder entzündungshemmend.

Bei den ungesättigten Fettsäuren wirken Omega-3-Fettsäuren eher entzündungshemmend, Omega-6-Fettsäuren eher entzündungsfördernd. Beide sind jedoch lebenswichtig. Es macht also keinen Sinn, sich ausschließlich von Omega-3-Ölen zu ernähren. Wichtig ist, auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beiden zu achten. In unserer westlichen Ernährung mit (zu) vielen tierischen Produkten dominieren bislang deutlich die Omega-6-Fettsäuren. Selbst Sonnenblumen- und Distelöl enthalten vor allem Omega-6-Fettsäuren und sind im Sinne der Entzündungsvorbeugung und -behandlung nicht günstig.
Die entzündungshemmenden langkettigen ungesättigten Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA entstehen im Körper aus Alpha-Linolensäure, allerdings nur in beschränktem Umfang. Am meisten EPA und DHA enthalten Fischöle und Fettfische.

Fette passend auswählen

Für den Biologen und Sportwissenschaftler Wolfgang Feil, der viele Arthrosepatienten berät, ist der richtige Umgang mit Fett ein wichtiger Baustein seiner Strategie. „Die Ernährung darf nicht generell fettarm sein. Das neue Motto heißt fettschlau statt fettarm.“ Der Fleischkonsum sollte daher auf höchstens 300 – 600 g Fleisch und Wurst pro Woche begrenzt werden, das entspricht zwei bis maximal drei (kleine) Fleischportionen. An den anderen Tagen gibt es fleischlose Gerichte mit Gemüse, Hülsenfrüchten oder Fisch.
Fleisch aus biologischer Aufzucht und Wild sind übrigens aufgrund ihres Fettsäureprofils günstiger als Fleisch aus konventioneller (Massen-)Erzeugung. Das hängt mit der Ernährungsweise der Tiere zusammen. Wer fleischlos lebt, belastet seinen Körper weniger mit entzündungsfördernden Fettsäuren. Jeden Tag darf es zudem etwa einen Viertelliter fettarme Milch und 50 – 60 g Käse geben, das entspricht ein bis zwei Scheiben.

Gelenke haben ein gutes „Gedächtnis“

Man sollte also Lebensmittel verzehren, die Entzündungen vermindern oder eindämmen. Und ungünstige Lebensmittel meiden, die Entzündungen anfeuern. Wer zugleich auf sein Gewicht achtet und sich möglichst viel bewegt, hilft dem Körper, mit der Erkrankung besser zurechtzukommen. Es lohnt sich, dranzubleiben! Denn Gelenke haben einen sehr langsamen Stoffwechsel, d. h., die Wirkung stellt sich oft erst später ein. Aber sie haben ein gutes „Gedächtnis“. und so wirkt sich das, was man heute tut, auch in Zukunft aus.

Was bedeutet das für Sie?

  • Zuerst zum Facharzt, dann handeln! Eine genaue Diagnose ist wichtig und von ihr hängt es ab, welche Maßnahmen zu treffen sind. Eine entzündungssenkende Ernährung ist wichtig, ersetzt aber nicht notwendige medizinische Behandlungen.
  • Gemüse, Kräuter, Hülsenfrüchte und Salate in allen Variationen – hier ist Schlemmen erlaubt! Essen Sie öfter scharf wenn Sie das mögen und verwenden Sie anstelle von Salz großzügig die genannten Gewürze. Das schafft auch vollkommen neue Geschmackserlebnisse.
  • Essen Sie abwechslungsreich und ausgewogen. Gerade bei entzündlichen Erkrankungen ist eine gute Versorgung mit Nährstoffen und weiteren gesunden Inhaltsstoffen wichtig.
  • Lassen Sie sich fachkundig beraten. Ernährungsmediziner, Oecotrophologen oder Diätassistenten sind qualifizierte Ansprechpartner.
  • Und zu guter Letzt: Vermeiden Sie Stress und Ärger so gut es geht und sorgen Sie für ausreichend Schlaf. Auch das hilft, mit Entzündungen fertig zu werden.

 

RD Abbinder
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