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Per E-Bike: Mit voller Kraft voran
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Per E-Bike mit voller Kraft voran

Sie denken über ein Velo mit Elektromotor nach? So finden Sie das optimale Modell für Ihren Velo-Alltag.

Ausgabe: April 2016 Autor: Reinhard Otter und Andrea Söldi

Vor bald zwei Jahren wurde Renate Dürr zur E-Bikerin. „Das Gefährt verschafft mir Bewegung und Freiheit“, sagt die Winterthurerin, die auf einem Hügel etwas ausserhalb des Zentrums wohnt. Die 49-Jährige war schon immer gern körperlich aktiv. Früher war sie eine passionierte Schwimmerin und fuhr auch gern Velo.

Doch wegen einer zunehmenden Arthrose am Kniegelenk konnte sie diese Sportarten nicht mehr ausüben. Nach einer Operation vor zwei Jahren verbesserte sich der Zustand so weit, dass leichte, gleichmässige Bewegungen wieder möglich waren. Dürr lieh sich in einem Velogeschäft ein E-Bike aus und unternahm eine Probefahrt das steile Strässchen hinauf zu ihrem Wohnort. „Es kam mir vor wie fliegen“, erinnert sie sich. Inzwischen möchte sie ihr Elektrovelo nicht mehr missen.

Muskelkraft plus Motorhilfe

E-Bikes kombinieren Muskelkraft und Motorhilfe. Abgesehen von einer Anfahrhilfe treibt der Motor aber nur an, solange der Fahrer selbst mittritt.Es gibt zwei verschiedene Kategorien. Bei den langsameren Elektrovelos unterstützt der Motor bis 25 km/h. Wie normale Velos brauchen diese E-Bikes keine Nummer. Helm tragen ist ratsam, aber nicht vorgeschrieben. Im Verkehr gelten die gleichen Regeln wie für Velos. Daneben gibt es auch E-Bikes, deren Motoren 45 km/h mithelfen. Für diese schnelle Sorte sind eine gelbe Nummer,Helm, mindestens ein Mofa-Fahrausweis sowie eine Haftpflichtversicherung obligatorisch. Auch mit schnellen E-Bikes muss man sich an die Velowege halten.
Wenn man den Motor abstellt, darf man aber auch auf Wegen mit Mofaverbot fahren sowie in Fussgänger zonen, die mit „Velo gestattet“ signalisiert sind. Bei beiden Kategorien ist für 14- bis 16-Jährige ein Mofa-Fahrausweis erforderlich. Die Höchstgeschwindigkeit sowie ein angepasster Fahrstil gelten selbstverständlich auch für Elektrovelos.

Immer leichter und preiswerter

E-Bikes sind stark im Trend, wie der Schweizer Velolieferanten-Verband velosuisse bestätigt: 2014 hatten fast 18 Prozent aller verkauften Velos einen Elektroantrieb. Das entspricht knapp 58.000 Stück. Für 2015 sind noch keine gesicherten Zahlen erhältlich. Doch wegen des schönen Sommers dürften die Verkäufe sogar gestiegen sein, mutmasst Roland Fuchs von velosuisse. Den Absatz zusätzlich angekurbelt habe die Frankenstärke: Um mit dem nahen Ausland mit halten zu können, mussten Schweizer Velohändler ihre Preise senken.

Die Idee, Velos unter Strom zu setzen, stammt von der Schweizer Firma Flyer im bernischen Huttwil. Vor gut 12 Jahren brachte sie ihr erstes E-Bike unter dem Namen Flyer heraus. „Es handelte sich um ziemlich klobig wirkende Fahrzeuge, die noch kaum massentauglich waren“, erinnert sich Fuchs. Doch unterdessen seien die Batterien kleiner geworden und das Erscheinungsbild schlanker. Vor etwa fünf Jahren habe der Markt deutlich angezogen, sagt der Branchenkenner.

Unterdessen gibt es rund 80 Hersteller. Grossverteiler bieten günstige Modelle schon ab 1300 Franken an – nicht teurer als ein normales Stadtvelo. Auch das Angebot wird breiter: Waren anfangs überwiegend klassische Stadt-, Herren und Damenvelos mit Elektromotoren ausgestattet, sind heute auch Mountainbikes und kompakte Klappräder zu haben. „Es ist wie mit den Offroadern bei den Autos“, sagt Fuchs. „Viele finden den sportlichen Freizeitlook einfach cool.“ Deshalb treffe man E-Mountainbikes auch in der Stadt an, wo ein City-Bike – mit oder ohne Elektroantrieb – eigentlich viel praktischer wären. Wegen des Elektro-Booms steigen heutzutage wieder Menschen in den Sattel, die schon lange nicht mehr in die Pedale getreten haben. So zum Beispiel ältere Leute oder Frauen, die ihre Kinder und den Einkauf im Velo-Anhänger befördern. Und das Potenzial sei noch nicht ausgeschöpft, glaubt Roland Fuchs: „Mit der wachsenden Bevölkerung wird es vor allem in den Städten langsam zu eng für immer mehr Autos.“

Welches E-Bike passt zu Ihnen?

Ob für Sie ein Trekking-, Stadtvelo oder ein Mountainbike mit Motorunterstützung ideal ist, hängt ganz davon ab, wie Sie es nutzen möchten. Lassen Sie sich am besten von einem Fachhändler beraten und probieren Sie verschiedene Modelle aus." Wie bei herkömmlichen Rädern sind bei E-Bikes unterschiedliche Preisgruppen mit mehr oder weniger hochwertigen Schaltungen, Bremsen, Rädern und anderen Anbauteilen. Neben der Qualität ist das Gewicht ein Preisfaktor: Je leichter, desto teurer. Heute wiegen gängige Modelle zwischen 13 und 18 Kilogramm.

Gemessen an ihrer Leistung sind E-Bikes relativ bescheiden im Stromverbrauch. Auf 100 Kilometer benötigen sie etwa eine Kilowattstunde – je nachdem, welche Unterstützungsstufe man wählt. Zum  Vergleich: Ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt kommt auf rund 4500 Kilowattstunden im Jahr. Bei den Fachhändlern steht die Frühlingssaison bevor. Im Winterthurer Geschäft Veloplus warten elektrifizierte Modelle in allen Farben und Ausführungen auf Kundschaft. Die Preise bewegen sich zwischen 2400 und 6800 Franken. „Die meisten Leute, die sich für ein  E-Bike interessieren, sind 40-jährig und älter“, sagt Velomechaniker Stefan Degirmenci. Darunter seien sowohl ältere Frauen, denen es in erster Linie  nicht mehr so sehr auf die Geschwindigkeit ankomme, als auch sportliche Pendler, die täglich weite Strecken zurücklegen wollten. 

Die meisten E-Bikes haben heutzutage so genannte Mittelmotoren, die unten bei den Pedalen angebracht sind. Die Kraft wird auf das Hinterrad  übertragen. „Wenn der Schwerpunkt unten liegt, ist die Beweglichkeit am besten“, erklärt der Fachmann. Zum Service gehört bei Veloplus auch eine gute Beratung betreffend Modell und Grösse. Mit der richtigen Einstellung von Lenker und Sattelhöhe wird eine gesunde Körperhaltung gewährleistet. 

Auch Diebe mögen E-Bikes

Wer mehrere Tausend Franken für ein neues Gefährt ausgibt, sollte sich auch über eine Versicherung Gedanken machen. Velos sind bekanntlich begehrtes Diebesgut. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Privathaftpflicht-Versicherung, ob E-Bikes gedeckt sind. Damit die Velos auch ausserhalb von zu Hause versichert  sind, braucht es in der Regel einen Zusatz zur Hausratsversicherung. Meistens beträgt die Versicherungssumme  aber lediglich 2000 Franken. Für teurere E-Bikes sollten Sie deshalb eine spezielle Versicherung in Erwägung ziehen. 

Spitex kommt per E-Bike

Wie praktisch die schnellen Velos  sind, haben unterdessen auch viele Unternehmen entdeckt. Sie sind weniger teuer als Geschäftsautos und können auch von Mitarbeitenden ohne Fahrausweis benutzt werden. Vielerorts sieht man nun auch Spitex-Angestellte, die ihre Patienten per E-Bike besuchen. Die Spitex Reinach  zum Beispiel ist mittlerweile im Besitz von sechs Gefährten. Sandra Ruesch ist tagtäglich, bei jeder Witterung, mit dem Flyer unterwegs.  „So habe ich auch im Arbeitsalltag  genügend Bewegung und bin an der frischen Luft“, sagt die Pflegefachfrau. Früher hatte sie ein normales Velo, doch nun ist sie froh, dass sie die relativ weiten Strecken und die  Steigungen dank des Motorantriebs schneller bewältigen kann. Das Verbandsmaterial und die Medikamente verstaut sie in zwei Kisten, die sie vorne und hinten am Velo festmacht. Damit nichts gestohlen wird, nimmt  sie alles mit zu den Patienten. Sandra Ruesch findet das E-Bike  überaus praktisch: „Ich muss nie einen Parkplatz suchen“, sagt sie und  braust davon zum nächsten Einsatz.


 

Mit dem E-Bike sicher unterwegs

Langsam starten: An den Motor muss man sich gewöhnen – fahren Sie zunächst in der kleinsten Stufe, und steigern Sie dann langsam.

Schalten nicht vergessen: Achten Sie auf eine gleichmäßige, flotte Tretfrequenz. So bekommen Sie bei geringem Kraftaufwand die meiste Leistung ans Hinterrad.

Auf Autos und Fußgänger achten: Vor allem am Berg unterschätzen andere Verkehrsteilnehmer häufig die vergleichsweise hohe Geschwindigkeit des E-Bikes.

Veloweg nutzen: E-Bikes sind Velos rechtlich gleichgesetzt. Gibt es einen Veloweg neben der Straße, müssen Sie diesen benutzen.

Helm tragen: Es gilt zwar nur für schnelle E-Bikes eine Helmpflicht, doch die höhere Durchschnittsgeschwindigkeit von E-Bikes sollte Grund genug sein, ihn zu tragen.

Reichweite: Je höher die Unterstützungsstufe, desto kürzer die Reichweite. Planen Sie Ihre Tour entsprechend, nehmen Sie im Zweifel das Ladegerät mit.dann können Sie den Akku beim Pausen ausbauen und im Café am Wegesrand laden.

Akku in den Schatten: Lassen Sie den Akku nie längere Zeit in der prallen Sonne. Nehmen Sie ihn vom Velo ab und mit in den Schatten. RO

 

 

 


 

RD Abbinder
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