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Vorbeugen ist beim Brandschutz Trumpf
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Aus der
aktuellen
Ausgabe

RatTipp

Brandschutz: Vorsicht statt Nachsicht

Eine vergessene Kerze oder ein überhitztes Elektrogerät können schreckliche Folgen haben. Wir zeigen, wie Sie die Brandrisiken
in den eigenen vier Wänden erkennen und beheben

Ausgabe: Oktober 2017 Autor: Reinhard Otter und Andrea Söldi

In der Nacht zum 14. Juni dieses Jahres bricht in einer der unteren Etagen des 24-stöckigen Grenfell Towers in London Feuer aus. Kurze Zeit später steht das gesamte Gebäude in Flammen. Mindestens 80 Bewohner sterben – Opfer einer der schlimmsten Brandkatastrophen der letzten Jahrzehnte. Zum Glück fällt längst nicht jeder Brand so verheerend aus wie dieser. Allerdings: Bricht Feuer in einem Wohnhaus aus, sind in der Regel immer Menschenleben in Gefahr! Dazu kommt der Sachschaden. Lesen Sie, wie Sie einem Brand in den eigenen vier Wänden vorbeugen und im Fall der Fälle richtig reagieren.

Wer in einem Hochhaus wohnt, dem dürften die Bilder aus London besonders Angst eingejagt haben. Doch ein so schlimmer Brand wie im Grenfell Tower sei in der Schweiz sehr unwahrscheinlich, sagt Michael Binz, Leiter Brandschutz bei der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF). In London habe eine verheerende Kombination zur Katastrophe geführt, so der Experte: Hinter der brennbaren Fassadenverkleidung befand sich ein Hohlraum mit einer ebenfalls brennbaren Wärmedämmung. So konnten sich die Flammen ungehindert ausbreiten. Eine solche Bauweise sei in der Schweiz bei Hochhäusern schon seit den 1960er-Jahren verboten.

Hausbesitzer und Architekten mögen die strengen Auflagen manchmal als mühsam empfinden, weil sie manchen Umbau kompliziert und teuer werden lassen. Doch umsonst sind sie nicht: Mit durchschnittlich etwa 20 Brandtoten pro Jahr in den letzten zehn Jahren ist die Schweiz weltweit das zweitsicherste Land. An der Spitze steht Singapur.

Die häufigste Brandursache? Strom

Den Ermittlungen der Londoner Behörden zufolge löste ein defekter Kühlschrank die Katastrophe im Hochhaus aus. Eine nur zu alltägliche Ursache: Laut der Schadensstatistik der VKF war Elektrizität in den letzten Jahren für etwa einen Drittel aller Brände verantwortlich. „Oft ist unsachgemässer Umgang mit Geräten der Auslöser“, sagt Binz. Nehmen Sie darum Warnhinweise in den Bedienungsanleitungen unbedingt ernst. Hi-Fi-Verstärker etwa dürfen auf keinen Fall mit Textilien abgedeckt werden. Wenn Lüftungsöffnungen im Gehäuse verschlossen werden, droht ein Hitzestau und damit ein Feuer.

Toaster, Bügeleisen und andere Geräte mit hoher Hitzeentwicklung sollten Sie nicht in der Nähe brennbarer Gegenstände wie Vorhänge benutzen. Lassen Sie sie nie unbeaufsichtigt – auch nicht für wenige Minuten, weil zwischendurch das Telefon klingelt. In solchen Fällen gilt: Ausschalten und später weiterarbeiten. Elektrogeräte, die Sie gerade nicht benutzen, sollten komplett ausgeschaltet sein, also auch nicht im Stand-by-Modus laufen. Wenn möglich trennen Sie sie vom Stromnetz – etwa mithilfe einer abschaltbaren Steckdosenleiste. Damit sparen Sie gleichzeitig Strom.

Leitungen nicht Überlasten

Sie haben jede Menge elektrischer Geräte, aber nur eine sehr begrenzte Anzahl Steckdosen? Widerstehen Sie der Versuchung, immer noch ein weiteres Gerät über Mehrfachstecker an einer Steckdose zu betreiben. „Das kann zu Überhitzung und schliesslich einem Brand führen“, warnt Michael Binz. „Besonders gross ist diese Gefahr in Wohnungen mit älterer Elektroinstallation.“ Mehrfachsteckdosen haben in der Regel eine Leistung von rund 3500 Watt. Wasserkocher zum Beispiel benötigen aber bereits bis zu 3000 Watt, sodass der Stecker schon überlastet ist, wenn Sie noch einen Kaffee-Vollautomaten mit rund 1500 Watt einschalten. Vergewissern Sie sich darüber hinaus, dass Ihre Geräte den EU-Sicherheitsbestimmungen genügen, welche auch in der Schweiz gelten. Sie sind leicht zu erkennen an den CE-, VDE- oder ÖVE-Zeichen. Der Fachmann warnt vor Apparaten, die über Internetshops direkt aus Fernost bestellt werden: Ohne die hiesige Typenprüfung bestehe in jedem Fall ein höheres Brandrisiko, betont Binz.

Der Zahn der Zeit macht vor nichts Halt – auch nicht vor Kabeln zum Beispiel

Wird deren Ummantelung brüchig, sind die stromführenden Leitungen nicht mehr ausreichend isoliert. Es drohen Kurzschluss und Brand. Ersetzen Sie Ihre Ausstattung im Zweifelsfall lieber zu früh als zu spät. Defekte Geräte instand zu setzen anstatt zu entsorgen, ist ein Beitrag zum Umweltschutz. Allerdings gilt: Reparaturen sind Sache eines Fachbetriebs! Beim Ersetzen eines defekten Stromkabels an einem Mixer oder Toaster klemmen Laien dieses manchmal zu eng am Gerät fest. So kann die Isolierung schmelzen. Ein Kurzschluss, der einen Brand auslösen kann, ist in einem solchen Fall wahrscheinlich. Michael Binz warnt in diesem Zusammenhang auch Hobbybastler, die ihren Nachbarn helfen, defekte Gegenstände zu reparieren. Verursacht ein derart wiederhergerichtetes Gerät einen Brand, haftet unter anderem der Bastler für den Schaden.

Vergesslichkeit kann brandgefährlich sein

Häufig passiert es in der Küche. So zum Beispiel im vergangenen August im thurgauischen Tägerwilen: Eine Frau hatte Öl in einer Bratpfanne erhitzt und wurde dabei abgelenkt. Das Öl begann zu brennen. Beim Versuch, das Feuer zu löschen, verletzte sich die 28-Jährige und musste ins Spital. Die Wunden waren zum Glück nur leicht, der Sachschaden belief sich jedoch auf rund 10.000 Franken.

Lassen Sie in der Küche stets besondere Vorsicht walten

Kochen Sie mit Gas, achten Sie darauf, Geschirrtücher, Topflappen oder gar Küchenpapier nicht in die Nähe der Flammen zu bringen. Beaufsichtigen Sie Ihr Kochgut und vergewissern Sie sich, dass Sie nach dem Garen Flamme oder Platte tatsächlich gelöscht beziehungsweise ausgeschaltet haben. Dasselbe gilt für den Backofen.

Der richtige Umgang mit Flammen

Als zweithäufigste Brandursache sind in der Schadenstatistik Blitzschläge aufgeführt. Obwohl sie nur 4,5 Prozent der Kosten verursachen, sind sie für rund 30 Prozent der Brände verantwortlich. Dank wirksamer Blitzschutzanlagen würden die Schäden meist nicht so gravierend ausfallen, weiss Beat Keller, der beim Fachverband Electrosuisse für die Weiterbildung von Fachleuten zuständig ist. In der Schweiz schlägt der Blitz jedes Jahr bis zu 80.000 mal ein. Dabei entstehen sehr hohe Spannungen. An der Einschlagstelle können die Temperaturen bis zu 30.000 Grad betragen. Gefährlich wird es, wenn man sich während eines nahen Gewitters im Freien aufhält. „Suchen Sie so rasch wie möglich Schutz in einem Gebäude oder einem geschlossenes Fahrzeug mit metallener Carosserie“, rät der Experte. Ist das nicht möglich, sollte man zumindest die Nähe von einschlaggefährdeten Objekten meiden. Dazu gehören zum Beispiel allein stehende Bäume, Strassenlaternen, metallische Masten und Geländer oder Gewässer.

Besonders gefährlich sind Blitzschläge im ausgesetzten Gelände in den Bergen. Studieren Sie vor einer Wanderung also stets die Wetterprognosen und ändern Sie Ihre Pläne bei angesagten Gewittern.

Menschliches Fehlverhalten führt besonders oft zu Bränden

Zu einem grossen Teil sei menschliches Fehlverhalten ausschlaggebend für Brände, sagt Michael Binz. Darunter fallen der leichtsinnige Umgang mit Kerzen und Zigaretten, mit offenem Feuer beim Grillieren oder Hitzequellen beim Heimwerken. Es klingt selbstverständlich und wird doch zu oft nicht beachtet: Platzieren Sie Kerzen nicht in der Nähe entflammbarer Materialien, löschen Sie sie, wenn Sie das Zimmer verlassen. Rauchen Sie nicht im Bett oder im Halbschlaf auf dem Sofa. Benutzen Sie den Grill ausschliesslich im Freien und giessen Sie niemals Anzündflüssigkeit nach.

Kindern den richtigen Umgang mit Feuer zeigen

Handhaben Sie Lötkolben und andere Heimwerkergeräte mit der gebotenen Vorsicht. Zeigen Sie Ihren Kindern und Enkeln den richtigen Umgang mit Brennbarem. Feuer und Rauch üben auf viele Kinder eine besondere Faszination aus. Beim Experimentieren mit selbst gebastelten Knallkörpern passieren immer wieder schwere Unfälle, die auf der Haut manchmal lebenslänglich wüste Narben zurücklassen. Wirksamer, als das Zeuseln grundsätzlich zu verbieten, sind gemeinsame Erfahrungen. Beim Wurstbraten im Freien lernen Kinder, wie man ein Feuer macht, ohne den Wald anzuzünden, und am ersten August, wie man Raketen abfeuert, ohne sich oder andere dabei in Gefahr zu bringen.

Rechtzeitige Warnung rettet Leben

Besonders gefährlich sind Brände, die nachts ausbrechen. Immer wieder ersticken Menschen im Schlaf an Rauchgasen. Davor schützen Raumwarnmelder – oder umgangssprachlich Rauchnasen. Sie sind im Handel bereits ab 20 Franken erhältlich und können mit wenig Aufwand selber an die Decke geschraubt werden. Sinnvoll seien sie vor allem in den Schlafzimmern und entlang der Fluchtwege, also in Korridoren und Treppenhäusern. Ebenso in Räumen, in denen leicht ein Feuer entstehen kann – etwa in der Küche. Dort sind spezielle Melder sinnvoll, die auf eine Kombination aus Rauch und Hitze reagieren und nicht wegen eines dampfenden Wasserkochers oder eines scharf angebratenen Steaks Fehlalarm auslösen. Für viele stark frequentierte Gebäudetypen schreibt das Gesetz zudem Brandmeldeanlagen vor. Zum Beispiel für Hotels, Spitäler, Seniorenresidenzen und Läden. Die Systeme senden im Brandfall automatisch ein Signal an die örtliche Feuerwehr aus.

Was tun, wenn’s brennt?

Der Rauchmelder schrillt, das Geschirrtuch kam der Flamme am Gasherd zu nah, die Kerze hat den Adventskranz entzündet. Bewahren Sie Ruhe! „Wenn Sie es mit einem gerade entstehenden Brand in der Wohnung zu tun haben, können Sie durchaus versuchen, das Feuer zu bekämpfen“, sagt Experte Binz. „Allerdings sollten Sie Löschversuche nur dann unternehmen, wenn Sie sicher sind, dass Sie Erfolg haben.“ Brennendes Öl in der Pfanne etwa löschen Sie, indem Sie den Deckel daraufsetzen.

Raucht ein Elektrogerät, dann gilt: Stecker ziehen

Bringen Sie das Gerät, wenn möglich, ins Freie. Wer einen Feuerlöscher besitzt – und ihn zu handhaben weiss – kann einen kleineren Brand damit bekämpfen. Gehen Sie nicht zu nah ans Feuer und zielen Sie auf den Brandherd, nicht auf die Flammen. Auch eine Löschdecke kann gute Dienste leisten. Hat das Feuer jedoch bereits Teile eines Raumes erfasst, heisst es, keine Zeit zu verlieren. „Verlassen Sie zügig Wohnung oder Haus und machen Sie möglichst viele Türen hinter sich zu“, betont der Brandschutzexperte. „Dann rufen Sie sofort die Notrufnummer 118 an.“

In Mehrfamilienhäusern schützen die geschlossenen Türen den wichtigsten Fluchtweg – das gemeinsame Treppenhaus. Schliessen Sie die Wohnungstür nicht mit dem Schlüssel ab, damit die Feuerwehr möglichst schnell zum Brandherd gelangt. Wer in einem Mehrfamilienhaus nicht direkt vom Brand betroffen ist, muss das Haus nicht zwingend sofort verlassen. „Im Normalfall sollten Wohnungen, die nicht direkt neben oder über der brennenden Wohnung liegen, nicht gefährdet sein“, sagt Binz. Wenn nicht klar ist, ob das Treppenhaus bis zum Ausgang passierbar ist, sollten Bewohner auf jeden Fall in ihren Wohnungen bleiben und sich am Fenster zeigen, empfiehlt er. „Jemand unter den Feuerwehrleuten wird immer mit dem Beobachten der Fassade beauftragt und koordiniert eine allfällige Evakuierung.“ Ist das Treppenhaus verraucht, dichten Sie Ihre Wohnungstüre von innen mit feuchten Lappen oder Kleidungsstücken gegen den Rauch ab.

Brandschutz für die Fluchtwege

In der Schweiz schreibt das Gesetz Fluchtwege von mindestens 1,20 Meter Breite vor. In Korridoren von Mehrfamilienhäusern werden höchstens kleine Möbel aus feuerresistentem Material toleriert. Ein offenes Schuhgestell oder etwaiger Gerümpel haben im Treppenhaus nichts verloren. Zusätzlich zur Brandgefahr verengen sie den Fluchtweg.


 

RD Abbinder
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